1.Spieltag: Deutschland vs. Polen 2:0

Das Eröffnungsspiel ist und war schon immer extrem wichtig für den weiteren Verlauf eines Turniers. Und auch, wenn heute beileibe nicht alles Gold war, hat unsere Nationalmannschaft eine erste “Duftmarke” gesetzt. Was ich irgendwie nicht kapiere, ist die Tatsache, dass ein Lukas Podolski eine unterirdische Saison bei den Bayern spielt, größtenteils auf der Bank verrottet und dann bei einer EM-Endrunde so einen Auftritt hinlegt. Natürlich wurden ihm beide Tore von Klose (einer absichtlich, einer unabsichtlich) mustergültig aufgelegt, allerdings muss man die Dinger erstmal reinmachen – wie man an Gomez gesehen hat, ist es nicht unbedingt selbstverständlich, dass man klare Torchancen verwertet. Wo wir auch bei den negativen Höhepunkten des Spiels wären: Sowohl Klose, als auch Gomez agierten heute extrem unglücklich. Sehr enttäuscht war ich von Mario Gomez, den ich nach seiner starken Saison beim VFB Stuttgart eigentlich als stärksten deutschen Stürmer gesehen habe. Wer so klare Chancen verdaddelt, muss sich nicht wundern, wenn er beim nächsten Spiel auf der Bank sitzt. Auch der WM-Torschützenkönig war in meinen Augen nicht wieder zuerkennen: Er bereitete zwar beide Tore vor, wirkte aber über große Strecken des Spiels unsicher und ängstlich. Klose ist momentan Welten von seiner WM-Form entfernt.

Was bleiben sonst noch für Erkenntnisse des heutigen Spiels: Die wohl wichtigste Erkenntnis ist in meinen Augen die Tatsache, dass wir einen guten Torwart haben. Auch wenn Lehmann in den ersten Minuten unsicher wirkte, steigerte er sich im Laufe des Spiel und rettete einige Male richtig gut. Er strahlte von Minute zu Minute mehr Sicherheit aus.

Was mir sicherlich nicht gefallen hat, ist das Ende des ersten und der Anfang der zweiten Halbzeit, als sich Deutschland von den Polen hinter reindrängen ließ. Für mich war hierbei der beste Mann bei den Deutschen Torsten Frings. Frings ist kein Spieler, der einem sofort auffällt, allerdings ist er immer da, wo es “wehtut”. Wenn man mal die Szenen zählt, in denen Frings in höchster Not geklärt hat und dem Angreifer den Ball abgrätscht, kommt man auf einen zweistelligen Betrag. Übrigens war sein Fehlen meiner Ansicht nach der Hauptgrund, warum wir 2006 im Halbfinale gegen Italien verloren haben.

Ebenso war ich mit der Leistung der deutschen Abwehr nicht zufrieden: Sie haben sehr viel zugelassen und selten wirklich energisch gestört. Was da für Bälle durch den deutschen Strafraum geflogen sind, ohne das einer deutscher Abwehrspieler klärt – gegen eine wirkliche Top-Mannschaft hätte man sich so sicherlich Tore gefangen. Vor allem Metzelder wirkt in meinen Augen alles andere als EM-reif – unsicher, zweikampfschwach und teilweise orientierungslos. Vielleicht wäre Arne Friedrich doch die bessere Wahl auf der Innenverteidiger-Position neben Mertesacker. Einzig Lahm konnte außen in der Viererkette überzeugen.

Da man jetzt schon wieder allerorts über den EM-Titel spricht, bin ich der Ansicht, man sollte die “Kirche im Dorf lassen”: Wenn ich schon Sprüche höre, wie “Wenn wir das Eröffnungsspiel gewonnen haben, sind wir auch immer Europameister geworden”. Bei der letzten EM hatten wir Holland im ersten Spiel, wenn man so eine Mannschaft schlägt, kann man vom Titel reden, aber sicherlich nicht gegen wirklich schwache Polen. Gegen Kroatien, die heute gegen eine stark aufspielende, junge österreichische Mannschaft äußerst glücklich 1:0 gewannen, wird man sich deutlich steigern müssen. Denkt daran Leute, wir müssen Gruppensieger werden, um im Viertelfinale den starken Portugiesen mit Deco und Ronaldo aus dem Weg zu gehen. Aber watt soll’s, wenn wir das Ding gewinnen wollen, müssen wir ja eh alle schlagen.

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