Die eBay-Abzocke

Es gab Zeiten, da habe ich so ziemlich alles bei Deutschlands größtem Auktionshaus eBay bestellt. Doch in letzter Zeit gab es für mich persönlich nur noch Ärger und Probleme. Folgendes Szenario: Ich ersteigere mir ein Handy. Der Verkäufer teilt mir seine Bankverbindung mit, und ich überweise das Geld. Zwei Wochen passiert nichts. Auf mein erneutes Nachfragen hin, wird mir erzählt, dass seine Mutter, die das Handy verkauft, im Krankenhaus liegt. Sie hätte einen Herzinfarkt erlitten und das Erste, was sie nach ihrem Erwachen von sich gegeben hätte, wär die Frage gewesen, ob das Handy rausgeschickt worden wäre…

Das Repertoire an Ausreden schien unerschöpflich und endete genau an dem Tag, an dem eine mögliche Rücklastschrift auslief. Danach meldete sich der Kollege gar nicht mehr. Mir wurde es irgendwann zu bunt, und ich schaltete meinen hervorragenden Anwalt ein, der die Sache in wenigen Wochen für mich klärte. Ergebnis war schließlich, dass ich mein Geld inkl. Porto zurückerstattet bekam und der Verkäufer zusätzlich die Verfahrenskosten tragen musste. Ich frage mich ernsthaft, was in solchen Leuten vorgeht: Ich verkaufe ein Handy, was ich nicht habe, sacke das Geld ein und hoffe darauf, dass mich niemand zur Verantwortung zieht? Wer lässt sich denn bitte in solchen finanziellen Dimensionen sowas bieten?

Kommen wir aber zurück zu eBay: Was mich am meisten nervt, ist die Tatsache, dass “Nepper, Schlepper und Bauernfänger” verstärkt Einzug halten. Früher konnte man noch für alles bieten, ohne Gefahr zu laufen, betrogen zu werden. Heute sieht das völlig anders aus: Bewertungen sagen überhaupt nichts mehr aus, weil sie teilweise künstlich gepusht werden. Und was mich am meisten aufregt ist die Art und Weise, wie Leute ihre Auktionen absichern, bzw. künstlich hochbieten. Das läuft immer nach dem selben Muster ab:

Verkäufer A bietet in zehn Auktionen dasselbe Produkt an. Er möchte aber nicht, dass es unter einem gewissen Betrag rausgeht, bzw. möchte den Preis selbst hochtreiben, um bestimmte kopflose Bieter dazu zu animieren, mit dem Preis mitzugehen. In den beschriebenen zehn Auktionen gibt es daher je ein Gebot – der Startpreis steht zwar noch auf 1 Euro, aber wenn man mitbietet, wird man von dem einen Bieter bis zu einem gewissen Punkt immer wieder überboten. Teilweise wird es auch so gemacht, dass man, um potentielle Bieter nicht gleich abzuschrecken, den “Pusher” erst später einsteigen lässt. Diese Masche ist im Grunde ziemlich leicht zu durchschauen, da in den beschriebenen Auktionen immer der selbe Bieter den Preis hochtreibt, bzw. maximal zwei Bieter sich die Auktionen teilen. Klickt man auf das Profil der Preishochtreiber sieht man sofort, dass er ausschließlich Auktionen des entsprechenden Verkäufers gewonnen hat.

Manchmal verzocken sich die Preistreiber allerdings auch und der Kunde springt ab. Ich meine, wenn ich auf ein Produkt biete, dann habe ich vorher einen festen Preis im Hinterkopf, wie hoch ich maximal gehe und wenn dieser Betrag erreicht ist, steige ich aus. In diesem Fall bekommt man einige Minuten nach der Auktion das Produkt zum Ausstiegspreis angeboten. Ihr kennt das: “Angebot an unterlegene Bieter” – von wegen, der Gewinner der Auktion sei abgesprungen und man biete es jetzt dem zweithöchsten Mitbieter an.

Was mich an der ganzen Sache extrem ärgert, ist die Tatsache, dass man mit dieser Masche fast in jeder Auktion konfrontiert wird. Es scheint fast so, als würde es schon zum Standard-Repertoire als Verkäufer gehören, den Preis selbst hochzutreiben. Mir kann niemand erzählen, eBay könnte gegen diese Masche nicht vorgehen. In den meisten Fällen ist ein Missbrauch, bzw. das Hochtreiben des Preises extrem auffällig.

Ich jedenfalls kaufe mein Zeug fast nur noch bei Amazon und co. Einfach, weil man sich dort sicher sein kann, nicht über den Tisch gezogen zu werden. Und bei der Preistreiberei unterscheiden sich die Endpreise gar nicht mehr so stark, wie früher. Also kann ich mir das Produkt auch gleich neu kaufen.

Ich rate Euch allen, wenn Ihr was bei eBay kauft, überlegt Euch vorher einen Betrag, den Ihr nicht überschreitet wollt, und lasst Euch nicht zu irgendwelchen Summen verleiten, die Ihr eigentlich gar nicht bezahlen wolltet.

Kategorien
Allgemein
Diskussion
48 Kommentare
Netzwerke