Nicht der Tag der Fans

Seit ca. zehn Jahren veranstaltet Werder Bremen als Saisonauftakt einen “Tag der Fans”. Auf dem Parkplatz vor dem Weserstadion werden Buden, Spiel- und Eventzelte aufgebaut, und dem jungen und alten Werderfan soll einiges geboten werden. Eine Veranstaltung für die ganze Familie quasi. Am gestrigen Sonntag war wieder der Tag der Fans. Wir nutzten also nochmal das gute Wetter aus: Ich packte meine Freundin und deren Nichten ein und wir fuhren zwei Stunden runter ins benachbarte Bremen. Dort trafen wir uns mit meiner ganzen Familie, so dass es quasi ein schöner Familientag hätte werden können.

In den letzten Jahren mutiert der Tag der Fans immer mehr zu einer Witzveranstaltung. Jegliche Angebote auf dem schmalen Parkplatz sind völlig überfüllt, so dass man 20-30 Minuten warten muss, um einmal auf eine Torwand zu schießen oder sich eine (völlig überteuerte) Cola zu kaufen. Noch schlimmer sieht es mit den Angeboten für die Kinder aus. Die Nichten meiner Freundin haben geschlagene 45 Minuten gewartet, um sich von einer genervten Makeup-Tussi einen Schmetterling und/oder ein Katzengesicht schminken zu lassen. Genau als wir endlich dran waren, entschied sich die Dame, dass sie jetzt wohl erstmal eine Pause verdient hätte. Sie holte sich in aller Ruhe eine Portion Pommes und setzte sich gemütlich unter einen Sonnenschirm, während ca. zwanzig Kinder in Tränen ausbrachen. Es wäre ja auch zu viel verlangt, evtl. eine zweite Damen einzustellen, um genau solche Szenen zu verhindern, bzw. die Wartezeit etwas zu reduzieren. Und dies ist nur ein Beispiel für jegliche Angebote des Events.

Am meisten ärgerte ich mich aber über die Spieler. Ich hatte mein neues Werder-Trikot eingepackt, um mir eine Unterschrift von Torsten Frings zu ergattern. Die Nichten meiner Freundin hatten ihre kleinen, süßen XS-Trikots dabei, um alle Spieler darauf unterschreiben zu lassen. Als wir am Stadion ankamen (wohlgemerkt pünktlich zur Autogrammstunde), kam uns eine Schlange entgegen, die um das halbe Station, bis auf den Osterdeich verlief (ca. 100 m). Früher war es so, dass es eine Bühne auf dem Gelände gab, wo jeder Spieler an einem langen Tisch saß. Wenn man eine Unterschrift wollte, ging man einfach zu dem entsprechenden Spieler hin und legte sein Trikot auf den Tisch. Aber das war den feinen Herren ja zu langwierig. Im letzen Jahr beschränkte man die Autogrammstunde dann auf zwei Stunden und sperrte alles mit hohen Zäunen ab – Resultat der ganzen Sache war, dass es 3-4 Schlangen gab, die sich alle gegenseitig wegdrückten und es überall Verletzte gab. Meine Freundin und ich standen im letzten Jahr zwei Stunden im Regen in dieser Schlange. Als wir kurz vorm Ziel waren, wurde die Autogrammstunde pünktlich abgebrochen. Immerhin war es noch möglich, die Spieler bei ihrem Weg in den Kabine abzufangen und so an die ein oder andere Unterschrift zu kommen.

In diesem Jahr war wieder alles anders. Um sich besonders Fan-Nah zu zeigen, hat man die Spieler direkt ins Weserstadion gesetzt. Es war alles abgesperrt, so dass man die Spieler nicht mal für ein kleines Foto zu Gesicht bekam, wenn man sich nicht gerade um 7 Uhr in der Schlange angestellt hat. Wobei ich denke, dass nicht mal das gereicht hätte, denn es wurden ca. alle 15 min zwanzig Leute durchgelassen, die dann ins Stadion gehen durften, um die Spieler unterschreiben zu lassen. Natürlich wurde mal wieder nach exakt zwei Stunden die Autogrammstunde abgebrochen, obwohl die Schlange immer noch ums halbe Stadion verlief. Die Spieler auf dem Weg in die Kabine abfangen, ging natürlich auch nicht mehr, weil sie aus dem Stadion direkt in die Kabine flüchten konnten. Das “öffentliche Training” wurde natürlich auch direkt im Stadion abgehalten, damit man sich auch sicher sein konnte, dass keiner den Spielern zu nahe kam. Das nenne ich mal Fan-Nähe! Die Nichten meiner Freundin hatten sich extrem auf die Unterschriften und die Spieler gefreut und weinten natürlich aus vollem Leib. Und auch ich hätte gerne die Frings-Unterschrift auf meinem Trikot gehabt.

Der Tag der Fans ist nur noch ein Schatten früherer Tage. Ein Verein, der immer dafür bekannt war, nah an seinen Fans zu sein, kann sich einfach nicht so präsentieren. Wenn eine solch große Nachfrage da ist, dann muss man das Event einfach mal besser und größer organisieren. Ich bin Werder-Fan, seit ich laufen kann, ich habe selbst bei dem Verein gespielt und mein Herzblut hängt an Werder Bremen. Aber es kotzt mich an, dass die Herren und Jungmillionäre sich zu fein dafür sind, ein Mal im Jahr für ihre Fans in der entsprechenden Form da zu sein. Wir Fans zahlen Unmengen an Geld für extrem überteuerte Trikots und Eintrittskarten und haben daher ein Recht darauf. Und wenn der Verein zu geizig dafür ist, ein bisschen mehr Geld für ein solches Event springen zu lassen, aber der nächste unwichtige Scout ein Monatsgehalt von 20.000 Euro verdient, dann sollten wir uns wirklich mal überlegen, wie weit es eigentlich schon gekommen ist. Scheinbar werden wir Fans eh nur noch als unwichtige Geldgeber gesehen – “ist ja völlig egal, ob sie zufrieden sind, Hauptsache unser Stadion ist immer voll und der Fanartikel-Verkauf läuft gut”.

Und was mich am allermeisten aufregt, ist die Tatsache, dass man sich auf eigenen Homepage auch noch für das Event feiert. Negative Stimmen werden einfach komplett ignoriert, schließlich muss man ja gute Publicity verbreiten, damit weiter der Eindruck entsteht, alles wäre “eitel Sonnenschein”.

Ich weiß nicht, wie die Saisoneröffnung in anderen Vereinen der ersten oder zweiten Bundesliga verläuft, aber ich bin jedenfalls extrem ernüchtert. Vielleicht könnt Ihr ja mal in die Comments schreiben, wie es bei Eurem Verein ablief und ob Ihr damit zufrieden wart.

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