Feuchtgebiete

Ich habe mich jetzt nach langer Zeit mal dazu durchringen können, das Buch von Charlotte Roche bis zum Ende zu lesen (das Hörbuch bis zum Ende zu hören). Was viele von Euch evtl. wundern wird: Ich bin entsetzt! Das Konzept ist im Prinzip einfach: Über Kontroverse, in diesem Fall Fäkalsprache, auf sich aufmerksam machen, so die Jugend ansprechen und eine Menge Bücher verkaufen. Was ich an diesem Buch bedenklich finde, ist nicht die Tatsache, dass die Dame sich der Fäkalsprache bedient (auch wenn es in meinen Augen zu sehr Masche ist) und in jedes zweite Wort die Silbe “Fick” einbaut, sondern den Einfluss, den ein solches Werk auf unsere Jugend hat. Es vermittelt den Eindruck, es wäre völlig okay, mehrere “Fickfreunde” zu haben, sich in jungen Jahren sterilisieren zu lassen, sich hunderte Sachen “in die Muschi” zu schieben, usw usw. Der ein oder andere da draußen wird jetzt anmerken, dass es okay ist und dass ich nicht so verklemmt sein soll. Versteht mich nicht falsch, jeder soll das machen, wozu er Lust hat, was ich verurteile ist es, über ein Buch sowas als Trend zu setzen. Beispiel: “Okay, weil da in dem Buch steht, dass sie sich von ihrem Stecher hat die Mumu auslecken lassen, als sie ihre Tage hatte, ist das cool und deshalb mache ich das jetzt auch. Danach küssen wir uns, bis wir beide blutverschmierte Münder haben, genau, wie in dem Buch”.

Tut mir leid, aber ich finde große Teile des Buches einfach nur krank. “Ja, aber das ist doch nur Fiktion”, wird jetzt der ein oder anderen von Euch anmerken – ich finde es schon krank, sich sowas überhaupt nur auszudenken. Natürlich musste auch ich an der ein oder anderen Stelle lachen (Stichwort: Pinkel-Peter), aber größtenteils entwich mir während des Hörens das Wort “abartig”.

Ich weiß, dass viele Frauen das Buch, ähnlich wie schon bei “Sex and the City”, als großen Sieg über das männliche Geschlecht feiern, weil sie endlich auch mal versaut sein dürfen und nicht die übliche Frauenrolle einnehmen müssen. Wenn sie wirklich stolz darauf sind, sich auf dem gleichen Niveau wie “Asi-Toni” zu bewegen, dann gratuliere ich Euch dazu.

Ich weiß, dass es für viele ungewohnt ist, dass ich mir hier als Moralapostel aufspiele. Und ich weiß auch, dass ich oft genug auch nicht gerade ein leuchtendes Vorbild darstelle. Ich selbst benutze in der WoW-Nacht des öfteren Wörter wie “Arsch” oder “Scheiße”. Lasst Euch trotzdem gesagt sein, dass ich es als meine Hauptaufgabe als Lehrer sehe, meinen Schüler(innen) bestimmte Werte zu vermitteln. Ich passe extrem auf, dass die oben genannten Wörter mir niemals im Unterricht rausrutschen (bisher erfolgreich). Ich vermittle meinen Schülern Werte wie Freundschaft, Ehrlichkeit, Treue, etc. Nicht, weil es im Trend liegt, sondern weil ich selbst mit diesen Werten aufgewachsen bin und daran glaube. Ich selbst trinke nicht, rauche nicht, habe noch nie meine jeweilige Freundin/Frau beschissen und glaube an das Gute im Menschen. All diese Werte sind im Laufe der Zeit völlig auf der Strecke geblieben. Die Jugendlichen heutzutage lernen ihre Werte aus dem TV: Früher sind wir mit Leitsätzen wie “ehrlich währt am längsten” aufgewachsen, heutzutage vermitteln die Medien stattdessen “es ist geil, ein Arschloch zu sein”. Mit Freunden und Partner verhält es sich ähnlich: Keiner hält es lange mit dem gleichen Partner aus, jeder schläft mit jedem, Abwechslung um jeden Preis. Und genau solche Trend-Werke, wie eben Feuchtgebiete, sind der Auslöser für das völlige Aussterben dieser Werte.

Ich weiß, dass es viele von Euch anders sehen, und dass ich als Belohnung für meine Meinung wieder Unmengen von Flames kassieren werde, aber ich sehe die Sache nun mal so. Ich bin einfach ein Weltverbesserer, der für seine Werte und Meinung einsteht, ob sie nun populär ist oder nicht.

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