Netzneutralität: Leserbrief

Die Reaktionen auf das iPower-Video gingen größtenteils in Richtung “kann nicht passieren”. Unser Community-Mitglied Martin, der in der Branche tätig ist, bringt mit einem Leserbrief ein wenig Licht ins Dunkel:

Es ist im Moment so, dass sich diverse Internetprovider in den USA (also sowas wie hier T-Online, freenet, 1&1 etc.) daran stören, dass manche User extrem hohen Traffic dadurch verursachen, dass sie Dienste wie Online-Videos (YouTube, MyVideo, Game-TV und Co.), Peer-to-Peer (BitTorrent, eMule und was weiß ich) und Audio-Streaming (diverse Web-Radios aber auch Sachen wie die WoW-Nacht-Audio) exzessiv nutzen und damit für die Provider immense Kosten verursachen.

Um diese Kosten wieder reinzuholen versuchen die Provider nun zwei Modelle durchzusetzen. Das erste wäre, dass es keine echten Flatrates mehr gibt, sondern nur noch volumenbasierte Tarife. Also z.B. 100GB pro Monat sind frei, danach muss man für jedes zusätzliche GB extra zahlen. Hiervon könnten allerdings Angebote ausgenommen werden, welche der Provider selbst zur Verfügung stellt (z.B. bei T-Online die Video-Angebote auf t-online.de und die T-Home On-Demand-Videos). Der Grund: An seinen eigenen Videos verdient T-Online (ist nur ein Beispiel!) natürlich wiederum mit, sei es durch Werbeeinnahmen oder sonstwas.

Die zweite Option ist die, dass man für den “Basispreis” im Internet generell nur noch wenige bestimmte Seiten freigibt, und der Nutzer für andere, sehr traffic-intensive Angebote (wie eben z.B. YouTube) extra zahlen muss. Auch hier könnten wiederum provider-eigene Angebote ausgenommen werden.

Beide Angebote hätten zur Folge, dass unabhängige, also quasi “neutrale” Web-Angebote im Bereich Video- oder Audio-Streaming mehr oder weniger aussterben würden, da vermutlich die meisten Nutzer zusätzliche Kosten vermeiden wollen und sich eben auf die Angebote der Provider beschränken würden – was denen wiederum noch mehr Geld in die Taschen spülen würde.

Diese Bestrebungen der Provider gibt es tatsächlich seit einigen Jahren, von daher ist iPower hier durchaus ernst zu nehmen (wenngleich die Formulierung “Das Internet endet 2012” natürlich etwas überspitzt ist).

In den USA laufen seit geraumer Zeit übrigens diverse von Google und Co. unterstütze Petitionen, um ein solches Vorgehen der Provider per Gesetz zu verbieten. Hierzulande gibt es bisher – auch auf Grund geringerer Bestrebungen unserer Provider in diese Richtung – wenig Aktivitäten in diese Richtung, trotzdem sollte man die Amerikaner dabei unterstützen. Denn wenn es sich bei denen erstmal durchgesetzt hat, wird es über kurz oder lang auch bei uns zu spüren sein.

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