Flick Nachtrag

Eigentlich wollte ich das Thema Flick komplett abhaken, allerdings erreichen mich immer noch ziemlich viele Mails zu dem Thema – sowohl gute, als auch schlechte. “Zeig mal ein bisschen Nationalstolz”, schreibt Toni per Mail. Ja, ich bin stolz darauf, dass wir Deutschen so eine tolle Fußballmannschaft haben, reicht das? Auf das, was Friedrich Flick und seine “Kollegen” in Deutschland angerichtet haben, kann (darf) niemand stolz sein. Abschließend möchte ich Euch einen sehr gelungen Beitrag zu dem Thema von Kai präsentieren, den er mir ebenfalls per Mail zukommen lies:

Super, ihr Volksdeutschen, da brecht ihr in dieser Diskussion mal wieder ein selbstgeschaffenes Tabu! Völliger Humbug. Das Spiel geht so: Man tue einfach so als würde uns die gesamte Welt ungerechtfertigter Weise als Nazis betrachten, und wir würden sooo sehr darunter leiden. Und wenn Ihr euch dann aufbäumt mit stupiden Sprüchen wie “Stolz ein Deutscher zu sein” oder Euch auf eure “kulturellen Wurzeln” (Bratwurst, BMW, etc.) beruft, dann erscheint das wie ein Wiederstand gegen die moralische Knechtung der großen Anglo-Amerikanisch-Zionistischen Weltverschwörung, ein Tabubruch! Ihr seid doch ganz harmlos, warum lässt man Euch nicht so leben wie ihr wollt, etc. pp., Kampf der Imperialistischen Demagogie, blablubb.

Gar nicht so dumm. Nur realitätsfern. Ich kenne nun wirklich viele Ausländer bzw. Inländer anderer Länder, und von denen macht absolut KEINER den Deutschen von heute irgendwelche Vorhaltungen. Klar, die Briten machen Witze über uns, und die Amis finden das Dritte Reich irgendwie faszinierend (hat ungefähr was von Darth Vader’s Imperium für die), aber das wars schon. Muss man aushalten können. Welche der vier Begriffe bilden Paare? Polen, Mafia, Autodiebstahl, Italien. Ist halt so. Klischees haben eine lange Lebensdauer.

Ich kann in keinster Weise nachvollziehen, das man Stolz auf sein Land ist, das ist vollkommen infantil. Dümmlich. Ich mag Deutschland, ich bin zu 99,9% kultureller Deutscher, aber das ergab sich halt ganz zufällig, dank Geburtsort. Und 30 Jahren Gewöhnung. Sogar Liebe kann ich nachvollziehen, ich empfinde zumindest starke Zuneigung, aber Stolz? Wer sonst nichts hat, der hat noch den Patriotismus. Komischer- und entlarvenderweise immer zur EIGENEN Nation. Den jungen, verzweifelten, arbeitslosen Mann möchte ich mal erleben, der sich aus lauter Frustration und Identitätskrise zur Grande Nation bekennt, und in Rostocker Straßen “Vive la France” gröhlt! Nee, immer nur “Deutschland blablabla”.

Ist jemand STOLZ darauf WoW-Spieler zu sein?

Zu den Zwangsarbeitern: kommt ja immer ein wenig auf das Wie an, oder? Meine Großeltern waren Sklavenhalter, ganz klar. Großer Gutshof in Preußen, Arbeitskräfte an der Front, und man stellte ihnen polnische Arbeitssklaven zur Verfügung. Die wurden als ganz normales Personal behandelt und versorgt, genaugenommen wars ne kleine Variante von Schindlers Liste, die beste Möglichkeit halt für beide Seiten den Krieg zu überstehen. Trotzdem haben sich meine Großeltern scheinbar abgrundtief dafür geschämt.

Herr Flick schämt sich nicht, und das macht den Unterschied aus. “Die Flick-Gruppe weigerte sich bis zum Tod des Konzernherrn, eine Entschädigung zu leisten, da dies in den Augen von Friedrich Flick einem Schuldeingeständnis gleich gekommen wäre.” (Wikipedia)
Eine Schulbennenung ist eine Ehrung des Stifters. Ehre wird zuteil, und kann auch entzogen werden. Umbennen und basta.

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