14.Spieltag: HSV – Werder 2:1

“Die Nr.1 im Norden sind wir!” – diese Gesänge waren genau fünf Minuten im gestrigen Bundesligaspiel zwischen dem HSV und Werder Bremen zu hören. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass man diese Sprechchöre jedes Jahr wieder in der AOL-Arena zu hören bekommt, obwohl Werder seit sechs Jahren dort nicht verloren hat und seit zehn Jahren in jeder Abschlusstabelle vor dem HSV steht. Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Mehr als fünf Minuten hatten die HSV-Fans gestern nicht zu singen, dann ab der sechsten Spielminute gehörte das Spiel Werder Bremen.

Mich erreichten nach dem Spiel dutzende Mails von schadenfrohen HSV-Fans, die nach zwei Niederlagen in der letzte Saison so endlich mal wieder die Chance hatten, mich zu flamen. Leute, ganz ehrlich: Wenn meine Mannschaft sich im eigenen Stadion 75.Minuten hinten reingestellt und nur durch einen “Lucky Shot” äußerst unverdient gewonnen hätte, würde ich mich hier echt nicht hinstellen und nen Lauten machen – vor allem angesichts der “Nummer” der Fans mit dem Batterie-Wurf gegen Frank Baumann.

Im Prinzip war es der genau umgekehrte Spielverlauf, wie in der letzten Saison: Dort machte der HSV das Spiel und Werder siegte durch eine einzige Torchance äußerst glücklich mit 1:0. Gestern war es so, dass der HSV nach seiner frühen Führung das Fußballspielen völlig einstellte und nur noch Werder spielte. In der zweiten Halbzeit hatte der HSV vor dem 2:1 keine einzige Torchance – und seien wir mal ehrlich, selbst das 2:1 war alles andere, als eine klare Torchance.

Spox.com analysiert die Leistung der Hamburger folgendermaßen:

Nach dem furiosen Saisonstart stagniert Hamburg in der Entwicklung. Tore fallen eher zufällig, als dass diese herausgespielt sind. Siehe das 2:1. Ein Grund: Noch immer sind die Top-Zugänge – Mladen Petric ausgenommen – keine echte Verstärkung. Alex Silva spielt unauffällig, Jansen erinnert kaum mehr an den Nationalspieler vergangener Tage, und Thiago Neves sitzt weiterhin nur auf der Bank.

Werder spielte im Prinzip über das gesamte Spiel auf ein Tor, war aber nicht zwingend genug und scheiterte zu oft an der eigenen Überheblichkeit. Wenn Diego einen hohen Ball im Strafraum zugespielt bekommt und alleine vor Frank Rost steht, wäre es bei so einem wichtigen Spiel nicht schlecht gewesen, wenn er den Ball einfach einschiebt oder ihn jemandem auflegt. Aber was macht Diego? Er legt ihn sich selbst zum Fallrückzieher auf. Auch wenn man in der zweiten Halbzeit als Werder-Fan immer das Gefühl hatte, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, wann das 2:1 für Werder fällt, stimmt, wie häufig in dieser Saison, das Ergebnis am Ende mal wieder nicht. Wie schon in den Spielen gegen Bielefeld, Dortmund, Schalke, Bochum und Hannover lässt man die Punkte liegen und “krüppelt” weiter im Mittelfeld der Tabelle rum. Und das zu Recht. Auch zu Werder hat Spox.com eine Einschätzung:

Aber immerhin stimmt beim HSV das Ergebnis – was man von Bremen nicht sagen kann. Werder lebt wie schon die ganze Saison über von vereinzelten Geniestreichen eines Diegos (siehe das 1:1) oder Claudio Pizarros. Doch wenn die Einzelkönner untertauchen (siehe Pizarro in den 90 Minuten beim HSV), fehlt der Mannschaft ein Masterplan. Eine Alternativtaktik, um einen Gegner kollektiv zu dominieren, ist nicht in Sicht.

Ich habe momentan sehr stark das Gefühl, dass dieses Jahr in Bremen ein Ära zu Ende geht. In den letzten Jahren ging es im Prinzip immer nur darum, ob man am Ende der Saison Zweiter oder Dritter wird. In dieser Saison sehe ich für einen Champions-League-Platz extrem schwarz. Und die Spieler, die momentan auf dem Platz versagen und beste Torchancen vergeben, sind dann die Ersten, die den Verein mit der Begründung verlassen, man wolle unbedingt Champions-League spielen…

Ansonsten gehe ich davon aus, dass Bayern München ganz souverän deutscher Meister werden wird. Klinsmann hat es scheinbar endlich geschafft, einen Draht zur Mannschaft aufzubauen und Ribery spielt in alter Weltklasse-Form auf. Ich freue mich sehr auf die Vergleiche mit Leverkusen und Hoffenheim in den nächsten Wochen.

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