LAN-Partys für Eltern

Eine Halle in Bochum, Dutzende vernetzter Computer mit Counter-Strike, FIFA 08 und anderen Spielen; konzentrierte Spieler, manchmal huscht ein Lächeln über ein Gesicht, wenn eine Aktion gelungen ist – ganz klar: eine LAN-Party. Allerdings ist der Altersdurchschnitt des Publikums auffällig hoch. Es ist die Elterngeneration, die sich vergangenen Freitag zum Daddeln versammelt hat, die lernen will, was den Reiz von Ego-Shootern und anderen Spielen ausmacht.

Eingeladen hatte die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB). Sie veranstaltet seit geraumer Zeit solche LAN-Partys für Eltern. Das Erziehungspersonal soll einen eigenen Eindruck von Computerspielen erhalten, die Anforderungen erfahren, die die Spiele an den Spieler stellen und sogar die Faszination eines eSports-Turniers zu spüren bekommen.

Auf der einen Seite sicherlich ein guter Ansatz und ein Schritt in die richtige Richtung. Auf der anderen Seite kann ich persönlich mir durchaus was Spannenderes vorstellen, als einen Abend mit skeptischen Eltern zu verbringen, die mich schief anschauen, weil ich mich in Sachen Computerspielen etwas besser auskenne.

Den Eltern scheint die Bochumer LAN-Party jedenfalls gefallen zu haben. Vater Franz W. stellvertretend: “Ich kann zwar weiter bei schnellen Spielanforderungen von meinem Sohn nicht als Spielpartner akzeptiert werden, aber nach dieser umfassenden Bildungsveranstaltung kann ich jetzt wieder auf Augenhöhe mitreden”. Das entspricht der Erwartungshaltung von Projektleiter Arne Busse von der Bundeszentrale für politische Bildung: “Wir haben den Eltern einen medienpädagogisch begleiteten Weg zur Wahrnehmung einer oft noch fremden Spielwelt ermöglicht, ohne ihre Kinder oder sie als verantwortliche Eltern zu stigmatisieren.

“Auf Augenhöhe mitreden”, weil man einmal bei einer LAN mehr oder weniger zugeschaut hat? Und wie lange hält diese Form der Akzeptanz an? Bis zum nächsten tollen Bericht von Frontal21, in dem extrem gut recherchiert dargestellt wird, wie gefährlich Computerspiele sind? Tut mir leid, dass ich mal wieder so skeptisch bin, aber um eine Akzeptanz von Computerspielen in unserer Gesellschaft zu erreichen, ist weit mehr nötig, als einige Eltern mal auf eine LAN einzuladen. Mich beschleicht das Gefühl, dass sich die BPB die Sache ein wenig zu einfach macht, bzw. sich als “großer Aufklärer” feiert. Wie gesagt, in meinen Augen ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, nicht mehr und auch nicht weniger.

Selbst Politiker haben den Wert der Eltern-LANs als praxisnahe Weiterbildungsveranstaltung anerkannt. In Niedersachsen übernahm die Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann die Schirmherrschaft über eine ähnliche Veranstaltungsreihe (wenn auch ohne eSports-Wettkampf) der Landesstelle Jugendschutz Niedersachen (LJS).

Ach, “selbst Politiker” also? Na dann sind wir ja alle gerettet! Die nächsten Wahlen in Niedersachsen sind übrigens erst wieder 2013…

Hier der Link zum kompletten Bericht: Heise Online

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