Videoüberwachung im Klassenzimmer

Als mir der folgende Artikel heute von unserem Community-Mitglied Firaxian verlinkt wurde, traute ich mal wieder meinen Augen nicht:

In Großbritannien ist die Kameraüberwachung öffentlicher Orte bereits seit Jahren Standard. Nirgendwo kommen so viele Überwachungskameras auf 100 Einwohner wie im Vereinigten Königreich. Nun aber wurde bekannt, dass die Briten Überwachungskameras auch noch an ganz anderen Orten einsetzen: Rund 85 Schulen in Großbritannien sollen bereits den Unterricht und die Pausen mit derartigen Kameras überwachen, indem sie diese in ihren Klassenräumen anbringen.
Sowohl Grundschulen als auch weiterführende Schulen und Hochschulen bedienen sich der viel beworbenen Technik – einige der betroffenen Schüler sind somit nicht älter als vier oder fünf Jahre. Die Befürworter der Kameraüberwachung im Klassenzimmer sehen dennoch keinen Grund für ein schlechtes Gewissen: Diese Überwachungsmaßnahme diene nur dem Wohl der Schüler, argumentieren sie und belegen das auf verschiedene Art und Weise.

Ich frage mich ganz ehrlich, wo die ganze Sache noch hinführen soll. Irgendwie entwickelt sich alles nur noch in Richtung Überwachungsstaat.

Die Systeme der Firma Classwatch, bestehend aus Kamera, Mikrofon und einem sicher eingeschlossenen Festplattenrecorder, sollen dem Lehrer unter anderem ermöglichen, Schüler zu identifizieren, die den Unterricht stören, wenn der Lehrer nicht hinschaut. Auch gegen Mobbing, undiszipliniertes Benehmen und falsche Anschuldigungen gegenüber Lehrern soll das das System schützen. Kommt es zu strafrechtlich relevanten Vorfällen, haben die Entwickler des Systems vorgesorgt: Spezielle Beutel, die Classwatch direkt mitliefert, sind extra für vor Gericht zu verwendende Beweismittel gedacht. Folgerichtig wirbt die Firma auch ausdrücklich damit, dass die Kameras dem Sammeln von Beweismaterial dienen können und sollen. Als zusätzlicher Bonus sollen die Kameras auch das Lernen erleichtern: Unterrichtsstunden könnten so zum Zweck der Wiederholung oder für Schüler, die gefehlt haben, aufgezeichnet und weitergegeben werden.

Ich finde eine solche Vorgehensweise sowohl für Lehrer, als auch für Schüler absolut unerträglich. Beweismittel vor Gericht? Wo leben wir denn bitte? Ist es wirklich schon so weit gekommen?

Quelle: Gulli News

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