Halo 3 macht 17-jährigen zum Mörder

Ihr habt den Fall sicherlich schon mitbekommen. Mein Postfach ist überfüllt von Mails, in denen Mitglieder der Community mir den Fall verlinken und sich darüber aufregen. Aber worum geht es genau?

15.01.2009: Die Entscheidung im Fall des 17-Jährigen Daniel Petric ist bislang noch nicht endgültig gefallen. Fest steht aber: Er ist schuldig wegen Mordes und versuchtem Mordes. Dem 17-Jährigen droht nun lebenslange Haft. Er hatte seine Mutter erschossen und seinen Vater schwer verletzt, weil diese ihm das Spielen von Halo3 verbieten wollten. Der US-Richter James Burge eröffnete die letzte Anhörung mit folgenden kuriosen Worten: “Ich glaube fest daran, dass Daniel Petric als er seine Tat ausgebrütet hat, keine Vorstellung davon hatte, dass seine Eltern für immer tot bleiben”, das berichten die Brancheninsider von GamePolitics.

Dabei gibt der US-Richter offenkundig zu, dass er sich nicht gut mit Computerspielen auskennt. Auch muss er sich eingestehen, dass die Gewalt in Halo 3 nicht wirklich eine Rolle spielt. “Bei Halo 3 geht es darum, wer die meisten angreifenden Aliens abknallen kann”, so der Richter. “Ich bin fest davon überzeugt, dass nach einer Weile die selben körperlichen Merkmale auftreten, wie bei der Einnahme von einigen Drogen”, fügt er an.  (Quelle: MSN/dpa)

Ein 17jähriger Junge sollte schon in der Lage sein, zwischen Tod und Leben unterscheiden zu können. Wenn ich meine Eltern töte, sind sie tot – das versteht sogar ein 10jähriger. Dass ein Computerspiel einem fast volljährigen Jungen dazu animiert haben soll, seine Eltern zu töten, ist in meinen Augen absolut unrealistisch. Ebenso wird niemand aus einem Verbot heraus zwingend zu so einem Mittel greifen. Um das genaue Motiv, was den Jungen zu der Tat getrieben hat, zu ermitteln, bedarf es weit mehr, als den Fall so oberflächlich zu betrachten, wie es der Richter getan hat. Aber so ist es ja am einfachsten für alle Beteiligten: Man hat ohne großen Aufwand einen Schuldigen und ein Motiv. Nur die wahren Hintergründe der Tat bleiben so für immer im Dunkeln.

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