Leserbrief WoW-Sucht

Heute bekam ich Post von einem Community-Mitglied, welcher mir/uns seine Leidensgeschichte schildern will. Lest einfach mal rein:

Das Thema, über das ich heute erzählen werde ist Sucht. Viele werden jetzt aufschreien: Lass mich doch in ruhe mit dem Thema! Alles nur Panikmache! Ich bin jedenfalls nicht betroffen! Das mag ja alles zutreffen aber was ich zu erzählen habe ist wirklich nur mehr abgedreht und s******. Man sagt ja WoW ist ein Gemeinschaftsspiel. Sogar bei wenn man einloggt bekommt man folgenden tipp zu sehen: Bringt eure Freunde nach Azeroth. Da ich schon lange inaktiv war und ein Freund keine Lust mehr hatte seinen Dudu nach erscheinen des neuen Add-ons zu leveln, versuchten wir es mit werbt einen Freund. Gesagt, getan, einen Tag darauf standen wir also da im Immersangwald, eine Hexe und ein Druide. Es machte wirklich Spaß gemeinsam zu leveln und ging durch 3-fach EP auch wirklich schnell. Nach gut 10 Tagen standen wir dann in Outlands(wir spielten gut 3 Stunden am Tag, was auch schon viel ist meiner Meinung nach). Ein guter Freund aus unserer Klasse, der auch keinen Bock mehr hatte, kam dann mit der Idee, sich einen DK zu machen und einzusteigen. “Klar”, sagten wir, wir wussten ja nicht was dann kommen würde. Ab hier ging es dann los. Die wahre Sucht. Das Gefühl, schneller und besser zu sein als die anderen. Das Verlangen, den PC einzuschalten und wieder weiterzumachen. Klar, das hat jeder von uns schon Mal durchgemacht, aber doch nicht in einem 3 Wochen Dauerzustand. Besonders aufgefallen ist mir das bei unserem Druiden. Er war plötzlich wieder ein Level vorne. Was das heißt? Klar, er hat 2 Stunden länger gespielt. Also schnell mal das lernen für den nächsten Test verschoben und weitergespielt. Jede halbe Stunde kam die Frage: “Und wieviele EP habt ihr schon?” Und dann die Reaktion “Boah, ihr Suchtis” Die Zeit verging, und wir spielten die ganze Zeit. Unser Tagesablauf: Aufstehen, zur Schule gehen, heimgehen,Essen, Wow spielen, vll ein bisschen lernen, schlafen. Wobei man sagen muss dass ich, der Verfasser dieses Briefes eher mehr gelernt habe und der Druide immer wieder mal ins Fußballtraining ging. Nur der DK spielte die ganze Zeit. Am ärgsten wurde mir unsere Abhängigkeit bewusst, als wir dann anfingen, zu Zweit über den jeweils Dritten zu läster. “Man der Suchti, hat der doch wirklich schon wieder zwei Level gemacht. Komm, wir müssen aufschließen.” Einerseits war diese gegenseitge Anstacheln und pushen ganz lustig, aber auch wieder traurig, den nwir wurden manchmal wirklich böse. So ging es also dahin, jeden Tag bis zu 5 Stunden. Wir erreichten am Montag letzte Woche Level 80. Sofort ging es ans PvP, sofort begann das selbe Spiel:”Wie viel Ehre hast du denn?” “Boah so viel! Suchti.”. Wir machten ein Arenateam und begannen zu spielen, wen nauch sehr schlecht, da der Wl und die Arena zur Zeit ja unbrauchbar sind. Wir gingen auch in ein paar Raidinis, vorgestern dann Naxx 10. Danach das alte Spiel:” Wie viel Epics hast du?””Boah so viele! Suchti.” Und weiter ging es. Wir hatten Ferien. Man kann sich also vorstellen, wie viel gespielt wurde. Ichschätze auf durschnittlich 6 1/2 Stunden. Gestern luden sie hinter meinem Rücken einen anderen ins 3v3 ein, mit mir konnte man nichts erreichen. Da war er wieder. Der Drang, mehr erreichen zu wollen. An die Spitze zu gelangen. Besser zu sein. Ich schreibe diese Mail unmittelbar nachdem ich jetzt mit WoW abgeschlossen habe. Nie mehr wieder werde ich ein MMO spielen. Denn es wird immer so weiterlaufen. Und ich weiß, dass wir nicht die einzigen sind, denen es so ergangen ist. Deswegen möchte ich den Leuten vor Augen führen, was WoW mit einem machen kann.Als Abschluss sei noch folgendes gesagt: Ich konnte meinen ausgezeichneten Erfolg retten, meine beiden Kollegen hatten allerdings beide ein schlechtes Zeugnis, einer davon knapp an zwei fünfen vorbeigeschossen. Bitte Leute, versucht es nicht so weit kommen zu lassen. Denn nun wisst ihr ja, was passieren kann…

Dass WoW ein großes Suchtpotential hat, kann, denke ich, niemand abstreiten. Allerdings sehe ich als einzigen Unterschied zu anderen Hobbys den “Bequemlichkeitsfaktor”, sprich, dass man seinem Hobby im eigenen Zimmer (zwei Meter vom Bett entfernt) nachgehen kann. Was das Community-Mitglied, welche übrigens anonym bleiben möchte, hier schildert, könnte ich 1 zu 1 für meine Jugend und meinen Leistungssport übernehmen. Auch hier wollte man immer dranbleiben, hat 5+ Stunden täglich trainiert und die Schule vernachlässigt. Der Unterschied ist nur, dass einem im Sport-Bereich alle auf die Schulter klopfen, während das Gaming immer noch einen so negativen Ruf genießt, dass hier sofort alle von Sucht sprechen.

Ich bin auf die Diskussion in den Comments gespannt. Wie seht Ihr die Sache, bzw. den Leserbrief?

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