Amokläufe

Ich komme gerade von der Schule nach Hause und habe natürlich die Nachrichten gehört. Amoklauf in Baden-Württemberg, Amoklauf in den USA. Mein Postkasten bricht aus allen Nähten. Von Interview-Anfragen bis hin zu wütenden Community-Mitgliedern ist alles dabei. Warum wütend? Ganz einfach: Anstatt nach Ursachen zu forschen, ist natürlich ganz schnell der übliche Sündenbock aus dem Hut gezaubert worden…

Bei einer sofortigen Untersuchung des Wohnhauses des Mannes wurden 16 (von seinen Eltern legal erworbene) Waffen gefunden. Weiterhin berichten die ersten Nachrichtensender wie NTV von einem Zusammenhang der Tat mit gewalttätigen Videospielen. Es ist daher davon auszugehen, dass die psychischen Folgen der Schüler und deren Angehörigen von der ungerichteten und unbegründeten Wut der Politiker gegen das längst etablierte Medium “Videogame” überspielt wird. Weit aus wichtiger wäre jetzt, sich um die unmittelbaren Sorgen zu kümmern, die Opfer ärztlich zu behandeln und die wahren Hintergründe der Tat zu beleuchten, ohne wieder einmal propagandistisch-populistische Geschütze aufzufahren.

Ich will mir nicht anmaßen, hier über irgendwen zu urteilen, bzw. hier die Eltern oder sonstwen als Schuldigen auszumachen. Statt dessen könnte ich an dieser Stelle zum hundertsten Mal eine Abhandlung verfassen, dass Computerspiele niemals aus einem Menschen einen Amokläufer formen können, aber die Zielgruppe dieses Blogs wird mir dahingehend wohl eh nicht widersprechen – außerdem bin ich es ehrlich gesagt ziemlich leid. Für mich ist es einfach Fakt, dass Amokläufer heutzutage größtenteils Trittbrettfahrer sind. Die Medien, die Politiker und der ganze Hype, der nach jeder dieser Tragödien veranstaltet wird, treibt andere “Problemkinder” zu solchen Taten, einfach, weil sie wenigstens einmal im Rampenlicht stehen wollen, bzw. so der Hilfeschrei des 21.Jahrhunderts aussieht. Früher hat man sich die Pulsadern aufgeschnitten, heute startet man einen Amoklauf. Wir leben in einer äußerst “lauten” Gesellschaft, in der solche Taten zur Tagesordnung gehören – leise abzutreten ist einfach nicht mehr In. So traurig das alles ist, so realitätsfremd ist es, zu glauben, wir würden solche Taten durch Verbote von Gewaltfilmen und Computerspielen in den Griff bekommen. Die einzig wirksamere Methode, die ich aktuelle sehe, ist, die Waffengesetze noch weiter zu verschärfen. Ein Jugendlicher, der an keine Waffen kommt, kann auch keinen Amoklauf starten. Wobei dies in der heutigen Zeit wohl auch ziemlich naiv gedacht ist. In einer Welt, in der man an jeder Straßenecke Drogen kaufen kann, wird es wohl auch jederzeit möglich sein, irgendwie an eine Waffe zu kommen.

Unser Beleid und Mitgefühl ist jedenfalls mit den Opfern und Hinterbliebenen der heutigen Tragödien in Winnenden und Alabama. Ansonsten kann ich Euch nur die 55ste WoW-Nacht empfehlen, wo wir damals in sehr kompetenter Runde genau dieses Thema intensiv diskutiert haben –> Download-Link

Links: Demonews.de

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