Klinsi zurück an den Strand

Die “Ära Klinsmann” ist beim FC Bayern Geschichte. Ich denke, der gestrige Rauswurf vom einstigen Innovator Klinsmann war für uns alle keine Überraschung. Er ist mit seinem Konzept und den 37 Trainern kläglich gescheitert. Die Frage, die sich mir nun stellt, ist, ob es eher an dem Konzept oder an Klinsi selbst gelegen hat. Fakt ist, dass seine “neuen Wege”, die er aus den USA mitgebracht hat, im konservativen Bayern von Anfang an eher skeptisch beäugt wurden. “Ich werden jeden Spieler an jedem neuen Tag ein bisschen besser machen”, sagte Klinsmann bei seinem Amtsantritt. Scheinbar wollte er jedem Spieler auch die Erfahrung vermitteln, mit hohen Niederlagen und Demütigungen klarzukommen: 2:5 im eigenen Stadion gegen Werder, 1:5 in Wolfsburg und 0:4 in Barcelona abgeschlachtet. Sowas gab es vor allem national in dieser Form noch nie beim FC Bayern.

Auch unter den Spielern schien sein Ruf in den letzten Wochen äußerst angekratzt zu sein: Kein Wunder, wenn man Leute wie Borowski oder Rensing völlig demontiert. Man kann einfach nicht einen jungen Torwart eine dreiviertel Saison im Kasten stehen lassen und ihm jeden Fehler großherzig und öffentlich verzeihen, um ihn dann kurz vor Ende der Saison öffentlich zu degradieren. Hinzu kommt, dass die Spieler seine Art Fußball zu spielen, irgendwie nicht verstanden haben, bzw. nicht umsetzen konnten. Ich kann mich nicht daran erinnern, in den letzten zehn Jahren schon mal so eine “Hühnerhaufen-Abwehr” beim FC Bayern gesehen zu haben. Auch das Spiel nach vorne beschränkte sich größtenteils auf die Person Ribery, was den FC Bayern natürlich besonders international äußerst berechenbar machte.

Wobei man natürlich dazu sagen muss, dass der FC Bayern, jetzt mal abgsehen vom Hinspiel in Barca, eine durchaus gelungene Champions-League-Saison gespielt hat. Man sollte jetzt auch nicht anfangen, alles schlecht zu machen. Ich meine, Bayern hat nur drei Punkte Rückstand auf Tabellenführer Wolfsburg und ist im Kampf um die die deutsche Meisterschaft noch voll vertreten. Wobei, seien wir mal ehrlich: Es ist sind schon Trainer, die wesentlich besser standen, beim FC Bayern gefeuert worden – mir fällt dabei Otto Rehagel ein, der in seiner Zeit Platz 2 in der Liga belegte und den UEFA-Cup gewann. Als Trainer beim FC Bayern kann man es sich einfach nicht erlauben, Zweiter zu sein. Von daher war mir von Anfang an nicht klar, warum der FC Bayern Klinsmann mit seinem neuen, revolutionären Konzept verpflichtet hat. Gerade bei solchen einschneidenden Veränderungen, war es doch absehbar, dass man mal eine Saison evtl. nichts gewinnt. Also entweder gesteht man so einem Trainer mal eine “erfolglose” Saison zu, oder man verpflichtet ihn gar nicht erst.

Bleibt also die Suche nach einem neuen Superstar-Trainer und ein “Lückenbüßer” Jupp Heynckes, der irgendwie nur in Spanien richtig erfolgreich war und während seiner deutschen Stationen kostant gescheitert ist. Mal sehen, wie es beim FC Bayern in den nächsten Tagen und Wochen weitergeht.

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