Uefa-Cup: Der HSV legt vor!

Der HSV blieb in den letzten zwei Spielen hinter den eigenen Ansprüchen zurück: Durch die Niederlagen gegen Bremen im DFB-Pokal und gegen Dortmund in der Liga, lief man Gefahr, kurz vor Ende des Saison in kürzester Zeit alle Titelchancen zu verspielen. Nachdem halb Deutschland (und Bremen ganz besonders) von einer Krise sprach, überraschte der HSV heute nicht nur den SV Werder. Der Hauptgrund für den couragierten Auftritt in Bremen war in meinen Augen vor allem die taktische Umstellung im Mittelfeld: Spielte man im DFB-Pokal noch mit einer Raute im Mittelfeld, ohne richtigen Spielmacher und mit Guerrero hinter den Spitzen, stellte Trainer Martin “Shrek” Jol heute auf eine Doppel-Sechs Taktik, mit Jarolim und Silva als Abräumer um. Durch diese Änderung gelang es dem HSV, das Herzstück der Bremern, nämlich das Mittelfeld matt zu setzen. So konnte man immer wieder gewonnen Bälle im Mittelfeld schnell nach vorne spielen und so gefährliche Konter einleiten. Die Taktik ging voll auf: Werder brauchte ca. 30 min, bevor man sich halbwegs darauf eingestellt hatte. Bis zur 30sten Minute stürmte nur der HSV. Werder schoss ein einziges Mal durch Diego aufs Tor. Das 1:0 für den HSV war die logische Konsequenz – auch wenn das Tor so niemals fallen darf. Ein 1,20m-Spieler wie Trochowski darf gegen Innenverteidiger wie Mertesacker und Naldo, die ca. doppelt so groß sind, niemals ein Kopfballtor im Strafraum machen. Auch wenn Werder gegen Ende der ersten Halbzeit besser ins Spiel kam, war die 1:0 Halbzeitführung für den HSV mehr als verdient.

Im Prinzip änderte sich am Spielverlauf bis ca. zur 65sten Minute nichts: Werder machte das Spiel, war aber selten zwingend, während der HSV immer wieder gefährlich konterte und zu Beginn der zweiten Hälfte dem 2:0 näher war, als Werder dem Ausgleich. Ab der 65sten Minute änderte sich das Bild, der HSV stellte sich fast komplett hinten rein und entlastende Konter wurden zur Mangelware. Werder kam in der Folgezeit zu vielen guten bis sehr guten Torchancen: Almeida, Özil, Rosenberg und Pizarro standen dabei fast frei vor Rost und vergaben alle kläglich. Wenn Rosenberg aus kurzer Distanz halbrechts ohne wirklichen Gegenspieler den Ball knapp über das Tor haut, fasst man sich schon an den Kopf, aber wenn der hochgelobte Pizarro den Ball quasi auf den Elfmeterpunkt vorgelegt bekommt, dabei freie Bahn hat und ihn dann trotzdem noch drei Meter übers Tor haut, muss man sich auch nicht wundern, wenn man dieses Spiel am Ende verliert. Auch der Hammer von Naldo, kurz vor Schluß, hätte mit ein bisschen Glück der verdiente Ausgleich sein können.

Ich denke, alle Experten sind sich einig, dass es ein schmeichelhafter Sieg für den HSV war, den man aber aufgrund der ersten Halbzeit als durchaus verdient betiteln kann. Ein 1:1 wäre in meinen Augen das gerechtere Ergebnis gewesen. Ich denke, wir sind uns aber ebenfalls alle einig, dass in diesem Halbfinale noch absolut nichts entschieden ist. Es ist halt nur ein Tor, und  Werder hat in den letzten zehn Jahren jedes wichtige Spiel in Hamburg gewonnen. Außerdem hat der UEFA-Cup in dieser Saison gezeigt, dass Werder auswärts auch locker mal drei Tore schießen kann. Dazu müssen sich aber unsere “Überspieler” Diego und vor allem Pizarro gewaltig steigern. Andernfalls darf der HSV wohl die schöne “Urlaubsreise” nach Istanbul buchen.

An dieser Stelle noch zwei Randbemerkungen: Bester Mann auf dem Platz war für mich der Schiedsrichter. Es ist sehr erfrischend, mal einen englischen Schieri so ein Spiel leiten zu sehen, der einfach viel laufen lässt und nicht jede Schwalbe pfeift – sowohl auf der einen, als auch auf der anderen Seite. Daran könnten sich die deutschen “Mimosen-Schieris”, die jeden “Windzug” abpfeifen, gerne mal ein Beispiel nehmen.

Als das Spiel heute Abend angepfiffen wurde, fragte ich mich über lange Strecken, ob das Spiel irgendwie kurzfristig nach Hamburg umverlegt wurde. Irgendwie hörte man fast nur die HSV-Fans – und das in einem UEFA-Cup Halbfinale? Traurig, traurig, Bremen…

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