Amoklauf verhindert?

Folgende Mail erreichte mich gerade von unserem Community-Mitglied Ines:

Gegen 9 Uhr am heutigen Tag, wurde in einem Gymnasium in Bonn ein Amokalarm ausgelöst:

http://www.az-web.de/sixcms/detail.php?template=az_home

http://www.ksta.de/html/artikel/1241185290568.shtml

Da es sich in diesem Fall um eine TäterIN handelt, frage ich mich, welche Verbote wohl diesmal gefordert werden. Falls das Mädchen jedoch auch nur ansatzweise etwas mit der Gamerszene zu tun hat (was heutzutage ja nun keineswegs mehr so ungewöhnlich ist), befürchte ich den Super-Gau.

Was geht in den Jugendlichen vor ? Gilt Amoklaufen heute als “cool” und steht auf jeder “To-do-Liste” ?

Ob es sich nun wirklich um einen geplanten Amoklauf handelt oder um etwas Anderes….. allerdings machen
zehn Molotow-Cocktails und eine Gaspistole nachdenklich. Bisher ist die Polizei und das SEK noch auf der Suche nach Tanja O.

Ich hoffe sehr, dass diese Tragödie ein Ende ohne Tote nimmt !

Interessant an diesem Beitrag ist, dass absolut NIRGENDS darüber berichtet wird, auf keiner einzigen große Seite. Ist Amoklauf nicht gleich Amoklauf? Muss man eine bestimmte Anzahl von Leuten umgebracht haben, bevor es den Titel offiziell verdient und/oder für die Medien interessant wird? Macht es keinen Sinn über einen verhinderten Amoklauf zu berichten, weil man sich als Presse so nicht an den Opfern ergötzen kann? “Keine Tragödie” bedeutet also “kein Interesse”?

Müsste man nicht besonders intensiv über den Fall berichten, eben um vielen potentiellen “Trittbrettfahrern” zu verdeutlichen, dass an so einer Tat nichts heroisch ist, und es mitterweile auch oft genug nicht zu dem “erwünschten Ergebnis” führt?

*Update*

So langsam trudelt der Vorfall auf vielen Seite als “Randnotiz” ein – wohlbemerkt JETZT, der Vorfall ereignete sich heute morgen um 9 Uhr. Wäre der Amoklauf “erfolgreich” gewesen, wären jetzt mindestens zehn Fernseh-Stationen live on Air und würden direkt vor Ort berichten. Im Abendprogramm würden die ersten Talkshows zu dem Thema laufen, und Günther Jauch würde in einer “Expertenrunde” (aller Wahrscheinlichkeit mit Christian Pfeiffer) über mögliche Gründe und potentielle Verbote von irgendwelchen “Dingen” diskutieren, die das Mädchen konsumiert hat.

Mir wurde in den Comments eine Art Doppelmoral vorgeworfen, weil ich sonst die Medien für ihre Berichterstattung kritisiert habe und sie genau in so einem Fall fordere. Der große Unterschied ist der, dass in diesem Fall keine Tragödie ausgeschlachtet werden soll (wie im Fall Tim K.), sondern einfach davon berichtet, dass mal ein Amoklauf verhindert wurde und nicht wieder x Menschen den Tod fanden. Einfach um potentiellen Trittbrettfahrern zu verdeutlichen: “Mensch, das kann auch mal in die Hose gehen! Dann stehst Du nicht im Mittelpunkt, sondern bist der Dumme und die, denen Du eigentlich schaden wolltest, sind auch noch die Helden”. Je mehr über gescheiterte Amokläufe berichtet wird, desto größer ist die abschreckende Wirkung gegenüber Jugendlichen, die denken, es sei irgendwie heroisch eine Menge Leute abzuschlachten, die angeblich am eigenen Versagen Schuld sind…

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