Schützenvereine in Schulen

Schützenvereine, Killerspiele, Paintball, Gewaltvideos – jeden Tag ein neuer Sündenbock. Im Bundesland NRW sind es jetzt mal wieder die Sportschützen:

Die Schule galt lange als Ort der Unschuld, als Hort der Gewaltfreiheit. “Die Jugend soll erzogen werden im Geist der Menschlichkeit”, heißt es etwa in Paragraph zwei des nordrhein-westfälischen Schulgesetzes. Wie viel dabei schiefläuft, wissen alle, spätestens seit Erfurt, Emsdetten, Winnenden. Seither streitet die Gesellschaft erbittert über Gewalt im öffentlichen Raum, über das Waffenrecht oder Killerspiele am Computer, und Schützenvereine stehen seither ohnehin unter Generalverdacht.

5600 feste Schießstände gibt es in Nordrhein-Westfalen, 160 davon sollen in Schulgebäuden untergebracht sein. Genau weiß das niemand, die Zahl wird nicht zentral erfasst. Auf Antrag der Grünen im Düsseldorfer Landtag hat die Landesregierung nun zugesagt, Genaueres zu ermitteln. Die NRW-Schulministerin Barbara Sommer gibt bereits die Richtung vor: Es sei “schulpolitisch wünschenswert, dass Schießstände nicht in Schulgebäuden untergebracht sind”, sagt die CDU-Politikerin.

Was ich an dieser ganzen Hysterie einfach nicht verstehe, ist die Tatsache, dass alles, was jetzt fünfzig Jahre lang in Ordnung war und teilweise eine lange Tradition hat, urplötzlich angezweifelt wird. Dann versteckt die Waffen halt so, dass Eure Kinder da nicht drankommen – so einfach ist das. Und dafür muss man jetzt nicht anfangen, alles, was nicht niet und nagelfest ist, bzw. was noch schlimmer wäre, alles, was den Jugendlichen Spaß macht, einzureißen.

Als die großen Kokskeller überflüssig wurden, seien sie vielerorts umgewidmet worden. Die Räume sind streng gesichert, es gibt separate Zugänge und geübt wird – zumeist mit Luftgewehren – in den frühen Abendstunden, wenn der Schulhof längst verwaist ist. Vielerorts erklären die Schulleiter, von der Schießerei in den eigenen Räumen gar nichts gewusst zu haben. Massive Proteste zumindest, sagt Stadtsprecher Schulmann, habe es nie gegeben. Und die Schützenvereine, die Wert darauf legen, eine olympische Sportart auszuüben, sind entsetzt über die plötzliche Entrüstung.

Mal ehrlich, wen interessiert es denn, oder besser, wen interessierte es bisher, ob auf dem eigenen Schulgelände nun auf Pferden geritten wurde oder eben Sportschützen aktiv waren? Niemanden! Aber im Superwahljahr 2009 ist man ja scheinbar vor nichts mehr sicher. Und am meisten musste ich beim Eingangssatz dieses Artikel aus der Süddeutschen Zeitung lachen: “Die Schule galt lange als Ort der Unschuld, als Hort der Gewaltfreiheit”. In welchen Jahrtausend leben die Leute eigentlich? Ich persönlich behaupte, dass es in ganz Deutschland keine gewaltfreie Schule mehr gibt…

Wie seht Ihr die Lage?

Hier zum entsprechenden Artikel auf Süddeutsche.de –> Klick mich

Danke an Cellus für den Link!

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