Der neue Potter

“Das Buch war besser!” – hasst Ihr diesen Satz genauso wie ich? Dieses pseudo-intellektuelle Gequatsche hat mir schon so manchen Film verdorben. Natürlich sind die Bücher, die den Filmen vorausgingen, besser, als die Film-Adaptionen. Dies liegt einfach daran, dass man als Autor eines Buches so unfassbar mehr Zeit und Platz hat und alles so viel besser umschreiben und vertiefen kann. Natürlich sind die Harry Potter Bücher besser, als die jeweiligen Verfilmungen. Ich bin grundsätzlich ein totaler Lesemuffel – was soll ich sagen, ich bin ein Kind der Video- und Kino-Generation. Die einzigen Bücher, die ich wirklich intensiv verschlungen habe, sind alle Bücher der Harry Potter Reihe – und ich habe sie, wie viele Millionen andere Menschen auch, unbeschreiblich geliebt. Die Herausforderung für die Verfilmungen der Potter-Bücher liegt also überwiegend darin, so viel wie möglich “Magie” aus den Büchern einzufangen und sie in fast 2 Stunden Film wiederzugeben. Besonders schwer ist es auch, sich hierbei auf das Wesentliche zu konzentrieren und die kleinen Geschichten am Rande ausblenden.

Das sechste Buch “Harry Potter und der Halbblutprinz” ist mein mit Abstand liebstes Buch. Die zum einen sehr intensiv geschilderte Lebensgeschichte von Tom Riddle, bzw. die Reisen von Potter und Dumbledore (um die Geheimnisse Riddles zu erforschen)  und die Romanze zwischen Harry und Ginny bilden den Hauptteil des Buches. Wie Ihr Euch vorstellen könnt, wurden beide Schwerpunkte im neuen Film stark gekürzt: Die komplette Hintergrund-Geschichte Riddles/Voldemorts wird im Film auf 2-3 Szenen reduziert, und auch die Romanze zwischen Harry und Ginny wird stark in den Hintergrund gedrängt und ist maximal eine Randerscheinung.

Trotz dieser für mich enttäuschenden Entwicklung ist der Film in meinen Augen der bisher beste Potter-Film. Ja, es werden andere Schwerpunkte gesetzt; ja, es wird sehr oft vom Buch abgewichen; ja, das Ende des Film kann nicht mal annähernd mit der Dramatik des Buches mithalten – trotzdem wird der Film mit seinen Möglichkeiten der tollen Geschichte gerecht. Auch wenn den 150 Minuten des Films viele tolle Elemente des Buches zum Opfer fielen, hat es die Filmcrew geschafft, den Zuschauer auf die gleiche Ebene zu katapultieren, auf der man als Leser am Ende des Buches stand.

Für mich ist Harry Potter und der Halbblutprinz die bisher beste Potter-Verfilmung und auch jeden Fall einen Gang ins Kino wert. Gibt es eigentlich noch jemanden da draußen, der auf Emma Watson steht? Zuckersüß die Kleine!

Kategorien
Kino/TV
Diskussion
134 Kommentare
Netzwerke