Von Krieg und Friesen

Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber ich habe die Schnauze so voll von dem Schnee. Das Wetter an sich ist schon beschissen genug, aber noch wesentlich mehr nerven mich die “Begleitumstände”. Hier zwei Beispiele:

1. Stichwort Schule.

Anfang letzter Woche fiel in ganz Niedersachsen der Unterricht aus! In ganz Niedersachen? Nein, ein kleines Dorf leistet nach wie vor den Römern heftigen Widerstand. Dank eines Zaubertranks, den der Druide Miraculix zusammenbraut… ups, falscher Text. Nein, jeder Landkreis um uns herum hatte keinen Unterricht, nur in Rotenburg fand der Unterricht statt. Schlitternde Busse, eisige Kälte, Fahrradunfälle und ständig einsetzender Schnee machten es uns als Schule wahrlich nicht einfach. Da in Niedersachsen das Streusalz ausgegangen ist, waren viele Straßen mit dicken Eisschichten überzogen. Aber hey, das alles ist natürlich kein Grund die Schule ausfallen zu lassen. Wie heißt es so schön: “Solange die Sicherheit der Schüler gewährleistet ist, muss der Unterricht stattfinden”. Und wer entscheidet das, ob der Unterricht ausfällt? Ein einziger Mann! Dieser sitzt im Kreishaus Rotenburg und entscheidet, ob der Unterricht am selbigen Tag stattfindet. Nachdem sich viele Schulen und Eltern telefonisch bei ihm beschwerten, berichtete er davon, dass er extra jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen und vor die Tür gehen würde, um diese Entscheidung zu treffen. Sprich, wenn der Hund noch ordentlich strullern kann, ist die Sicherheit der Schüler eindeutig sichergestellt. Denn das Bild vor der eigenen Tür ist ja sicher ausschlaggebend für ganz Rotenburg… Unfassbar!

2. Stichwort Schnee schippen!

Ich hasse Schnee schippen. In unserer Reihenhaus-Siedlung hat sich diese Tätigkeit zu einer wahren Kunstform erhoben. Da bei uns größtenteils Rentner wohnen, die viel Zeit haben, wird alle 1-2 Stunden Schnee geschippt. Manchmal habe ich das Gefühl, sie stehen grundsätzlich den ganzen Tag an ihrer Haustür, drücken die Nase ans Fenster und warten, wann sie wieder schippen können. Wir als “normal sterbliche Gelegenheitsschipper” sind natürlich verhasst, weil wir diesen Trend nicht mitgehen. Weder meine Frau noch ich sind mit so viel freier Zeit gesegnet, als dass wir mehr als 1-2 Mal pro Tag unseren Gehweg freischippen würden. Mittlerweile haben wir ständig Beschwerden vor der Tür, weil ja angeblich die ganze Nachbarschaft vor unserer Tür stolpern würde. Interessant sind die Formen des Protestes der Rentner: Gestern wurde das gesamte Eis-Schnee-Gemisch vor der Tür unseres Schuppens aufgetürmt, so dass ich erstmal 20 min alles abtransportieren musste, um an unsere Mülltonnen zu kommen. Wir sind mittlerweile generell an allem schuld, was hier anläuft. Einige Leute in der Nachbarschaft sind scheinbar nicht in der Lage, ihre gelben Säcke ordentlich zu befüllen, was zur Folge hat, dass sie mit dem Aufkleber “falsch befüllt” zurückkommen. Und jetzt ratet mal, wer diese gelben Säcke vor die Tür gestellt bekommt? Richtig, denn wer schon nicht “ordentlich” Schnee schippt, der befüllt auch gelbe Säcke falsch. Beim ersten Hinschauen fällt mir persönlich aber sofort auf, dass gefühlte 90% der Produkte in dem Sack von uns gar nicht konsumiert werden…

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber wenn ich höre, dass es Ende der Woche wieder schneien soll, bekomme ich Schweißausbrüche – geil, wieder Schipp-Krieg und Schüler-Unfälle.

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