Länderchefs ordnen Online-Jugendschutz neu

Künftig soll es auch im Internet staatlich anerkannte Altersfreigaben für Spiele und Websites geben. Die Ministerpräsidenten der Länder haben einen neuen Jugendmedienschutzstaatsvertrag verabschiedet – gegen alle fachliche Kritik. Jetzt droht das Kennzeichnungschaos.

Am lautesten klagt in diesen Tagen die Videospielbranche. Denn für das Absegnen von Alterseinstufungen für Spiele im Netz soll künftig die Kommission für Jugendmedienschutz verantwortlich sein – und der traut man eine harte Haltung ganz im Sinne der bayerischen Staatsregierung zu, die in regelmäßigen Abständen zu viel Gewalt in Spielen anprangert.

Doch die Branche steht mit ihrer Kritik nicht allein da. Ekkehardt Mutschler zum Beispiel ist des Lobbyismus für die Gamesbranche unverdächtig – er ist Jugendmedienschutzbeauftragter des Deutschen Kinderschutzbundes. Mutschler glaubt, der neue JMStV “hebelt den Jugendschutz aus”. Auf ein eingespieltes System werde ohne Not verzichtet, sagt Mutschler: Es sei “unheimlich problematisch, dass man die Kennzeichnung nicht bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) belässt, sondern einen Kennzeichnungsmarkt daraus macht”.

Denn bislang werden Spiele auf Datenträgern in Deutschland von der USK bewertet – für reine Online- oder Downloadspiele gibt es ein vergleichbares System nicht. Genau das soll der JMStV unter anderem ändern. Zu einem Verwaltungsakt im Sinne des Jugendschutzgesetzes wird die Bewertung der USK durch eine Unterschrift: Letztlich abgenickt werden die Alterseinstufungen vom obersten Vertreter der Landesjugendbehörden. Deshalb mögen die Länder-Familienministerien die USK: Sie ist in gewisser Weise ihr Instrument, unterliegt ihrem Einfluss – so sieht es das Jugendschutzgesetz vor.

Klingt irgendwie alles ziemlich schwammig, findet Ihr nicht? Frei nach dem Motto: Tatendrang, Einschränkungen und Verbote um jeden Preis. Blickt da jetzt wirklich noch einer durch?

Was meint Ihr dazu?

Quelle: Spiegel-Online

Danke an Philipp für den Link.

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