"Arschlochquote" beim Golf

Bisher war ich in meinen Blogposts über das Golfen ja immer äußerst positiv gestimmt. Grundsätzlich hat sich daran auch nichts geändert: Der Sport macht mir immer noch extrem viel Spaß und mein Handicap verbessert sich stetig. Erst heute habe ich die besten neun Löcher meines bisherigen Golflebens absolviert: Meine Annäherungsschläge waren heute so gut, wie noch nie – an 7 von 9 Löchern war auf dem Grün und hatte den Put zum Par.

Allerdings gibt es da auch eine Sache, die mir erst in letzter Zeit, seit wir auf dem großen Platz mitspielen, so richtig aufgefallen ist: Die “Arschlochquote” beim Golf ist unglaublich hoch! Versteht mich nicht falsch, wir haben in unseren sechs Wochen Golf auch schon viele wirklich nette Leute kennengelernt, allerdings mindestens genauso viele unsympathische Egoisten. Grob würde ich den Typus “Golf-Arschloch” folgendermaßen beschreiben: Betuchter Mensch in gehobenem Alter, der denkt, er sei etwas Besseres (sowohl aufgrund seines Geldes, also auch aufgrund seiner spielerischen Fähigkeiten) und hätte daher alle Rechte, sich wie ein Arschloch zu benehmen. Die Golfer unter Euch werden diesen Typ “Golf-Mensch” sicherlich kennen.

Grundsätzlich besteht das “Golf-Arschloch” IMMER auf die Golfetikette, solange es ihm zu Gute kommt. Allerdings darf er selbst sich natürlich zu jedem Zeitpunkt darüber hinwegsetzen, schließlich ist er ja etwas Besseres! Beispiel von heute: Ich will vom sechsten Loch abschlagen, plötzlich kommen von der Seite vier Herren, die sich vordrängeln wollen. Laut Golfetikette ist es aber nicht gestattet, während einer Runde die Bahn zu wechseln, bzw. einfach die Reihenfolge nach eigenen Vorlieben zu wechseln – und schon gar nicht, wenn man damit jemanden auf einer regulären Runde behindert/aufhält.

Ich wies die Herren also freundlich darauf hin, dass ich mich auf einer regulären Runde befinden würde und dass ich doch allein (Kollege musste noch arbeiten) eh schneller wäre, als ihre Vierergruppe. Zähneknirschend ließen sie mich also vor. Aber ein “Golf-Arschloch” wäre nicht ein “Golf-Arschloch”, wenn er nicht noch irgendwie nachtreten würde: Sie kicherten und flüsterten irgendwelche dummen Sprüche untereinander hin und her. Da ich mich extrem darüber ärgerte, verriss ich meinen Abschlag extrem (harter Slice nach rechts), was sie wiederum mit Lachen quittierten. Man muss sich das mal vorstellen: Sie setzen sich über die Golfetikette hinweg und lachen anschließend einen Anfänger aus, der einen Abschlag verhaut. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie es in mir brodelte. Noch ein Spruch mehr, und ich wäre glaub ich völlig ausgerastet. Mein Abschlag lag auf dem Grün des übernächsten Lochs, welches parallel zum siebten Loch verlief. Und jetzt kommt’s: Ich traf den Ball mit dem fünfer Eisen wirklich perfekt, spielte ihn über die Bäume und zehn Meter an die eigene Fahne. Komischerweise lachten sie nach dem Schlag nicht mehr. Am Ende spielte ich Par, und die Herren waren verschwunden.

Zusammenfassend muss ich einfach feststellen, dass Golf als Individualsport für solche Leute einfach der perfekte Sport ist. In einem Mannschaftssport würden solche Egoisten und Blender doch sofort “ausgesondert” werden. Mich würde einfach mal interessieren, wie das die Golfer unter Euch sehen, und ob Ihr solche Leute auch kennt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das nur bei uns der Fall ist. Ihr alle werdet doch sicher auch schon mal hinter einer Gruppe gespielt haben, die sich aufreizend viel Zeit gelassen hat, weil sie meinten, sie wären etwas Besseres und dürften sich das erlauben (natürlich ohne Euch durchzuwinken).

Abschließend noch ein Zitat von meinem Golflehrer, welches wohl aus England stammt: “Rugby ist ein Sport für Proleten und wird von Gentlemen gespielt. Golf wiederum ist ein Sport für Gentlemen und wird von Proleten gespielt”.

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