Greyson, die WoW-Lore und das Weltenbeben

Die Premiere von Greyson Tales liegt jetzt ca. 36 Stunden zurück und im Prinzip ist der ganze “Rauch bereits verzogen”. Ich merke, wie ich mich äußerst schwer damit tue, das zu akzeptieren: Man arbeitet wochenlang an einem Teil und dann ist es innerhalb von wenigen Stunden einfach vorbei. Ich bin ganz ehrlich, die Downloadzahlen sind bisher sehr ernüchternd. Vielleicht ändert sich das noch im Laufe der Woche, genauso wie beim vierten Teil, aber momentan gibt es wenig Grund zur Freude. Ich war und bin sehr überzeugt von der Geschichte und Qualität der fünften Teils. Ich möchte den Leuten zurufen: “Gebt der Sache doch endlich mal eine Chance, Ihr werdet es nicht bereuen”. Statt dessen darf ich in JEDER News und JEDEM Blogeintrag lästige Diskussionen darüber lesen, ob und warum Allimania so viel besser war, als Greyson Tales. Versteht mich nicht falsch, ich liebte Allimania genauso, wie ich jetzt Greyson liebe, aber mittlerweile nervt es mich fast schon, wie sehr sich die Leute an die Vergangenheit klammern. Allimania war eine große Party, an der alle teilnehmen und mitfeiern konnten, aber ich bin ganz ehrlich, wenn ich heute den Stream auf wowszene.de einschalte und einer Folge lausche, erwische ich mich selbst dabei, wie ich mit dem Kopf schüttle. Die Soundqualität ist teilweise extrem schlecht und die Scherze sind überwiegend oberflächlich und stumpf. Ich frage mich oft selbst: “Habe ich sowas wirklich geschrieben?”

Mir liegt Greyson und seine Geschichte sehr stark am Herzen. Ich blühe beim Kreieren und Schreiben des Hörspiel richtig auf: Wie ein kleines Kind freue ich mich, wenn mir eine tolle Idee kommt. Wenn ich an der Geschichte weiterschreibe, überkommt mich teilweise wirklich eine Gänsehaut, weil ich mir vorstelle, wie es wohl sein wird, wenn meine Zeilen von den mega-talentierten Sprechern zum Leben erweckt werden. Ich lebe diese Geschichte wahrlich. Vielleicht ist dies sogar ein kleiner Teil von mir selbst: Wer wünscht sich nicht, selbst mit besonderen Fähigkeiten geboren worden und zu etwas Großen auserkoren zu sein.

Seit der Premiere am Freitag, denke ich fast ununterbrochen über die Handlung des sechsten Teils nach. Auch wenn die Downloadzahlen aktuell noch etwas schleppend sind, gab es von den Fans da draußen größtenteils positives Feedback. Aber wie immer gab es auch Kritik: Hierbei wurde sich natürlich (wie immer) an Kleinigkeiten aufgehängt. Die Sprecher haben zugegebenermaßen ein wenig Probleme mit den Eigennamen der Warcraft-Lore. Für scheint es extrem wichtig zu sein, dass jeder Sprecher jeden Begriff der Warcraft-Geschichte richtig ausspricht. Das Lustige daran ist, dass ich allen Sprechern die Eigennamen in Lautschrift geschickt habe. Ich persönlich fand es jetzt nicht so schlimm, das einer “Lordäron” sagte und ein andere “Lor-Däähron”, eben weil auch normalen Alltag Leute Dinge unterschiedlich betonen. Manchmal denke ich, dass Leute sich das Hörspiel nur anhören, um sich genau an solchen Sachen aufzuhängen: Geschichte und Atmosphäre sind komplett nebensächlich, viel wichtiger ist, ob man die deutschen oder englischen Begriffe benutzt und dass alles richtig ausgesprochen wird.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Bezug zur Warcraft-Lore: Ich habe gerade einen interessanten Comment im Release-Blogeintrag gelesen, in dem kritisiert wird, dass ich mit der Geschichte zu sehr in die Lore eingreifen würde. Wenn man sich mal die zwei Eckpunkte anschaut, die im fünften Teil verarbeitet wurden, sind das vor allem Atiesh und die Auferstehung Deathwings. Der Stab des Wächters spielt momentan keine große Rolle in der Lore. Laut dem, was man bei wowwiki liest, hat ihn Me’dan wieder zusammengesetzt – da er aber im kommenden Addon keine Rolle spielen soll, kann man darüber wohl hinwegsehen. Ebenso habe ich darauf geachtet, dass Greyson und Astarii zwar Zeuge von Deathwings Auferstehung werden, aber sich die Handlung, so wie wir sie in Cataclysm vorfinden, nicht entscheidend ändert. Meine Hauptcharaktere bewegen sich in der aktuellen Zeit, dies wollte ich eben mit entsprechenden Untermalung darstellen. Ich persönlich finde die Handlung noch packender, wenn nebenbei das aktuelle Geschehen der Warcraft-Lore abläuft. Ich achte aber extrem darauf, dass dies wirklich parallel zu der Geschichte abläuft, die ich erzähle. Es wird ab und an immer wieder Überschneidungen geben, in der Greyson und Astarii die aktuellen Entwicklungen erleben, aber die Grundhandlung bleibt davon unberührt.

Ich habe das aktuelle Warcraft-Buch “Weltenbeben” zu 2/3 gelesen und bin extrem froh, dass ich mich mal dazu durchgerungen habe. Dies hilft mit natürlich sehr, in Sachen Lore auf dem neuesten Stand zu sein. Wobei ich Patrick schon rechtgeben muss, dass es hierbei größtenteils um die Horde geht. Die Allianz nimmt im Buch eher eine Nebenrolle ein – zumindest abgesehen von Anduin Wrynn, dessen Geschichte mich ehrlich gesagt etwas an die von Greyson erinnert. Das Buch liest sich überwiegend spannend und nachvollziehbar. Was ich extrem gut daran finde, ist, dass man viele Deja Vus hat, d.h. man kennt viele Bezüge aus dem Spiel. Allerdings muss ich auch feststellen, dass viele Sachen meiner Ansicht nach an den “Haaren herbeigezogen” wirken – beispielsweise der Grund für den Umbau von Orgrimmar oder das Schicksal von Magni Bronzebeard. Teilweise werden wichtige Aspekte und Entwicklungen der Geschichte einfach so in zwei Seiten abgearbeitet und man fragt sich selbst: “Ach, das wars jetzt schon oder wie?”. Vielleicht hat man auch einfach zu viel Handlung unterbringen wollen.

Ich bin mir sicher, dass Euch Patrick mit seiner Review des Buches dazu noch mehr berichten wird. Wie gesagt, ich finde es durchaus spannend, mal mehr über die Charaktere im Spiel zu erfahren, auch wenn es jetzt nicht das beste Buch der Weltgeschichte ist.

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