Das Ende der deutschen Schreibschrift?

Schon im Referendariat und im Studium hatte ich unendlich viele und lange Diskussionen darüber, inwieweit der “böse” Computer (und das Schreiben damit) unsere schöne “Schreibschrift-Kultur” belasten würde. In Hamburg wurde nun in diesen Tagen nun eine Regelung eingeführt, in der jede Grundschule selbst entscheiden darf, ob sie ihre Schüler in Schreib- oder Druckschrift unterrichtet.

Seit Jahrzehnten führen Pädagogen die Debatte über die richtige Schrift am Beginn der Schullaufbahn. Schreib- und Druckschrift oder doch die Grundschrift? Da die Schüler schon heute von Beginn der fünften Klasse an in der Wahl ihrer Schriftart weitgehend frei sind, sieht der Grundschulverband den Sinn der Schreibschrift skeptisch. Hamburg ist nun das erste Bundesland, in dem die Grundschulen selbst zwischen Schreib- und Druckschrift wählen dürfen.

Natürlich gehen konservative Politiker auf die Barrikaden:

Dietrich Wersich, Vorsitzender der CDU-Fraktion und im Winter selbst Interims-Schulsenator, warf der SPD “kulturelle Verarmung aus bildungspolitischer Ideologie” vor: Die gemeinsame Basis der individuellen Handschrift dürfe nicht der Beliebigkeit ausgesetzt werden […] “Ohnehin gibt es nur noch viel zu wenige verbindende und kulturstiftende Lerninhalte”, so Wersich. Er sprach von einer “kulturfeindlichen Haltung”. Kritik äußerte auch die FDP-Fraktion: Die Kulturtechnik des Schreibens sei in Gefahr.

Eine Kultur definiert sich über die Art, in der sie schreibt? Ich für meinen Teil habe die Aufregung um die deutsche Schreibschrift nie verstanden. Was ist so wichtig daran, dass sich so viele Pädagogen und Politiker dermaßen daran “festkrallen”? Was verlieren die Deutschen denn, wenn ihre Kinder in Druckschrift oder am Rechner schreiben?

Wie seht Ihr die Sache?

Danke an Silver für den Link!

Quelle: Welt.de

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