Deutsche Schulbildung ein Glücksspiel?

Community-Mitglied Pascal hat mir einen extrem interessanten Artikel bei der Süddeutschen-Online verlinkt. Hierbei geht es um das deutsche Schulsystem und eine Lehrerin, die ein Buch darüber geschrieben hat:

Inge Faltin erlebte, wie ihr Sohn Daniel während seiner Schulzeit unter Lehrern und Mitschülern litt – und entschloss kurzerhand, sich den Schulbetrieb von innen anzusehen. Sie machte ihr Referendariat und war zehn Jahre lang als Lehrerin an verschiedenen Schulen tätig. Ihre Erfahrungen hat sie gemeinsam mit ihrem Sohn in dem Buch “Schule versagt – Warum Bildung ein Glücksspiel ist und wie sich das ändern kann” aufgeschrieben.

In einem Interview gibt Faltin einige Antworten, die sich mit meinen persönlichen Erfahrungswerten decken. Hier mal drei Beispiele:

sueddeutsche.de: Was sollten Lehrer Ihrer Meinung nach für ein besseres Bildungssystem tun?

Inge Faltin: Zuerst einmal sollten sie sich Gedanken darüber machen, ob sie wirklich für diesen Beruf geeignet sind. Dazu gehört auch die Bereitschaft, die eigene Persönlichkeit ständig weiterzuentwickeln, insbesondere auch die Fähigkeit zur Empathie. Individuell auf die Schüler einzugehen, ist unerlässlich. Dann müssen sie lösungsorientiert an Probleme herangehen und sich nicht ständig selbst in der Opferrolle sehen. Dafür müssen sie lernen, mit Niederlagen umzugehen. Nicht an jeden Schüler werden sie herankommen – trotzdem müssen sie den Antrieb haben, engagiert weiterzuarbeiten. Ziel ist, ein echtes Vorbild zu sein in Kompetenz – und im Charakter. Und das heißt auch, erst einmal selbst vertrauenswürdig und verlässlich zu sein. Es geht um viel mehr als die bloße Wissensvermittlung.

sueddeutsche.de: Sollte das den meisten Lehrern nicht bekannt sein?

Inge Faltin: Das Problem ist, dass sich häufig einfach die falschen Bewerber für ein Lehramtsstudium einschreiben. Das sind oft sicherheitsorientierte Menschen, die vor allem der Beamtenstatus lockt. Die Ausbildung selbst trägt auch nicht dazu bei, dass Absolventen wirklich auf den Alltag mit Schülern vorbereitet sind.

sueddeutsche.de: Lernen angehende Lehrer solche innovativen Ansätze im Referendariat?

Inge Faltin: Überhaupt nicht. Im Referendariat muss man vor allem das tun, was die Seminarleiter von einem erwarten. Ich persönlich hatte zwei sehr unterschiedliche Seminarleiter. Einer war sehr konservativ, der andere förderte bestimmte neue Unterrichtsmethoden. Wer gute Noten wollte, musste seinen Unterricht deshalb einmal nach alten Mustern gestalten und gab sich beim nächsten Mal wieder aufgeschlossen für moderne Methoden. Wie gut man im Referendariat bewertet wird, hängt von der Seminarleitung ab, nicht von der eigenen Innovationsfreude oder Persönlichkeit.

Die Frau hat meiner persönlichen Ansicht nach wirklich den Durchblick. Lest mal in den Artikel rein, es lohnt sich!

Quelle: Sueddeutsche.de

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