Leuchtturm: Handy im Klo

Donnerstag, 23.02.2012

Mein Wecker klingelt und holt mich ein weiteres Mal aus einem tiefen und glücklichen Schlaf. Die Frau neben mir grunzt leicht auf und dreht sich hörbar genervt auf die andere Seite. Wie ich frühes Aufstehen hasse. Ich bin jetzt über drei Jahre fest im Staatsdienst als Lehrer beschäftigt und kann mich trotzdem nicht daran gewöhnen, zur ersten Stunde aufzustehen. Jeden Morgen derselbe Kampf: “Ich lege mich wieder hin. Nein, das kann ich meinen Schüler nicht antun. Scheiß auf die Schüler, ich will zurück in meinen Traum und wieder Jessica Alba die Haare “föhnen”. Nein, das kannst Du nicht machen, als verantwortungsbewusster Lehrer. Doch kann ich: Ich melde mich einfach krank. Niemand wird es jemals erfahren. Ach scheiße, ich stehe ja schon auf!”

Ich stapfe müde ins Badezimmer und lege mein geliebtes iPhone 4S auf das Regal über der Toilette. Es ist mir schon mal runtergefallen, daher schiebe ich es bis an die Wand. Ich klappe schlaftrunken die Klobrille hoch, drehe mich kurz um und höre sofort, wie etwas die Luft durchschneidet. Aliens in meinem Bad? Jemand schießt mit einem Tischkicker auf mich? Figo greift mich mit einem seiner typischen Karate-Tritte an?

Mit der Grazie eines Kunstturners und der Geschwindigkeit eines Panthers drehe ich mich um und sehe in Zeitlupe, wie mein schönes iPhone in die Kloschüssel eintaucht. PANIK! Was mache ich jetzt? Kriege ich einen Stromschlag, wenn ich das Handy mit bloßen Händen aus der Schüssel fische? Ich schnappe mir das Erstbeste, was mir in die Finger kommt: Eine leere Klopapierrolle. Ich tauche sie in die Schüssel und merke, was das für eine superdämliche Idee war. Als nächstes schnappe ich mir ein Handtuch in Reichweite und fische das Handy aus dem Wasser. Die ersten beiden Gedanken, die mir durch meinen verschlafenen, aber trotzdem traumatisierten Schädel gehen, sind: 1. Zum Glück habe ich mein Geschäft noch nicht verrichtet; und 2. Wie zum Teufel konnte das Handy, welches ich extra an die Wand geschoben habe, trotzdem herunterrutschen? Die Antwort ist klar: Christian Wullf! Dies ist die Antwort auf alles, in diesen Tagen. Ich bin mir sicher, er hat das Regal präpariert. Würde ihm ähnlich sehen, dem Halunken. Was für ein Schwachsinn geht mir da bitte gerade durch den Kopf. Werd’ erstmal richtig wach, Krömer.

Mühsam schüttle ich das Wasser aus meinem lieblichen iPhone und weine leise vor mich hin. Immerhin ist ein Bild zu sehen, als ich es anschalte – zumindest eine Sekunde lang, bevor sich leise Siri meldet: “Krömer, wenigstens hast Du nicht vorher Dein Geschäft verrichtet.” Danach ist Stille!

Den Rest des Tages frage ich hunderte Leute um Ratschläge. Scheinbar gibt es extra für Deppen wie mich kleine Vorrichtungen im Handy, die die Farbe wechseln, wenn Wasser ins Gerät eindringt. Von daher kann ich meinen anfänglichen Plan in Richtung “das Handy ließ sich plötzlich nicht mehr anschalten” wohl auch vergessen. Meine Freundin hat die glorreiche Idee, das Handy in der Mikrowelle “zu trocknen”. Gut, meine Freundin guckt auch den Bachelor, von daher…

In diesem Moment liegt mein iPhone über einer Socke auf der Heizung, wo es eine leichte Wärmezufuhr erfährt. Alle zwanzig Minuten zünde ich eine Kerze an und bete zu Steve Jobs, auf das er mein Handy verschonen möge: “Steve, lass mir mein iPhone, bitte! Es ist einfach noch zu jung und unschuldig. Bitte hol es noch nicht zu Dir, ich flehe Dich an!” – ob das hilft?

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