Leuchtturm: Krieg im Garten

Liebes Tagebuch, in unserem Garten herrscht Krieg. Ich weiß, was Du jetzt sagen wirst: Lass mich mit Deinen dämlichen Tiffany-Geschichten in Ruhe! Aber nein, die Sache hat mittlerweile größere Dimensionen angenommen. Unsere nette Nachbarin, die übrigens ihrer Katze in der Tat charakterlich ziemlich ähnlich ist, war stinksauer, als wir unseren neuen Garten bekommen haben. Dadurch hat sie jetzt nicht mehr den schönsten Garten in der Nachbarschaft, was ihr sichtlich zu schaffen macht. Als die Arbeiter unseren Garten flott gemacht haben, stand sie plötzlich auf unserem Grundstück und wollte eine Visitenkarte oder eine Telefonnummer der Firma haben. Anschließend tauchte sie einige Male unangemeldet bei uns auf, um sich “den Garten nochmal anzuschauen”. Beim ihrem letzten Besuch hatte sie wohl nicht damit gerechnet, dass wir gerade in unserem Garten sitzen und rannte wie von der “Tarantel gestochen” zurück auf ihr Grundstück, was gelinde gesagt ziemlich wahnsinnig rüberkam. Man muss dazu sagen, dass unser Nachbarn Renter sind und den lieben, langen Tag nichts anderes zu tun haben, als sich solchen Rivalitäten zu widmen.

Mittlerweile hat die nette Dame sozusagen “das Kriegsbeil” ausgegraben. Auslöser war, dass wir nach drei Jahren, in denen auf unserer Seite ihr nerviger Efeu herumwucherte und teilweise unsere Pflanzen erstickte, zur Heckenschere gegriffen und ihn weggeschnitten haben – wohlgemerkt auf unserer Seite. Sie keifte wild herum und merkte an, dass wir doch wohl nicht auf eine “braune Wand” schauen wollen würden. Das Schöne an einer Demokratie ist die Tatsache, dass man selbst entscheiden darf, wie man seinen Garten gestaltet – das gab ich ihr auch in einem freundlichen Ton zu verstehen. Seitdem hat Tiffanys Mum ihre gesamte “Retnerpower” ausgespielt und folgenden teuflischen Plan ausgeklügelt: Da die zwischen den Grundstücken angebrachten Trennwände unten offen sind, hat sie fast den gesamten Übergang zu unserem Garten mit Deko-Steinen (hässlich wie die Nacht) und seltsamen Ton-Figuren verziert – alles schön tief eingebuddelt und zur Hälfte auf unserem Grundstück. Besonders reizend ist hierbei das Ton-Schwein, von dem der breite Hintern fröhlich und in voller Pracht in meinen Erdbeeren hängt.

Bisher haben wir auf die Provokationen nicht reagiert und immer nett die Steine und Figuren leicht zurück auf ihr Grundstück geschoben. Leider steht die Dame fast rund um die Uhr oben am Fenster und beobachtet alles. Sobald wir ihre treuen Figuren und Steine auch nur angefasst haben, ist sie innerhalb kürzester Zeit (und möglichst in unserer Abwesenheit) wieder am Tatort, um ihrem neuen Hobby nachzugehen und den breiten Schweinearsch wieder richtig in meinen Erdbeeren zu platzieren.

Bisher haben wir immer über die Sache und die bedauernswerte Dame gelacht, die wirklich dringend ein richtiges Hobby braucht. Heute ist mir aber im Garten wirklich der Kragen geplatzt, als ich sie auf frischer Tat ertappt habe. Ich komme mir bei der Sache (total albern) vor, wie bei der Maschendrahtzaun-Geschichte, die Stefan Raab vor einigen Jahren bei sich so herrlich porträtiert hat. Meine Frau und ich haben allerdings so viel Freude an unserem neuen Garten, dass wir uns ungern von der neidzerfressenden Dame ohne Hobbys die Beete umgraben und zustellen lassen möchten. Eine Lösung wäre natürlich, einfach die unten offenen Bereiche der Trennwände zuzunageln, allerdings bin ich mir sicher, dass sie eine andere Möglichkeit finden würde, ihrem hobbylosen Dasein/Neid Ausdruck zu verleihen!

Ich weiß, wie albern die Sache klingt und auf welche Kindergarten-Spielchen wir uns da gerade einlassen, allerdings ist es schwer, sich der ganzen Sache zu entziehen. Was würdest Du mir raten, liebes Tagebuch?

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