Warum ich Fifa hasse!

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Ich hasse Fifa! Dies ist mir in den letzten beiden Tagen mal wieder bewusst geworden. Ich habe die jeweils neue Version von Fifa in den letzten Jahren nur äußerst oberflächlich gespielt – und das aus gutem Grund. Für unser Nordderby-Format, welches mir großen Spaß macht, habe ich (aufgrund meines krankhaften Ehrgeizes) den Anspruch, dem ollen Paape ein guter Mitspieler zu sein – also fing ich wieder an, Fifa 14 zu trainieren…

Auch auf die Gefahr hin, von einem Mob wütender Fanboys gejagt und geflamed zu werden, ich muss das einfach loswerden: ICH HASSE DIESES SPIEL! Dies ist etwas persönliches: Ich mag Computerspiele, ich liebe Fußball, und ich hege eigentlich auch eine Leidenschaft für Fußball-Computer-/Konsolenspiele, aber ich hasse Fifa! Warum? Im Grunde sind es zwei Dinge, zwei größere Dinge, für die ich (wie es meine Art ist) etwas weiter ausholen muss:

Punkt 1: Die Community! Liegt es an mir? Bin ich zu alt? Bin ich zu spießig? Oder ist die gesamte kompetitive Gaming-(eSports-)Community ein unglaublich großer Haufen Arschlöcher? Liegt es evtl. am Spiel? Sind alle eSport-/Gaming-Communities so? Fällt es mir in den Spielen, die ich sonst so zocke, evtl. einfach nicht auf? Oder ist das JustNetwork das kleine, nette Dorf aus den Asterix-Comics, in dem die Welt noch in Ordnung ist? Was zur Hölle stimmt mit den Leute nicht?

Seit zwei Tagen spiele ich wieder Fifa, und wie Ihr schon im Nordderby gesehen habt, benehmen sich die Spieler völlig unterirdisch. Falls Ihr das Video noch nicht gesehen habt: In den zehn Spielen, die wir gemacht haben, hat ein Spieler nach frühem Rückstand das Spiel verlassen; zwei haben versucht Toren zu entgehen, indem sie kurz davor die Pausen-Taste betätigten; ein Spieler hat sich alle Wiederholungen und Video-Sequenzen angeschaut (inkl. dem Einlauf und der Aufstellungen); ein Spieler hat unerträglich gelaggt; und ein Großteil unserer Gegner (7) haben Paris St. Germain als Mannschaft genommen, weil das Team wohl extrem imba sein soll.

Dieser furchtbare Trend hat sich bei meinem Solo-Zocken bestätigt: Ich weiß, dass der ein oder andere von Euch jetzt anmerken wird, ich solle mich nicht so anstellen, und ich würde maßlos übertreiben. Nein, tue ich nicht. Es ist leider wirklich so und zwar extrem! Ich kann mich nicht daran erinnern, mal in zwei Spielen hintereinander nicht einen Gegner gehabt zu haben, der nicht irgendeine “lame” Scheiße versucht hat (dazu zählt: Zeitspiel-Abuse bei knapper Führung (Ball in der eigenen Abwehr hin- und herschieben, ohne dass man was dagegen tun kann, weil man nicht alle Spieler vorziehen kann); der Versuch Tore zu vermeiden, indem man in brenzligen Situationen die Pausentaste betätigt; bei frühem Gegentor schnell das Spiel zu verlassen, um so der Niederlage entgehen zu können (funktionierte unter Fifa 13 noch); unendlich Arien von Zeitlupen schauen (was mich am aggressivsten macht)). Von den teilweise unerträglichen, unspielbaren Lag-Partien fange ich erst gar nicht an – ja, ich spiele mit Werder! Ja, es ist meine Schuld, dass ich deshalb nur gegen Mannschaften aus Moskau spielen darf (Stichwort: Mannschaft gleicher Stärke).

Ja, das macht fast Spaß! Zusammen mit Paape und in Feierlaune ist das sicher zu ertragen, aber allein im “stillen Kämmerlein” ist es eine Qual. Ich weiß nicht, ob das nur in den unteren Ligen der Fall ist und die guten Spieler ein wenig vernünftiger sind, auf jeden Fall ist es für mich aktuell eine wirklich harte Prüfung. Kommen wir mal zum nächsten Punkt…

Punkt 2: Das Spiel! Für mich ist Fifa kein gutes Fußballspiel. Wenn ich mich zwischen dem aktuellen Fifa und dem alten N64 International Superstar Soccer entscheiden müsste, würde ich immer ISS wählen. Versteht mich nicht falsch: Fifa sieht toll aus, wirklich! Die Spieler, die Stadien, die gesamte Optik und Atmosphäre sind extrem gut und mitreißend. Man hat alle Lizenzen, gute Spielmodi, durchdachte Ligen und Online-Modi – im Grunde ist alles perfekt. Nur das eigentliche Spiel nicht. Es gibt kein Spiel auf der ganzen Welt, was mich so aggressiv macht, wie Fifa. Ich habe dabei immer das Gefühl, dass mich das Spiel verarschen will. Wenn ich Fifa spiele, bilde ich mir ein, am anderen Ende würde ein EASports-Programmierer sitzen und mir ganz bewusst Streiche spielen, bzw. dafür sorgen, dass die Spieler nicht das machen, was ich will.

Beispiel: Ich laufe mit zwei Leuten auf das Tor zu. Ich will ein sicheres Tor machen und lege den Ball quer, am Torwart vorbei, damit der besser platzierte Spieler den Ball einschieben kann. Was passiert? Obwohl ich den Stick nach unten steuere, wird der Pass entweder a) als direkter “Pass-Schuss” aufs Tor gespielt, b) er rollt unerreichbar für meinen Mitspieler (zu steil) ins Toraus, oder c) der Ball wird zu einem Spieler weit nach hinten zurückgespielt, der gerade von zwei Abwehrspielern gedeckt wird. Und genau das ist der Moment, wo die cholerische Art meiner Muter in mir durchkommt und ich ernsthaft folgenden Gedanken in mir trage: “Wenn ich jetzt das Gamepad auf den Boden werfe und zertrete, bin ich dann ein schlechter Mensch?”

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Ich erwarte von einer KI in einem Fußball-Computerspiel mindestens dieselbe Intelligenz, die ein Lukas Podolski hervorbringen kann – und seien wir mal ehrlich, das ist nicht viel. Aber wenn ich mit zwei Spielern (auf gleicher Höhe) auf ein Tor zulaufe, den Stick nach unten drücke und die Passtaste betätige, dann erwarte ich, dass das Spiel erkennt: “Okay, der will den Ball zu seinem Mitspieler querlegen!” – und nicht: “Oh, er hat den Stick auf 183 Grad nach unten gedrückt, der Mitspielern steht aber auf 179 Grad – okay, dann geht der Ball ins Aus!”

Und ich könnte viele, viele weitere Beispiele dafür nennen. Fakt ist einfach, dass Fifa meiner persönlichen Ansicht nach keinen “Flow” hat. Es ist kein flüssiges, dynamisches, rundes Fußballspiel – was meiner Meinung nach auch der Grund ist, warum Konami mit PES Jahre lang die Nase vorne hatte. Was ich meine, kann ich nur schwer in Worte fassen. Nehmen wir als Beispiel mal wieder ISS64: Du bekommst den Ball, läufst damit, überlegst, was Du machst. Wenn Du zu lange zögerst, wird Dir der Ball vielleicht abgenommen. Aber Du hast auf jeden Fall die Zeit, gewisse Entscheidungen zu treffen. Das Spiel mit dem Ball ist dynamisch und rund. In Fifa 14 läuft es so: Ballgewinn, Ball weg, Gegenangriff, Ball weg, Fehlpass, Ball abgenommen… Ich mag nicht beurteilen, welches Spiel realistischer ist, ich kann aber beurteilen, welches Spiel mir mehr Spaß macht. In Fifa hat man in mindestens 50% aller Fälle keine Zeit, Entscheidungen zu treffen. Vieles ist Zufall und auch teilweise Glück oder Pech. Man verliert Bälle, obwohl man die richtige Entscheidung getroffen hat – ich bekomme einen Pass, nehme ihn an und drücke noch in den Luft die Pass-Taste, um ihn weiterzuleiten, verliere ihn aber doch. Ich habe also keinen Fehler gemacht, werde aber trotzdem bestraft?!? Einige von Euch werden jetzt anmerken, dass dies im realen Fußball doch genauso sei. Das ist sicher richtig, allerdings ist Fifa kein realer Fußball. Es ist eine Fußball-Simulation, die vor allem Spaß machen soll. Mir ist das Spiel viel zu unruhig, zu wenig fließend, zu stockend, zu wenig eigene Entscheidung, zu viele Zufälle.

Nordderby2

Ich weiß nicht genau, wann Fifa scheiße geworden ist. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da war Fifa ein großartiges Spiel. Wenn ich so an das Jahr 2004 zurückdenke, da war Fifa nahezu perfekt. Evtl. hat man, aufgrund des großen Drucks, jedes Jahr etwas “verbessern” (ändern) zu müssen, das Spiel schlicht und einfach kaputt “gepatcht”. Fakt ist allerdings, dass Fifa 14 für mich persönlich Lichtjahre davon entfernt ist, ein wirklich rundes Fußballspiel zu sein.

Ich bin mir sicher, dass das viele von Euch anders sehen werden. Und das ist Euer gutes Recht. Natürlich werde ich für meine Meinung angegriffen werden: Schließlich bin ich doch nur ein Newb und habe keine Ahnung. Denn eigentlich ist das Spiel perfekt und meine Fehlpässe lägen ausschließlich an mir selbst. Ich bin kein richtig guter Fifa-Spieler, keine Frage. Das letzte Mal, als ich Fifa intensiver gespielt habe, schaffte ich es nur in Liga 3 (von 10). Gehen wir also mal davon aus, dass ich nur ein durchschnittlicher Fifa-Spieler bin. Muss ein Spiel wie Fifa nicht trotzdem auch für jemanden wie mich funktionieren? Warum habe ich trotzdem diese ganzen Frust-Momente? Ist es nicht genau das, was bei der Entwicklung von Computerspielen vermieden werden soll: Die Frustration des Spielers? Wenn das nur bei mir ein Problem ist, wieso gab es dann so viele Comments bei Youtube und auf meinen Blog zum Nordderby, in denen andere Spieler anmerkten, dass sie meine Wut nachvollziehen könnten, weil sie diese in Fifa ebenfalls erleben würden? Irgendwas muss dieses Spiel haben, was die Leute reihenweise auf die Palme bringt…

Lange Rede, kurzer Sinn: Ohne Paape und das Nordderby würde ich Fifa nicht mehr spielen. Ich habe einfach zu wenig Haare, als dass ich sie wegen eines solchen Aggro-Spiels verlieren wollen würde. Außerdem sind mir meine Ausraster gegenüber meiner Frau ziemlich peinlich. Und in anderen Spielen habe ich sowas halt einfach nicht. Ich werde allerdings trotzdem weiterspielen. Warum? Weil es manchmal weniger um das Spiel an sich, als mehr um die Leute geht, mit denen man spielt. Erinnert das wen an WoW?

Ich trainiere Fifa, um für unsere Videoreihe besser zu werden und dem ollen Paape ein stärkerer Teammate zu sein. Und dafür nehme ich den Stress gerne auf mich. Denn das Nordderby und die Party mit Paape sind einfach ein Höllenspaß!

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