Leuchtturm: Vom wieder Aufstehen

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Ich habe eine lange Leidenszeit hinter mir. Ende November trennte ich mich nach acht Jahren von meiner langjährigen Lebensgefährtin. Ich fiel in ein Loch. Ich hatte keinen Spaß mehr an irgendwas. Ich stand jeden Morgen auf, ohne zu wissen warum. Ich war mit allem unzufrieden und unglücklich. Teilweise bestand mein Leben nur noch aus purem Aushalten. Wie kann man sich an irgendwas erfreuen, wenn man absolut keinen Sinn darin sieht und einem quasi egal ist, ob man lebt oder stirbt? Ja, so schlimm war es. Und nein, ich bin aus dieser Situation nicht alleine herausgekommen. Es ist ein Zeichen von Stärke, zu erkennen, dass man an einem Punkt ist, an dem man alleine nicht mehr weiterkommt. Ich holte mir Hilfe und machte eine Therapie.

Mir haben in dieser Zeit viele von Euch Mails geschrieben. Teilweise mit netten aufmunternden Worten, teilweise mit ähnlichen Problemen wie ich. Ich schreibe diesen Leuchtturm für letztgenannte Menschen. Ich habe in dieser Zeit so viele traurige Geschichten gelesen, dass ich mich fast schon geschämt habe, dass es mir so schlecht ging. Viele Community-Mitglieder sind wesentlich tiefer gefallen als ich. Jeder verarbeitet eine Trennung und einen Schicksalsschlag anders. Ich habe Geschichten gelesen, in denen Menschen durch eine Trennung alles verloren haben. Die Reihenfolge war: Trennung, Depressionen/Trauer, Alkohol, Job verloren, usw.

Für mich hat sich in den letzten Wochen viel verändert. Eine neue Frau ist in mein Leben getreten – übrigens durch Lovoo kennengelernt (*zwinker*). Auch wenn wir noch am Anfang stehen, hat sie alles verändert. Durch sie verwandelte sich mein Glas von “halb leer” in “halb voll”. Natürlich habe auch ich immer noch Tage, an denen die Trauer wieder durchbricht und ich meine alte Lebensgefährtin vermisse, aber diese Tag werden immer seltener.

Mich haben viele Community-Mitglieder gefragt, wie ich es geschafft habe, so schnell jemanden Neues zu finden und den Hebel quasi umzulegen. Und genau das möchte ich Euch mit dieser Kolumne beantworten. Ich habe in meiner Leidenszeit und durch meine tolle Therapeutin viele Dinge über mich gelernt. Folgende Erkenntnisse sind für mich besonders wichtig:

– Man muss sich die Zeit nehmen, eine Trennung zu verarbeiten. So weh es auch tut, nehmt den Schmerz an. Ob man will oder nicht, es findet ein Trauerprozess statt. Wenn man versucht, diesen zu unterdrücken oder sich Hals über Kopf in etwas Neues stürzt, läuft man Gefahr, die Sache nicht richtig zu verarbeiten. Dadurch ist die Chance groß, dass die nächste Sache auch schief geht. Erst als ich bereit war, die Trauer zuzulassen, ging es für mich wieder aufwärts. Also nehmt Euch die Zeit für Euch selbst. Erst wenn Ihr die Sache verarbeitet habt, seid Ihr auch wieder bereit, für eine neue Beziehung.

– Sucht Euch Hilfe und seid bereit, diese auch anzunehmen! Gerade Männer meinen immer, sie müssten stark sein: “Ein richtiger Mann leider allein und braucht keine Hilfe!”. Bullshit, sage ich. Die Menschen sind unterschiedlich. Jeder geht anders mit so einer Situation um. Natürlich muss es nicht immer direkt eine Therapie sein. Manchen reichen auch Freunde oder Familie, die einem helfen, mit der Situation umzugehen. Wichtig ist nur: Erkennt, wer oder was Euch hilft und nehmt diese Hilfe in Anspruch. Ihr müsst da nicht alleine durch.

– Seid offen für neue Dinge. Verschließt Euch nicht in Eurem “stillen Kämmerlein”. Nehmt Euch die Zeit zum Trauern, die Ihr braucht. Aber versucht trotzdem, die Augen nicht vor der Welt zu verschließen. Gebt Eurem neuen Glück eine Chance. Auch wenn es anfangs vielleicht schwer ist, aber versucht, Euch neu zu erfinden. Macht Dinge, die Ihr schon immer mal tun wolltet. Tut Dinge, die Euch glücklich machen. Lernt neue Leute kennen. Verändert Euch und testet einen neuen Look. Verlässt Eure Komfort-Zone. Zeigt der Welt, dass Ihr bereit seid, sie neu zu erobern.

Ich bin in den letzten Monaten ein anderer Mensch geworden. Und ich selbst gefalle mir wesentlich besser als vorher. Und genau darum geht es: Wenn man wieder lernt, sich selbst zu lieben, werden das auch alle Anderen tun. Glücklich sein kann jeder, die Kunst besteht viel eher darin, wieder aufzustehen, wenn es einem mal richtig dreckig geht.

Versteht mich bitte nicht falsch. Mein Leben ist nicht perfekt. Und ich bin auch nicht der glücklichste Mensch der Welt. Ich selbst stehe noch ganz am Anfang. Es geht auch nicht darum, mit dem Finger auf irgendwen zu zeigen und zu sagen: “Hey, mir geht’s total super und Dir nicht”. Ich möchte Euch einfach nur aufzeigen, wie ich aus “meinem Loch” herausgekommen bin. Wenn es mir damit gelingt, auch nur einem einzigen Menschen zu helfen, so dass er wieder positiver auf sein Leben blicken kann, bin ich zufrieden.

Falls Ihr Hilfe, Tipps oder einfach nur ein paar nette Worte braucht, könnt Ihr mich gerne anschreiben: stevinho@justnetwork.eu. Am Ende müsst Ihr aber trotzdem Euer Leben in die eigene Hand nehmen!

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