Die Lehren aus dem Real/Bayern-Spiel

Der Schiedsrichter beim gestrigen Champions-League-Rückspiel des FC Bayern München bei Real Madrid lag einige Male mit seinen Entscheidungen daneben: Sowohl das wohl vorentscheidende 2:2, als auch das 3:2 für Real waren Abseits – das 2:2 sogar haarsträubend deutlich. Vorher hatte Schieri Kassai einen unberechtigten Elfmeter nach (k)einem Foul an Robben und eine eher zweifelhafte gelb-rote Karte gegen Vidal gegeben (wobei Vidal schon vorher hätte vom Platz fliegen können/müssen). In der Summe muss man wohl festhalten, dass die Bayern gestern Abend benachteiligt wurden.

Aber was sind die Lehren aus dem Spiel?

Seit vielen Jahren fordere ich den Videobeweis bzw. einen Oberschiedsrichter, der bei zweifelhaften Entscheidungen über Funk dem Schieri seine Einschätzung mitteilen kann. Das gestrige Spiel hat die Notwendigkeit der Einführung dieser technischen Hilfsmittel dick unterstrichen. Ich kann einfach nicht verstehen, warum sich die UEFA/FIFA seit Jahren dagegen sträubt. “Fehlentscheidungen und die daraus resultierenden Emotionen gehören zum Fußball dazu”, spricht man sich seit Jahrzehnten selbst zufrieden. Aber wie können denn Fehlentscheidungen zu einem SPORTLICHEN WETTKAMPF dazugehören? Ich kann das einfach nicht verstehen.

Und ehrlich gesagt kann ich auch die ganzen Floskeln dazu nicht mehr hören: “Das gleicht sich im Laufe einer Saison wieder aus”. Und wenn schon? Ist es ein Trost für die Bayern-Fans, die sie am Ende der Saison evtl. irgendwann noch nen unberechtigten Elfmeter bekommen? Man kann doch Fehlentscheidungen nicht damit aufwiegen, dass man irgendwann vielleicht selbst einmal davon profitiert? Das kann doch nicht der Anspruch einer Profi-Sportart sein?

Der Fußball ist mit großen Abstand die Sportart, wo es statistisch gesehen die meisten Fehlentscheidungen gibt. Aber woran liegt das genau? Die Fußball-Regeln sind zwar klar formuliert, aber in der Praxis durchaus unterschiedlich zu interpretieren. Jeder Schiedsrichter wendet sie anders an, pfeift eine andere Linie. Was für den einen Schieri ein Foul ist, sieht ein zweiter vielleicht komplett anders. Hinzu kommt, dass Schiedsrichter in Sekunden Entscheidungen treffen müssen, ohne dabei (so wie wir) Zeitlupen und technische Hilfsmittel zur Verfügung zu haben. Und genau darin liegt das Problem: Alle anderen großen Sportarten haben diese Hilfsmittel mittlerweile eingeführt – angefangen mit dem Hawkeye beim Tennis, bis hin zum Videobeweis im Football. Also warum zur Hölle fängt die FIFA erst jetzt in ausgesuchten Spielen an, vorsichtig den Videobeweis zu testen?

Was muss getan werden?

Ich fordere das, was ich schon seit vielen Jahren fordere: Ein professioneller Sport hat die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass alle Spiele absoluter Fairness und Gerechtigkeit unterliegen. Dies kann nur gewährleistet werden, wenn ein Videobeweis zur Verfügung steht. Man muss das alleine schon deshalb machen, um die Schiedsrichter aus dem Fokus zu nehmen. Es kann ja nicht sein, dass jetzt Kassai der Böse ist und ihm quasi unterstellt wird, mutwillig Fehlentscheidungen gegen den FC Bayern getroffen zu haben.

Ich fordere einen Oberschiedsrichter, der im Stadion vor einem Monitor sitzt und alle Entscheidungen und Szenen per Zeitlupe analysieren kann – von mir aus sogar mit einem ganzen Team von Experten. Dieser ist dann per Funk mit dem Schiedsrichter verbunden und teilt ihm bei kritischen/kontroversen Szenen seine Einschätzung mit. Und nein, dafür müssen die Spiele eben nicht minutenlang unterbrochen werden. Es geht hier nicht um irgendwelche Einwürfe oder Fouls an der Mittellinie, sondern um einen Christiano Ronaldo, der zwei Meter im Abseits steht und das vorentscheidende 2:2 erzielt.

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