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Hunderte Studenten, die sich in überfüllte Hörsäle quetschen – das wollte Martin Bonnet nicht mehr. Der Kölner Maschinenbau-Prof stellt seine Vorlesungen bei YouTube ein. Seither bestehen mehr Leute die Klausur.

Warum eigentlich nicht? Für viele junge Menschen passt doch diese moderne Interpretation der Institution Universität viel besser in die eigene Lebenswelt. Man muss nicht mehr stundenlang in irgendwelchen überfüllten Hörsälen sitzen, sondern kann eine Vorlesung in der eigenen Komfortzone verfolgen – und das zu einer Zeit, die evtl. besser zum eigenen Lebensrhythmus passt. Auch wenn bei diesem Gedanken einige ewig-gestrige Pädagogen anfangen, zu hyperventilieren, ist diese Art des Lernens zu einer großen Wahrscheinlichkeit die Zukunft.

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Quelle: Spiegel.de

19 KOMMENTARE

  1. finde ich auch gut.
    wir hatten einen mathe prof, der so schnell die tafel vollgeschrieben hat, dass du mühe hattest mitzuschreiben, als er schon wieder die tafel „sauber“ gewischt hatte um weiter zuschreiben.

    da ist nichts mit aufpassen und lernen.. da bist du froh, wenn du die mitschrift halbwegs anfertigen kannst.

    da gab es auch einen mathe prof (andere uni), der auch vorlesungen teils digital im netz hatte, auf die manche studis dann zugegriffen haben, weil es eben doch vereinfacht (gerade wenn man auf matritzen algorithmen anwendet, ist es simpler digital als handschriftlich).

    anwesenheit war noch nie gut. genausowenig das verschulte studium. wer das haben will / braucht, für den ist vlt. eine ausbildung/lehre besser gedacht.

  2. Wie sagt mein Mittelalterprof. immer so schön: „Anwesenheit + Audiovisuelle Berieselung führt nicht automatisch zum Erfolg.“
    Wahrscheinlich ist das an jeder Uni und in jedem Fach anders, aber gerade in Geschichte wäre das eine absolute Katastrophe. Da wir ja eine eher kleine Uni sind, ist man sehr auf ein miteinander angewiesen. Dadurch gestalten die Vorlesungen sich meistens eher freundlich und man kommt danach auch mal ins Gespräch (mit den Nachbarn oder auch mit dem Prof). All das fällt hier halt komplett weg.
    Dazu muss man auch bei uns die Vorlesungen nicht besuchen. Unsere Professoren geben fast alle ihre Literatur an, auf die ihre Vorlesung fußen. Die kann man sich ausleihen, durcharbeiten und tada, man hat die Vorlesung auch mehr oder weniger erledigt.

    Persönlich halte ich von dem Konzept auch nichts, obwohl es eigentlich perfekt für mich ist, schließlich bin ich sehr, sehr faul. Aber gerade diese Faulheit sorgt für mich dafür, dass ich diese Vorlesungen sowieso nie wahrnehmen würde oder parallel einfach was anderes machen würde. Dazu reicht es ja, wenn es einmal technische Probleme (z.B. mit dem Mikro) gibt und zack, man hat ohne eigenes Verschulden eine vllt. wichtige Vorlesung verpasst.
    Für Naturwissenschaftler vllt. noch ganz okay, die sind ja scheinbar eh nie in den Vorlesungen, aber in den Geisteswissenschaften fehlt mir da die Fantasie für. Soviel Begeisterung fürs eigene Studium sollte man eig. schon aufgebracht bekommen, wenn es schon sonst keiner tut.

  3. Bin ich ja Fan von. Gab damals 1-2 Profs, welche bei uns ihre Vorlesung aufgenommen hatten und online stellten. War top, um sich vorzubereiten.

    Viele andere wollten das aber nicht. Schon einfach aus dem Grund, dass man bei Anwesenheit besser sieben kann. Wer nicht mehr in den Hörsaal passt, hat eben pech gehabt. Der bekommt die Infos halt nicht.

  4. Ich als absoluter Hänger-Student, der gerne auch um 4 Uhr pennen geht, finde es eigentlich ganz gut die FH oder Uni auch zu besuchen. Zum einen bin ich einfach motivierter und insgesamt besser drauf, wenn ich nicht bis 13 Uhr im Bett liege, sondern durch Vorlesungen mich auch mal genötigt fühle um 9 Uhr aufzustehen. Irgendwie hat man mehr vom Tag und kommt besser rein. Auf der anderen Seite finde ich auch den sozialen Aspekt super wichtig, wie mit den Leuten eine zu rauchen oder in der Mensa zu schnacken. Natürlich ist es wichtig, dass die Inhalte auch im Internet abrufbar sind, aber zur FH gehe ich trotzdem sehr gerne. Bei mir ist jetzt der Punkt ausgenommen mit überfüllten Hörsälen, weil ich mich zum Glück dagegen entschieden habe in Hamburg zu studieren und in eine kleine Stadt umgezogen bin.

  5. Absolut der verkehrte Ansatz. Klar geht man als Student nicht immer gerne in die Vorlesung und viele merken erst später wie viel Wert die Vorlesung eigentlich ist aber dennoch ist die Lehrveranstaltung mit Anwesenheit des Dozenten und der Studenten zentraler Teil der Universitäten.

    Ein guter Professor erkennt an den Gesichtern seiner studierenden ob er den Stoff gut vermittelt, oder ob noch Fragen vorhanden sind, unabhängig davon ob die Studenten die Fragen äußern oder konkret formulieren können. Daraus kann der Prof die Vorlesung dynamisch anpassen und auch die Prüfung besser gestalten. Ich selbst als Student stelle fest, dass man den Stoff viel besser aufnimmt, wenn da einer direkt vor einem steht, die Nähe macht es irgendwie einfacher die Gedankenprozesse des Profs nachzuvollziehen.

    Durch Videos wird jede Form der direkten Interaktion direkt unterbunden und wenn das wirklich die Zukunft sein soll, können wir die Unis auch direkt dicht machen und alle zu Udemy und co. gehen. Insofern: Vorlesungen zusätzlich als Videoaufzeichnung anbieten ist top (schaue ich auch immer wieder rein) aber bitte nicht ausschließlich.

  6. Das ist doch eine kluge Lösung.

    Im Hörsaal ist die Konzentration sowieso nicht so hoch, da die Vorlesung nie mit den eigenen Tempo mitspielt. Man langweilt sind, wenn minutenlang über Sachen gesprochen werden, was man bereits weiß und bei Dingen wo man noch Informationen zu benötigt wird meist viel zu schnell drüber gesprochen.

    So hat man doch den Vorteil Dinge die man kennt Vorzuspulen und andere Dinge ggf. sich mehrfach anzuschauen.

  7. Ich studiere an der TuB LuR-Technik.
    Die Profs bei uns schreiben quasi fast ganze Texte digital an die Tafel und stellen das dann als PDF zur Verfügung. Damit kann man Zuhause ganz gut lernen, deshalb sind viele unserer Vorlesungen wenig besucht.

    Ich finde diese „neue“ Art des Lernens zwar relativ spannend, das würde aber wohl dazu führen, dass Studenten komplett faul werden und gar nicht mehr zur Uni gehen (das ist ja jetzt schon ein Problem). Das sollte nicht im Interesse eines Dozenten sein. Ich sehe das ganze deshalb ziemlich kritisch, auch wenn dadurch scheinbar die Noten verbessert wurden. Andererseits ist das halt eine echt praktische Idee, die es Studenten ermöglicht, auch zuhause noch mal in bestimmte Punkte reinzuhören. Man müsste da aber einen Mittelweg finden denke ich.

    • Bitte erläutere die Korrelation zwischen „weniger Anwesenheit = faulerer Mensch“.

      Ich hatte während meines Studiums (M.Sc. angewandte Informatik) evtl. 10% Anwesehenheit.
      Warum? Weil der Weg zur Uni täglich 3.5 Stunden betrug (hin- und zurück), ich autodidaktisch besser und schneller(!) lerne und Richtung 4. Semester auf dieser Grundlage sogar schon Vollzeit gearbeitet hatte.
      Ich hatte also offiziell eine 80-Stunden Woche und musste meinen Urlaub für Pflicht-Seminare opfern. Faul ist man eher, wenn man hindackelt, sich vom Staat bezahlen lässt und dann wundern, dass man in den meisten Bereichen ohne Erfahrung nach dem Abschluss keinen Job findet.

      Ein Bekannter studiert z.B. Japanisch und Chinesisch in Japan.
      Anstatt jeden Tag anzutanzen, unternimmt er täglich etwas und lernt so schneller und effizienter die Sprache als die anderen Studenten, die nur einem Professor zuhören.

      Tatsächlich kenne ich keinen einzigen der 100 Studenten im meinem Jahrgang, welche wegen keiner Anwesenheitspflicht faul waren. Im Gegenteil, fast alle haben die Zeit zum arbeiten genutzt und sind nach dem Studium in genau diesen Betrieben geblieben (das funktioniert natürlich schwerer in anderen Fachbereichen).

      • Faul bedeutet, dass sich viele Studenten einreden könnten: Der Prof lädt das eh auf YT hoch, da muss ich nicht noch zur Uni fahren. Die reden sich selbst dann ein, dass sie einfach zuhause lernen. Stattdessen schieben sie das ganze einfach immer weiter auf, bis sie vlt einen Monat vor der Klausur anfangen sich die Videos rein zu ziehen.

        Das was du da beschreibst ist eine Idealvorstellung, die auf die meisten Studenten einfach nicht zutrifft. Vor allem bei Studenten, die zum ersten mal studieren und gerade von der Schule kommen. Wenn ihnen so etwas angeboten wird (was ja dann ein krasser Kontrast zur Schule ist, werden sie erst recht faul. Und dann lassen sie nebenbei auch noch Tutorien und andere VL sausen und am Ende kapieren sie gar nichts. Das ist mir selbst auch passiert (Sitze jetzt im 4. Semester und habe gerade mal 6 Klausuren hinter mir…).

        Studenten sollten sich daran gewöhnen, generell immer zur Uni zu gehen. Solche YT Videos sind nicht verkehrt, sollten dann aber maximal nur noch zur Nachbearbeitung von Vorlesungen oder als Ausgleich wenn man Krank ist und die Uni nicht besuchen kann, genutzt werden.

        Das ganze ist ja immerhin kein Fernstudium.

    • Die Idee dahinter ist nicht, die Vorlesungen „vor Ort“ abzuschaffen – aber gerade bei Studenten, die nebenbei arbeiten müssen, kann es gut mal sein, dass durch so ein Modell ein Konflikt Arbeitszeit Vorlesungszeit entschärft werden kann. Solange der Prof zu seinen „regulären“ Zeiten in der Uni ansprechbar ist, um die Themen bei Bedarf nachzubesprechen (einzeln oder in Gruppe), sehe ich hier schon viel Potenzial.
      Faule Studenten sind übrigens auch ohne Video-Vorlesung faul, die schlafen halt dann bei Anwesenheitspflicht xD

  8. Ich studiere an einer Fh und es ist bei uns inzwischen sogar schon Hausaufgabe die behandelten Themen im Nachhinein nochmal bearbeiten. Dafür macht ein Professor video Aufnahmen seines Tablets/Laptops wozu er zusätzlich noch über Mikrofon erklärt. Allerdings ist es schon recht schwer sich dazu zu motivieren diese anzusehen wenn man die Vorlesung bereits vormittags gehört hatte.

  9. Gab es bei uns in Frankfurt auch in vielen Fächern. Ich habe mal ein Semester nur über Videovorlesungen studiert, es ist sicherlich möglich aber für mich als faulen, unstrukturierten Menschen war ein regelmäßiger Vorlesungsbesuch wichtig um Struktur in den Studienalltag zu bringen.

  10. Finde ich ne gute Sache. Ich studiere zwar woanders, aber ich werde auf jeden Fall mal reinschauen, man kann doch immer noch was mitnehmen. Ich bin aber trotzdem froh, dass ich an der Hochschule immer die Gelegenheit habe, Fragen zu stellen, auf die ich dann unmittelbar eine Antwort bekomme und u.U. noch etwas diskutieren kann. Das fällt mit der Videovorlesung leider direkt völlig weg. Zur Nacharbeitung in jedem Fall aber super.

  11. Im STEM/MINT Bereich gibt es das schon länger, zumindest im amerikanischen oder indischen Bereich von Youtube. Ist super fürs lernen, da man schwere Stellen notfalls auch 10 mal wiederholen kann.

    Problem ist halt nur: Wer kein Englisch spricht/versteht ist außen vor.

    Ist typisch das Deutschland in diesem Bereich wieder mindestens 10 Jahre hinterher ist. Neuland eben.

  12. Ist gar nicht so neu. In den usa wohl schon länger praxis,
    Hier bei mir an der uni vorallem in den bwl Fächern gut umgesetzt. Grundlagen gibts in videos, die auf YouTube hochgeladen sind( nur über den link zugänglich) . Und für die Vertiefung gibt es dann alle 2 wochen eine Vorlesung. Allerdings nicht klausurrelevant. Darüber hinaus gibt’s oft ein online planspiel(erfolgreiche Teilnahme-> Notenverbesserung) sowie online Übungen. Wo Aufgaben neu generiert werden .
    Vor allem die videos sind gut, da man so sein lerntempo selbst bestimmt. Zurückspulen kann, und nicht 1,5 h am Stück aufpassen muss.

  13. Für viele Studenten ist das schon länger Standard. Viele Amerikanische Universitäten machen das schon sehr lange. Die Maschine learning Kurse von Stanford sind deswegen auch nicht gerade full HD.
    Mich freut es immer wenn ich direkt die Vorlesungen meiner eigenen Dozenten sehen kann vor allem weil man dann gemütlich zurück spulen kann wenn man Mal nicht aufgepasst hat.

  14. Mittlerweile werden viele große und auch einige kleinere Vorlesungen bei uns aufgezeichnet und auf Youtube hochgeladen. Das ist dann zwar nicht direkt für das Videoformat produziert, aber man kann sich die Vorlesung trotzdem einfach später angucken oder auch ein zweites Mal zur Klausurvorbereitung.

    Als es das bei uns noch nicht gab, habe ich auch mit Vorlesungsaufzeichnungen vom MIT auf Klausuren gelernt, die das schon seit einiger Zeit haben.

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