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Da ich hier zwar immer das finale Video verlinkt, aber noch nie intensiv das Projekt beschrieben habe, möchte ich das an dieser Stelle einmal nachholen – schlicht und einfach, weil es eines der schönsten Projekte ist, an denen ich jemals federführend gearbeitet habe.

Die ganze Sache begann im Jahr 2015. Im Rahmen eines Informatik-Kurses (Klasse 9) versprach ich meinen Schülern für das zweite Halbjahr ein schönes, gemeinsames Medienprojekt. Ich stellte ihnen mehrere Sachen zur Auswahl: Unter Anderem hatte ich die Idee, im Stile der Musik-Festival-Aftermovies ein Schulvideo zu produzieren, in dem man die Höhepunkte aus dem Schulalltag in Zeitlupen und schnellen Schnitten zu sehen bekommt. Die Schüler waren sofort Feuer und Flamme für das Projekt. Ich filmte daraufhin in den Pausen und bei jeglichen Veranstaltungen den Schulalltag. Die Schüler durften sich meine Kamera jederzeit ausleihen, um eigene Ideen und Szenen einzubringen. Heraus kam das erste Schulvideo, welches wir am Ende des Schuljahres den ca. 260 Schülern der Fintauschule präsentierten.

Ich sage es Euch, wie es ist: Anfangs waren viele Schüler und Kollegen skeptisch. Aber bei der Premiere bekamen wir einen tosenden Applaus und ich durfte eine Menge Glückwünsche meiner Kollegen entgegennehmen. In den folgenden Jahren wurden die Videos immer besser und das Projekt entwickelte sich an der Fintausschule zu einer richtigen Tradition. Immer intensiver brachten sich Schüler und Kollegen mit ein. Jedes Jahr fand am letzten Schultag vor der Zeugnisvergabe die Premiere des neuen Schulvideos statt – auf einer großen Leinwand mit dickem Beamer in der Aula.

Im Jahr 2018 schraubten wir ein wenig am Konzept. Unser neuer Schulleiter erlaubte mir den nächsten Schritt und machte das Projekt zur Chefsache: In diesem Jahr sollten alle Klassen der Schule einen eigenen Beitrag für den neue Schulvideo leisten. Kreativ gab es keinerlei Grenzen für Lehrer und Schüler: Von Rollenspiel über Tanz-Choreografie war alles erlaubt. Die Arbeit an diesem Projekt im letzten Sommer und die unglaubliche Begeisterung der Schüler waren so einzigartig, dass ich noch heute feuchte Augen kriege, wenn ich an die Zeit denke. Die Schüler und Lehrer steuerten unfassbar kreative Beiträge und Ideen bei. Am Ende kam dabei ein Werk heraus, was alle meine bisherigen Medienprojekte in Sachen Qualität und Herzblut in den Schatten stellt.

Ich möchte Euch Kollegen da draußen ans Herz legen, an Euren Schulen vielleicht etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen. Im Grunde braucht Ihr dafür nur eine ordentliche Kamera (Krömer-Tipp: Eine Sony 6300 dürfte hierfür ausreichen) und ein Videoschnitt-Programm (Adobe Premiere, iMovie, Final Cut). Auch ich war nicht von Beginn an ein Profi, sondern habe mir viele Dinge über die Praxis selbst beigebracht. Vielleicht habt Ihr ja einen Experten in diesem Bereich im Kollegium, der Euch hierbei unterstützen kann. Wichtig ist vor allem, dass Ihr für die Zeitlupen alles in 50 Frames aufnehmt (50 Frames bedeutet 50 Bilder pro Sekunde) – das braucht Ihr, damit die Zeitlupen schön weich werden.

Für Fragen und Tipps stehe ich Euch natürlich jederzeit zur Verfügung (stevinho@justnetwork.eu)!

6 KOMMENTARE

  1. Dieses Projekt war schon immer top!

    Die SuS meiner Schule haben sowas bei uns auch gemacht. Vollkommen ohne Hilfe von uns Lehrern. Dafür ist es auch ganz gut geworden!

    Schaut gern mal rein!

  2. Solch Momente motivieren mich zusätzlich dazu, Lehrerin zu werden (dauert auch nicht mehr lang; Examenstermin steht).
    Allerdings hoffe ich, dass meine zukünftige Schule innovative Projekte mittragen wird. An meiner aktuellen Schule bin ich schon mit Projektideen gescheitert. Zum Beispiel wollte ich Pen&Paper probeweise als AG anbieten, aber es gab zu viele Bedenken vonseiten der Schulleitung. Pen&Paper altersgerecht durchgeführt ist wunderbar geeignet für den Aufbau sozialer Kompetenzen. Es fördert die Kooperationsbereitschaft, das Empathievermögen, hilft bei der Entwicklung von Konfliktlösestrategien und regt die Kreativität der SuS an. Die Schulleitung sah leider nur mögliche negative Auswirkungen…

    Aber vielleicht habe ich in ein paar Jahren das Glück, ein Video wie deines produzieren zu dürfen. Damit inspiriert hast du mich die letzten Jahre allemal.

  3. Würde das mega gerne umsetzen an meiner Schule, denke auch, dass mein Schulleiter da Lust drauf hätte, aber ich habe null Kenntnisse in Sachen Fotografie/Filmen und dementsprechend auch keine Erfahrung mit dem Nachbearbeiten.
    Ein anderer Punkt sind die Kosten, hast du dir die Kamera und Software selber finanziert?

  4. Deinen letzten Absatz habe ich mir auch gedacht noch bevor ich ihn gelesen habe 😀
    Werde auf jeden Fall später versuchen auch sowas auf die Beine zu stellen!

  5. Hey Steve, würde sowas gerne auch ausprobieren, weiß aber, dass mein Chef niemals mitspielen wird in Hinblick auf die aktuelle Datenschutzdebatte. Wir dürfen ja nicht mal mehr Zeugnisse am eigenen Rechner schreiben. Wie hast du das gelöst? Hast du von allen SuS die Eltern gefragt und unterschreiben lassen?

    • An den meisten Schulen unterschreiben die Eltern bei der Einschulung eine solche Erlaubnis, dass die Lehrer ihre Kinder für solche schulinternen Projekte fotografieren und filmen dürfen. Kinder von Eltern, die das nicht möchten, lässt Du halt raus.

      Bei uns gab in den gesamten vier Jahren nicht eine einzige Beschwerde. Warum auch?

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