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Letzte Woche waren wir ja in der alten Heimat unterwegs. Dort hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einem guten Freund, der ebenfalls gerade Vater geworden ist. Er sagte folgenden Satz zu mir, der mich äußerst nachdenklich gemacht hat:

Irgendwas läuft in unserer Gesellschaft falsch: Ich verbringe jeden Tag mehr Zeit mit meinen Kollegen bei der Arbeit als mit meiner eigenen Familie und meinem Baby.

Eigentlich hat er recht, oder? Wir arbeiten Tag für Tag, um genug Geld zu verdienen, damit es uns und unseren Lieben gut geht. Wenn man mal ehrlich ist, arbeiten wir eigentlich nicht für uns, sondern um das System des Kapitalismus am Leben zu halten. Wir arbeiten für Firmen, die Dinge herstellen, die wir eigentlich nicht brauchen. Damit verdienen wir Geld, um andere Dinge zu kaufen, die eigentlich auch nicht brauchen. Ist das alles nicht ein Widerspruch in sich?

Darüber hinaus produzieren wir auf dieser Welt unglaublich viel Schrott. Firmen stellen Produkte her und bauen sie absichtlich so, dass sie nur einige Jahre halten, damit wir früher oder später noch mehr Produkte kaufen. Damit brauchen wir die endlichen Rohstoffe unserer Erde auf und verpesten die Umwelt durch die Produktionsprozesse.

Unsere Gesellschaft suggeriert uns von Kindesbeinen an, dass Du nur etwas bedeutest, wenn Du im Beruf erfolgreich bist und/oder viel Geld hast. Wenn wir uns diesem ganzen Kreislauf bzw. „dem System“ entziehen, werden wir mit Armut bestraft. Kapitalismus funktioniert nach dem Leitspruch „Friss oder stirb“.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin hier kein Stück besser. Obwohl mir all diese Dinge bewusst sind, kann und ich will mich diesem System nicht entziehen. Ich liebe es, mir tolle Technik- oder Elektronik-Produkte zu kaufen. Ich wäre furchtbar gerne reich, um mir all meine Träume erfüllen zu können. Aber wenn man mal ganz ehrlich ist, leben wir in einem wirklich furchtbaren System: Die reichen 10% der Weltbevölkerung besitzen 88% des gesamten Weltvermögens. Die reichsten 1% besitzen ca. 50% des Weltvermögens. Und das bei all dem Hunger und der Armut, die es auf der Welt gibt.

Natürlich ist es Jammern auf hohem Niveau (als Lehrer und als jemand, der im „reichen Westen“ lebt). Und wenn ich ehrlich bin, habe ich auch keine Idee oder System in der Hinterhand, das besser funktionieren würde. Aber ich verstehe jeden Vater, der sagt, dass er gerne mehr Zeit in seine Kinder investieren würde, als auf der Arbeit das Geld eines unsympathischen Chefs zu vermehren.

Ich tue nämlich meinen Kindern etwas Gutes, indem ich keine Zeit mit ihnen verbringe, sondern lieber den ganzen Tag in einem Betrieb schufte und Geld verdiene. Erkennt jemand den Widerspruch? Leider hat man in unserer Gesellschaft keine andere Wahl – zumindest, wenn man in einem schönen Haus leben, ein schönes Auto fahren und seine Kinder verwöhnen will.

Wie seht Ihr die ganze Sache?

43 KOMMENTARE

  1. Schöner Leuchtturm.

    Ja so ein Vatersein verändert den Blick auf die Dinge. Man fängt an sich zu fragen, was zählt im Leben wirklich. Was ist wirklich wichtig?
    Ist es wirklich das freistehende Haus mit großem Garten? oder reicht auch ein günstigeres, mit weniger Garten? oder eine schöne Mietwohnung?
    Ist es das tolle Auto? oder reicht auch der günstigere Gebrauchtwagen?
    Muss es eine Vollzeitstelle sein? oder reichen auch weniger Stunden?
    Besonders schwierig wird die Frage, wie viele Jahre investiere in Elternzeit? Und ja, dabei handelt es sich ganz bestimmt um ein Investment, so traurig das klingt. Aussuchen kann sich das ja zur heutigen Zeit kaum noch einer. Wie viele Jahre Elternzeit kann und will man sich leisten? Muss ich meine eigenen Luxusansprüche zurückschrauben, damit ich mein Kind nicht nach einem Jahr in die Fremdbetreuung geben „muss“?

    Und aus alle dem resultiert am Ende die Frage, was macht einen wirklich glücklich im Leben? Ist es wirklich viel Geld oder sind es vielleicht andere Dinge?
    Bin ich wirklich glücklicher in einem größeren Haus? mit einem teuren Auto? Oder bin ich dann nicht vielleicht genauso glücklich wie im Moment? Wahrscheinlich denke ich dann… Ich kann nur glücklich sein, wenn mein Auto noch teurer und mein Haus noch größer ist.

  2. Hallo Steve,

    Du bist Lehrer, das kann Dir doch nicht entgangen sein. Für mich ein ganz besonders wertvoller Job. Mit der Zeit, die Du Deiner Familie fern bleibst, gibst Du duzenden Menschen in jeder Stunde des Tages auf einmal etwas wertvolles weiter. Du hast hunderte und tausende junge Leute, Kollegen und Eltern weiter gebracht und tust es jeden Tag. Das ist doch viel besser als USB Gadgets zu produzieren. Ja, wir alle müssen unsere Zeit aufteilen, aber da gibt’s große Unterschiede wofür wir das tun.

    Viele von Euch haben hier auch einen Denkfehler. Die Menschen wollen immer für sich eine bessere Situation erzielen, im Lotto gewinnen, mit Krypto Geld machen usw. Das System soll aber bitte schön bestehen bleiben, damit man es mit seinem mehr an Geld auch genießen kann. Man blickt auf die nächste Stufe und stellt sich auf Basis seiner aktuellen vor, wie es wohl mit mehr Geld wäre. Dabei möchte man dann aber auf all die Dinge zurück greifen wollen, die der Kapitalismus und der Rest der Bevölkerung aufbieten.

    Nutzt das System. Informiert Euch, wie ihr im System weiter kommt, kombiniert es mit dem, was ihr gern tut oder Euch vorstellen könnt. Findet Freiräume. Es gibt inzwischen viele Arbeitnehmerfreundliche Möglichkeiten wie Gleitzeit, Elternzeit, Sabbatical, Home Office – klar, nicht in jedem Job. Aber man kann sich ja nach sowas umsehen. Nehmt an Gestaltungsprozessen teil, wenn Euch das froh macht.

  3. Ich kann dir empfehlen mal den Film „In Time“ zu gucken. Unabhängig davon das Justin Timberlake da die Hauptrolle spielt, stell der Film eine gute Gesellschaftskritik dar.

    Kurze erklärung zur Handlung. In dem Film ist „Lebenszeit“ die Währung. Jeder Menscher altert bis er 25 ist, dann stoppt die Alterung und eine Uhr (im Arm) fängt mit einem Jahr an zu ticken. Nun muss man sich Lebenszeit dazuverdienen um weiter zu leben. Fällt die Uhr auf 0, dann stirbt man.

    Durch Schulden ist das erste Jahr bei den normalen Leuten in ein paar Tagen weg. Man steht mit einem Tag restzeit auf und muss sich einen weiteren Tag verdienen um am nächsten Tag den nächsten zu verdienen.

    Die super Reichen die alles kontrollieren haben natürlich endlos Zeit und können ewig leben.

    Sobald in der Unterschicht „zu viel Zeit“ im Umlauf ist, werden einfach die Lebenserhaltungskosten des Systems so weit hochgefahren, dass man die Unterschicht wieder ins Hamsterrad holen kann.

    Wirklich ein sehr guter Film von der Unterhaltung her und eine interessante Gesellschaftskritik.

  4. Denke nicht dass es für immer so bleiben wird. Der Trend geht immer mehr zu kleineren Unternehmen/Arbeitsgruppen statt großen Unternehmen und ich stelle mir eine Zukunft vor in der jeder einfach seine aktuellen Tagesaufgaben aufs Smartphone (oder Chip im Gehirn?) bekommt welche auf die eigenen Fähigkeiten ausgerichtet sind.

    Denke nur dass ich das nicht mehr erleben werde.

  5. Geld bzw. Reichtum ist hier nur derzeit das Maß für Status.

    Man kann auch Wertschätzung, Ansehen, Bedeutung, Achtung oder Würdigung sagen, je nach eigener Definition, im folgenden bleibe ich mal bei dem Wort Status.

    Die Akzeptanz der Gruppe (von Familie hochskaliert bis Kultur/Volk oder Menschheit) und ein möglichst hoher Rang in der Gruppe ist eine dem Menschen einprogrammierte Eigenheit.

    Je höher der Status, desto höher die Überlebenswahrscheinlichkeit für sich selbst und die Nachkommen, egal unter welchem Vorzeichen. Abgesehen davon fühlt man sich sehr gut, wenn man von anderen akzeptiert oder bewundert wird.

    Unterschiede bringen nur Zeit, Ort und Sozialform.

    „wer ist der Erfolgreichste/Reichste?“ (Kapitalismus)
    „wer ist der Frömmste?“ (Religion)
    „wer ist der Linientreuste?“ (polit. Ideologie)
    „wer ist der Leistungsstärkste?“ (Sport)
    „wer ist der Intelligenteste?“ (Wissenschaft)
    „wer ist der beste Jäger?“ (Naturvölker/Steinzeit etc.)
    usw.

    Das ganze läuft wie du sagst auf das „fressen und gefressen werden“ bzw. „survival of the fittest“ hinaus, jedoch ZUM GLÜCK ist man hier von dem Sozialdarwinismus abgekommen und die weniger „fitten“ werden nicht bekämpft, sondern erhalten ZUM GLÜCK sogar Hilfe (Sozialsystem).

    Selbst Leute aus Gegenbewegungen konkurrieren untereinander, wer am extremsten gegen Sache XY ist.

    Beispiel: Die lautstärksten Antikapitalisten feuern sich gegenseitig an, wer am meisten gegen Kapitalismus ist und am meisten dagegen tut. Ergo, die Haltung gegen Statusfaktor A, wird nur durch Statusfaktor B ersetzt. Das ist aber bei allem so, nicht nur bei den Antikapitalisten (bevor hier wer meckert schreibe ich das offensichtliche mal dazu).

    Welcher Grad von Status XY die jeweilige Person zufrieden stimmt ist natürlich unterschiedlich („mir reicht Sache X, mehr brauch ich nicht“) macht die Person jedoch trotz dem zum Teil des jeweiligen Statussystems.

    Man kann sich natürlich bewusst dazu entscheiden in keiner Gruppe akzeptiert werden zu wollen, aber wie Du schon sagst, ganz frei kann man sich davon nie machen. Selbst Aussteigergruppen haben ein Sozialgefüge, und sei es nur, dass man den Status „Aussteiger“ haben muss…

    Also Eremit werden oder verzweifeln – Menschen sind kompliziert einfach. 😉

  6. Zu dem Thema empfehle ich mal die Doku
    „Komm komm Grundeinkommen“ lief am Wochenende auf Phoenix, finde ihn aber leider nicht in der Mediathek
    Nicht vom Titel abschrecken lassen. Es geht zwar auch um die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens und vor allem um Sichtweisen und Praxisversuche in USA, Kanada die Diskussion in der Schweiz, aber es geht eben auch viel um die Themen die du hier ansprichst.
    Eingeleitet mit Jean-Luc Picards Erklärung des Wistschaftssystem der Föderation in 23. Jahrhundert.

    • Danke für die Empfehlung. Am Donnerstag 28.02. läuft um 3:45 Uhr nochmal eine Wiederholung. Da werde ich wohl mal den Receiver für eine Aufnahme programmieren.

  7. Meiner Meinung nach hat sich da Grundlegend nie etwas geändert. Bei einem Neandertaler Stamm gingen die Männer Mammuts jagen, die Frauen sammeln und eine Oma passte im Lager auf den Nachwuchs auf. Wenn man nicht mitgemacht hat ist man halt verhungert. Heute hat man dann eben nicht das neueste Handy. Da lobe ich mir den geografischen Glücksfall in Deutschland zu leben. Wenn schon Kapitalismus, dann am oberen Ende und nicht am unteren.

  8. Das Problem ist eher die Denkweise, die viele haben. Das „ich bin ein besserer (wertvollerer) Mensch, wenn ich mehr Geld habe“ und „wenn ich mehr Geld hätte wäre ich glücklicher“ – beides, meiner Meinung nach, Trugschlüsse.
    Zum einen wissen wir alle, dass Leute, die viel Geld verdienen, nicht unbedingt fleißiger sind geschweige denn der Allgemeinheit Gutes tun. Im Gegenteil: Meistens sind reichere Menschen sehr egoistisch und rücksichtslos. So boxen sie sich regelrecht mit unschönen Mitteln an top Positionen.
    Und glücklicher ist man mit mehr Geld auch selten. Es gibt zahlreiche Studien die zeigen, dass man nur so viel Geld braucht, um keine Geldsorgen haben. Alles darüber hinaus macht einen nicht glücklicher. Teilweise sogar eher unglücklich, da Reichtum auch eine Bürde sein kann.

    Eine interessante Rolle spielen dabei auch teure Marken. Leute bezahlen für Produkte, die keinen oder nur einen minimalen Mehrwert haben, viel mehr Geld, nur weil es von einer bestimmen Marke stammt. Sie fühlen sich nur wegen des Markennamens und des Wissens darüber, dass auch andere wissen, dass das teuer ist, besser. „Hey, schau mal, ich hab für das Hemd 10x so viel bezahlt wie du“, und doch ist es nich annähernd 10x wertiger. Das findet alles nur in den Köpfen statt. Erzeugt Neid. Und eigentlich ist es unglaublich dumm. Aber die Köpfe vieler sind in dieser Welt gefangen

    • Ich wüsste von eigentlich aktuell keinem Problem bei mir, das ich nicht durch „mehr Geld“ lösen könnte.
      Hätte ich mehr Geld bzw. wäre reich, bräuchte ich nicht mehr zu arbeiten und hätte wirklich mal Zeit, um mich oft mit Freunden zu treffen oder sie auch mal einfach besuchen zu fahren, selbst wenn sie am anderen Ende von Deutschland oder sonst irgendwo wohnen.
      Ich hätte dadurch mehr Zeit, in der ich mich um meine Familie kümmern könnte, um Zeit mit ihnen zu verbringen und köntne auch meine Hobbies öfter betreiben oder eben auch neue Hobbies ausprobieren. Da fallen mir so einige Dinge ein, die ich gerne ausprobieren würde oder auch Länder, in die ich gerne reisen würde, doch fehlt mir dazu ganz einfach das Geld.

      Stattdessen sitze ich 40 Stunden die Woche im Büro, um mein Leben irgendwie zu finanzieren und dabei ein klein wenig übrig zu haben, wovon ich mir dann auch mal „etwas gönnen“ kann. Ich sehe es schon so wie Steve in seinem text. Hätte ich mehr Geld, hätte ich damit auch mehr Zeit und Zeit ist doch wohl das allerwichtigste, denn diese können wir uns nicht direkt kaufen, sondern sie nur möglichst so füllen, dass sie für uns gut ist.

  9. Also ich blicke von einer anderen Seite auf das Thema:
    Seit wann ist das Bedürfnis so groß, bei Kind und Familie zu sein? Ich habe mir ja den Beruf so gewählt, dass er mich erfüllt.

    Ich glaube kaum, dass es eine Zeit gab, in der irgendeine Schicht sehr viel Zeit für Familie hatte. Die Armen mussten aufs Feld, die Reichen hatten Kindermädchen, Butler und Putzfrauen etc.

    Ist also der Gedanke an viel Zeit für die Familie nicht eher romantischer Natur?

  10. Ich stimme den meisten hier zu, dass der Mensch eine Beschäftigung und einen Sinn braucht. Aber Steves Punkt war ja: Warum verbringe ich so viel Zeit mit (mühsamer und nicht erfüllender) Arbeit, wenn ich doch zuhause Kinder (oder andere Interessen) habe mit denen ich sinnhaft Zeit verbringen könnte.

    Es gibt von Keynes die viel zitierte Vorhersage, dass zu unserer Zeit eine 15-Stundenwoche reichen würde. Und ich denke da ist schon etwas dran. Teilweise experimentieren Arbeitgeber sogar mit deutlich verkürzten und intensiveren Arbeitszeit-modellen: Statt 8-9 Stunden im Büro zu sein, kommen die Mitarbeiter nur 4-6 Stunden. Dafür wird die ganze Zeit im Büro wirklich gearbeitet und nicht nur small talk gehalten, Nachrichten gelesen (oder Blog-Kommentare verfasst…).
    Hier besteht also Grund zur Hoffnung, dass (auch im Zuge der Automatisierung) unsere durchschnittliche Abritszeit sinken wird. Aus Arbeitgeber-Sicht hat das sogar Vorteile wie weniger Krankheits-Tage.

    Gefährlich wird es, wenn die Automatisierung ganze Bevölkerungsgruppen ausgrenzt und deren Beitrag zur Gemeinschaft überflüssig macht. Manche Firmen scheinen ein Modell zu bevorzugen, in dem ein Teil der Bevölkerung hoch-qualifizierte Jobs haben, Algorithmen entwickeln und die Automatierisung perfektionieren, dabei am besten eher 50 als 40 Stunden arbeiten, während der Rest der Bevölkerung mit einem Grundeinkommen „ruhig gestellt wird“. Ich war und bin immer noch ein Fan vom Grundeinkommen, aber es darf nicht Mittel zur Ausgrenzung und Ruhigstellung nicht mehr benötigter Bevölkerungsgruppen benutzt werden.

    Viel lieber würde ich es sehen, dass wir alle „Teilzeit“ arbieten. Durch Effizientsteigerung und Automatisierung lässt sich die Menschheit bequem mit weniger als 40 Arbeitsstunden die Woche versorgen.

    Spannend wird die Umsetzung einer allgemeinen, z.b. 20-Stunden Woche: Brauchen wir dafür eine Planwirtschaft, die verhindert, dass wir unnütze, umweltschädigende Prdukte herstellen? Kann die soziale Marktwirtschaft einfach gesetzlich die maximale Arbeitszeit weiter reduzieren und alles geht trotzdem gut? Ich weiß es nicht. Leider befürchte ich, dass so etwas niemand weiß, weil sich das Verhalten eines weltweiten Wirtschaftssystems mit den Individual-Entscheidungen vieler Menschen kaum vorhersagen lässt. Also würde ich vorschlagen: Mutig sein und entschlossene Schritte im aktuellen System so gut es geht und so konsequent wie möglich umsetzen. Das scheint mir besser zu sein als kontinuierlich nach Minimal-Lösungen zu suchen.

    Link zum Zitat von Keynes:
    https://en.wikiquote.org/wiki/John_Maynard_Keynes#Economic_Possibilities_for_our_Grandchildren_(1930)

    Test von reduzierter Arbiteszeit:
    https://www.nytimes.com/2018/07/19/world/asia/four-day-workweek-new-zealand.html
    https://www.bbc.com/news/business-38843341

  11. Darüber hast du dir noch nie Gedanken gemacht ? Ich habe darüber nach meinem ersten 8 Stunden Arbeitstag nachgedacht vor einigen Jahren und zwar nach dem Motto: „ So geht das jetzt die nächsten 40 Jahre weiter ?“.

    95% der Menschen arbeiten eben für die oberen 5%. Das ist so und bleibt so, solange es keinen Knall gibt.

    Dieses System wurde über Jahrhunderte von den Mächtigen ala Rothschild und co. eingeführt und es läuft besser denn je, weil alle brav im Hamsterrad strampeln. Und durch ehrliche Arbeit kommt man aus diesem Hamsterrad nicht raus.

    Es bringt aber nichts sich darüber viele Gedanken zu machen, denn reich wird hier von uns eh keiner, außer man Gewinnt eben mal im Lotto oder so.

    Dem System entziehen kann man sich nicht. Selbst wenn du dir Land kaufst und dein Essen selbst anbaust, dann zahlst du immer noch mal mindestens Grundsteuer und andere Abgaben die du dir erwirtschaften musst.

    In den vielen Sozialstaaten lassen die reichen auch noch schön die Unterschicht von der Mittelschicht durchfüttern. Die oberen 1% haben 50% des Weltvermögens. Und wer füttert unsere ganzen Sozialfälle und Schmarotzer durch ? Da sind Leute wie du und ich, die ihr Gehalt noch üppig versteuern müssen.

    Von 3000 Brutto bleiben einem am Ende nach allen Abgaben (ja ok KV auch usw.) noch 1800 vielleicht. Und alles was du davon ausgibst wird ja nochmal besteuert. Stromsteuer, Mehrwertsteuer, Kfzsteuer uvm.

    Wie gesagt, mach dir darüber keine Gedanken, das zermürbt einen nur auf lange Sicht.

    • „Wie gesagt, mach dir darüber keine Gedanken, das zermürbt einen nur auf lange Sicht.“
      Finde ich falsch, diese Aussage. Klar, soll einen so ein Gedanke nicht auffressen, aber nur, weil man nach ein paar Gedanken machen, nicht direkt eine Lösung hat und es direkt aussichtslos erscheint, daran was ändern zu können, heißt das nicht, dass man sich nicht weiterhin mit dem Thema beschäftigen sollte, wenn man damit unzufrieden ist.

      Ich hoffe du verstehst, worauf ich hinaus will.

  12. Das ist der Grund wieso ich Teilzeit arbeite und mich nebenberuflich Selbständig gemacht habe. So hab ich meine Sicherheiten und kann aber auch von Zuhause aus arbeiten. Ich bin mir sicher das Remote auch die nächsten Jahre immer mehr gesucht wird. Leider nicht in jeder Branche möglich.

  13. Alles, was meine Vorposter inklusive Steve hier an Kritik am kapitalistischen System nennen, ist im wesentlichen richtig. Von gewissen Details abgesehen, nämlich dass in kapitalistischen Systemen grundsätzlich auch die Ärmsten profitieren bzw. die Rate bitterer Armut sinkt, mal abgesehen. Das System ist nicht perfekt.

    Aber die Frage ist doch, wie wir es besser machen können. Und zwar nicht in irgendeiner Phantasiewelt, sondern in der Welt, in der wir leben, mit begrenzten Ressourcen, fehlerhaften, eigennützigen Menschen usw. Nehmen wir die sozialistischen Experimente des 20. Jahrhunderts bis hin zu aktuell Venezuela: Sie sind an der Praxis gescheitert.

    Wenn wir eines Tages eine Startrek-Welt erreichen mit praktisch unbegrenzt Ressourcen und Platz, können wir darüber noch einmal reden. Aber für unsere momentane Welt halte ich das kapitalistische System für das „am wenigsten schlechte“. Dabei muss es natürlich soziale Korrekturen geben, wie sie z. B. in der jungen Bundesrepublik mal angedacht waren. Aber für eine Vollkaskoversorgung ohne Eigenverantwortung, wie sie von so manchen angestrebt wird, ist die Menschheit nicht geschaffen. Und das kann man durchaus auch biologisch begreifen: Seit es Menschen gibt, haben diese immer um ihr Betehen kämpfen müssen. Das leistungslose Paradies hat es nie gegeben. Insofern teile ich sogar Balnazzas Ansicht in diesem Punkt: Eine „Haltung“ des Menschen wider seine Natur, ohne Aufgabe, funktioniert nicht.

    • Das sehe ich auch so. Man muss sehen, dass die menschliche Gesellschaft in den letzten paar 100 Jahren konsequent besser geworden ist; sowohl im Umgang miteinander als auch in der Hilfe von schwächeren. Wir sind noch lange nicht am Ende des Verbesserungspotenzials und es gibt noch extrem viel zu tun, aber das ist alles ein Prozess. Und in diesem Prozess helfen wir alle mit. Jedes mal, wenn wir unentgeltlich Blut spenden oder andere Kleinigkeiten uneigennützig unterstützen.
      Natürlich kann man das in der westlichen, weitestgehend sicheren, Welt einfach sagen und wenn man von Armut betroffen ist, hat man einen völlig anderen Blick auf die Sache. Aber so etwas ändert sich nicht von heute auf morgen.

  14. Also dein Anliegen ist nachvollziehbar, aber ich kenne das klassisch noch anders. „Früher“ war Kindererziehung Sache der Mutter – der Vater war arbeiten. Mein Vater war bis Ende der 80er Fernfahrer, Schwerlasttransporte. Den habe ich alle 4-6 Wochen am WE gesehen. Und von meinen Freunden war selten ein Vater um 4 zu Hause und iwie für die Familie da.

    Zur Gesellschaftskritik, jo das ist so. Aber nicht erst seit gestern. Manche Menschen suchen Lösungen aus dem Hamsterrad mit Nischenaktionen, aber letztlich wird dieses System nur einen Stop machen, wenn es sich selbst frisst. Wir müssen uns vor Augen führen über welche Zeitschranken sich das entwickelt hat, wie fest verankert es im globalen Sinn ist. Dann kommt man eigentlich nur zum logischen Schluss, das ein apokalyptisch-naher Umstand die Welt verändern kann. Bis dahin: friss oder stirb.

  15. Dann muss man aber das System „Leben“ ändern. Selbst wenn man jetzt wieder wie in der Steinzeit leben würde würdest du den Großteil des Tages mit jagen/sammeln verbringen was dich als Mann wahrscheinlich sogar noch härter treffen würde. Von daher hast du es im aktuellen System, bei all den Fehlern die es hat, wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht.

  16. Meine Lieblingsstelle in dem Beitrag ist ja wo Steve schreibt er würde arbeiten. Als Lehrer. Pah.

    /sarcasm off

    Du hast mit alledem recht, und auch wieder nicht. Ich finde, das was man durchaus auch als Schrott bezeichnen kann, benötigt man in der heutigen Welt auf kurz oder lang um ein erfolgreiches Leben zu führen. Wobei Erfolg darauf bezogen ist, nicht in der Gosse zu verrecken.
    Und daran wird sich auch nichts ändern, sofern es einem Gros der Menschen nur darum geht, möglichst viel bedrucktes Papier zu bekommen.
    Wenn die Gier überwunden wird, kann man auch den Kapitalismus austauschen.

    • wow … ernsthaft… das liegt aber nur daran, dass man sich dann sein Lebensstil nicht meh leisten kann bzw. die Familie gar nicht mehr ernährt bekommt.

  17. Ich bin eigentlich ein stiller Leser deines Blogs aber zu diesem Thema muss ich mich nun doch äußern, da ich da schon lange darüber nachdenke:
    Es ist leider nicht möglich sich diesem System zu entziehen, selbst wenn man beschließt auszuwandern muss man erstmal Arbeiten und Geld verdienen um sich das zu finanzieren. Als Mensch muss man sich auch ständig beschäftigen sei dies nun Arbeit, Kunst, Musik etc.
    Auch als ich beschlossen habe lange Reisen zu gehen musste ich erstmal arbeiten, um mir die Flugtickets leisten zu können und um eine gewisse Absicherung zu haben. Viel Arbeiten, wollte ja möglichst schnell reisen gehen 😀
    Ich denke man müsste am Grundgedanken der Menschen ansetzen. Uns wird seit der Kindheit eingetrichtert, das Gegenstände glücklich machen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: Hat man den einen Fernseher will man direkt den nächst größeren. Einfach mal damit zufrieden sein was man hat. Aber der Kapitalismus suggeriert uns ja immer weiter, mehr und schneller. Der Leistungsdruck wächst, nicht nur im Arbeitsleben sondern auch in der Schule. Der Mensch an sich muss sich wieder mehr runterfahren.

  18. Ja, ich bin da bei dir. Deswegen suche ich mir meinen Arbeitgeber danach aus wie ich mit den Kollegen auskomme. Die sehe ich mehr als meine Family. Nicht falsch verstehen, ich mag meinen Job, obwohl er mir 4-Schichtsystem abverlangt. Das positive: Homeoffice geht nicht, da ich die Arbeit nicht mit nach Hause nehmen kann 😉
    Ich würde ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen, das etwas höher liegt als der aktuelle Hartz4-Satz. Finanziert durch Finanztransaktionssteuer und Vermögenssteuer. Es geht nicht anders, die Reichen müssen ihren Teil zur Gemeinschaft beitragen, sie profitieren ja auch davon. Und ich bin der Meinung das alle Firmen, die in einem Land Gewinn erwirtschaften, den Gewinn auch dort versteuern müssen. Nix mit Steuerschlupflöchern. Ich denke das würde vieles Entspannter machen und Druck wegnehmen

    • Etwas höher als ALG2?
      Da kann ich dir aus Erfahrung sagen, das ist zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.
      Unter 1500-1800€ BGE brauchen wir da eigentlich nicht anfangen.

  19. Habe auch schon oft über das angesprochene nachgedacht. Spare solange bis ich dem System entfliehen kann hoffe vor 35. Frühe Investitionen in krypto haben mir schon einiges gebracht und ich hoffe auf einen neuen hype. Der Hunger auf der Welt ist laut neuesten Berichten übrigens weltweit relativ im Griff. Armut ist tortzdem ein großes Problem

  20. Kann mir allerdings auch kein anderes funktionierendes System vorstellen. Der Mensch braucht nun einmal gewisse Güter, um zu überleben. Diese müssen in Anbetracht der großen Weltbevölkerung irgendwie produziert werden. Wie kriegst du nun nur ein paar Menschen dazu, diese Dinge für alle anderen zu produzieren, wenn es keine Entlohung gibt?
    Und wenn es eine Entlohung bzw. einen Vorteil gibt, wollen andere diese dann nicht auch vielleicht haben?

    Ich glaube nicht, dass es ein gerechtes System gibt.
    Man könnte halt das Vermögen der Superreichen irgendwie begrenzen, aber hilft das den armen Menschen dann weiter? Will man das Geld verteilen? Wenn ja, an wen?

  21. „Leider hat man in unserer Gesellschaft keine andere Wahl – zumindest, wenn man in einem schönen Haus leben, ein schönes Auto fahren und seine Kinder verwöhnen will.“
    Und genau da liegt das Problem. Und auch die Lösung.
    Ich brauch das alles nicht. Und die Kinder brauchen das auch nicht.
    Ich spare 50% meines Einkommens und lege das Gesparte an.
    Damit werde ich nach ca 15 Jahren Arbeit ausgesorgt haben und mich zur Ruhe setzen.
    Falls dich das Thema und wie man aus der Tretmühle wirklich aussteigen kann echt interessiert:
    https://frugalisten.de/

    • Unabhängig davon ob es bei dir/manchen Leuten finktioniert: Das ist wie alles andere aber keine Lösung, da es wenn es jeder machen würde, nicht mehr funktionieren kann!

    • Mit Spareinlagen wäre ich in Zukunft sehr vorsichtig, wegen geplanter Enteignung von sowohl Spareinlagen, als auch Bargeld.

      Soll jetzt nicht heißen, dass man morgen sein Geld komplett abheben soll, aber man sollte sich dringend mit dem Thema beschäftigen.
      Die nächste Krise kommt mit großen Schritten auf uns zu und wird uns alle in der Euro Zone treffen.

  22. Der Mensch braucht eine Aufgabe. Ich glaube fest daran, würde man morgen Möglichkeiten finden, alle anfallenden Aufgaben durch Roboter zu erledigen, einschließlich Research und Wartung der Roboter, sodass alle Menschen die Füße hochlegen und nie wieder etwas tun müssen…die Menschheit würde völlig eingehen. Mir reichten ja schon die sechs Monate zwischen Abitur und Studiumsbeginn um der ersten Vorlesung herbeizufiebern.

    Arbeit ist also wichtig, keine Frage. Das Problem ist, dass man den Menschen erfolgreich eingetrichtert hat, die soziale Marktwirtschaft nicht zu verstehen. Alles dreht sich um Wachstum und damit zusammenhängend die Zufriedenheit der Shareholder. Wir produzieren im Westen großteils auf Überschuss, trotzdem müssen wir immer weiter wachsen. Und jede Idee, egal ob gut für die Umwelt oder gut für die Menschen, kann easy damit abgeschmettert werden, dass sie „hinderlich für das Wirtschaftswachstum“ ist. Da wird der Deutsche (und wahrscheinlich auch viele andere) nervös. Er arbeitet als Paketlieferant in irgendeinem Subunternehmen in sklavenähnlichen Zuständen mit der Aussicht auf Altersarmut, aber wenn die Union vor der Anhebung des Mindestlohn warnt, ist besagter Paketlieferant in Panik. Stellt euch vor, nachher wächst die deutsche Wirtschaft mal für ein Jahr nicht…was soll dann aus uns allen werden? Wahrscheinlich müssen sie dann die Essensmarken wieder aus dem Schrank holen…

    Das Thema ist eigentlich viel zu Komplex für einen Kommentar und selbst mit ausreichend Platz hätten sich immer noch wesentlich schlauere Köpfe als ich damit befasst. Aber ich glaube, die „unbegrenztes Wachstum“-Problematik und der (antrainierte) Umgang der Menschen damit ist das Hauptproblem.
    Denn wie ein Satiriker (ich glaube Pispers?) schon sagte: „Unbegrenztes Wachstum kennen wir in der Medizin, da heißt das Krebs“

    • Ja war Pispers 😉

      Ich frage mich immer, warum viele sagen, sie könnten ja lange nicht „nichts“ machen. Hatte auch schon 6 Monate frei. Und hätte wohl auch so weiter leben können.
      Bis Mittag schlafen, den Tag mit Sport, zocken, Filme schauen verbringen und abends mit Freunden treffen bzw. für ein langes Wochenende Freunde irgendwo besuchen. Für Festivals keinen Urlaub nehmen müssen. Für 2h in Ruhe kochen hat man Zeit. Kann vielleicht mal über den Wochenmarkt schländern und nicht im Discounter um die Ecke schnell Obst und Gemüse einkaufen,…
      Klar, Füße hochlegen war das nicht. Aber man bekommt den Tag auch locker mit Sachen voll, die einen Spaß machen und wo man Lust drauf hat. Aber dann fehlt halt das Geld. Und wie Steve schon sagte: „zumindest, wenn man in einem schönen Haus leben, ein schönes Auto fahren und seine Kinder verwöhnen will.“ Ich möchte auf ein paar Dinge nicht verzichten und die Kosten schon etwas Geld. Aber man kommt auch halbtags mit 1500€ über die Runden. Nur fehlt halt das Geld für sämtlichen „Luxus“.

      • Und schon bist Du in der Mühle gefangen.
        Meine Frau und ich haben 1600€ Haushaltsgeld und können davon mit 3-5 Mann leben.
        (Freitags 12h-Samstags mittags oder Abends sind wir 5)
        1x im Monat ist davon was besonderes drin. Sei es Essen gehen, Kletterhalle, etc.

        Wenn also 1500€ nicht für Luxus reichen, dann ist der Luxus die Frage.

        Lebenshaltungskosten mögen in einer Stadt recht hoch sein, doch muss man sich das alles durchrechnen.

        Braucht man Garten, Einfamilienhaus, etc.
        Klar, dann ist man schnell bei 1000+ nur für das Dach über dem Kopf.

        Früher gab es viel mehr Mehrgenerationenhäuser, die Väter waren halt die Brötchenverdiener, die Frau zu Hause.
        Der Konsumwahn lässt uns doch so schuften.
        Simples Beispiel:
        Hab ich den 3GB Festvertrag der Telekom für 35€ oder den 8€ Alditalk mit 1,5GB…
        Brauche ich Apple/Amazon Music oder reicht Radio?
        Netflix, Dazn, WWE, etc…
        Das läppert sich schnell zusammen.
        Brauche ich wirklich das neue Handy? Die geplante Obsoleszenz ist zwar nicht ausgedacht, aber handlebar.
        Meine Frau hat mein altes Handy der 6. Generation und das läuft noch blendend.
        Ja, es muss jeden Tag an den Strom, ja es ist manchmal langsam, UND?
        All das sind Sachen, die sind nicht wichtig.
        Ich geb zu, das Wichtigste sind mir meine Wanderschuhe.
        Das ist natürlich ein saugünstiges Hobby. Natur und Punkt.
        Damit ist aber mein Tagwerk schon getan.

        Ich war in einer Abwärtsspirale und nun hab ich noch ca. 3 Jahre bis ich absolut schuldenfrei bin, hab intensives Leben und diverse Highlights.

        Was um alles in der Welt muss man denn dem Nachwuchs FINANZIELL Gutes tun????

    • Ich würde Arbeit und Lohnarbeit strikt trennen. Die Abhängigkeit von der Lohnarbeit ist doch das große Problem am System. So werden Menschen gezwungen irgendwelche montonen Arbeiten durchzuführen, welche auch problemlos und wahrscheinlich besser ein Roboter machen kann. Da der Wegfall der Lohnarbeit für die meisten Menschen mit einem sozialen und finanziellen Abstieg einhergeht, wird diese Entwicklung (noch) nicht so radikal vorangetrieben. Lieber eine scheiss Arbeit als keine Arbeit-
      Politisch und gesellschaftlich sind wir noch weit davon entfernt den Begriff der Arbeit neu zu besetzen und ihn von der Lohnarbeit (Ausbeutungsverhältnis) zu trennen.
      Auch im Umgang mit Menschen ohne Lohnarbeit kommt die ekelhafte Seite des Systems zum vorschein. Ohne Lohnarbeit bist du nichts Wert.

    • Hey Balnazza
      Ich kann dein Anliegen absolut nachvollziehen.
      Ich weis ja das du bei politischen Fragen eher auf der linken Seite daheim bist. Und ich mich selber eher auf der Konservativen Seite sehe.
      Aber im Grunde haben wir es selber in der Hand ob ein System funktioniert oder nicht. Denn obwohl ich aus tiefster Seele Kapitalist bin und an Survival of the Fittest glaube hab ich in den letzten Jahren mein Arbeitspensum verringert viele Sachen aufgegeben und lebe mit meiner Familie relativ einfach und entspannt.
      Und hab für mich das perfekte Mittelmaß gefunden.
      Ich überleg mir auch gerade ob ich meinen ingenieursjob ganz an den Nagel zu hängen und nochmal ne Handwerkslehre zu machen.
      Ich will nur sagen gib nicht irgendwelchen äusseren Umständen die Schuld etwas nicht machen zu können.
      Im Grunde sind das immer Ausreden.
      Ändern kannst du nur dein Leben.
      Ich weis es erfordert Mut und viel Disziplin. Ich würde
      Aber die Entscheidung das Leben zu entschleunigen jederzeit wieder Treffen

      Cheers

    • Ich glaube nich, dass die Menschheit zu Grunde gehen würde, wenn sie nicht mehr arbeiten müsste. Wir können es uns in der aktuellen Situation einfach nicht vorstellen.
      Und es heißt ja auch nicht, dass man z.b. mit einem bedingungslosen Grundeinkommen nicht mehr arbeiten könnte. Es stünde aber jedem frei es zu tun.
      Man könnte sich kreativ ausleben und viele Stunden am Tag das tun, was einen wirklich glücklich macht. (An dieser Stelle soll erwähnt sein, dass es natürlich auch in unserem heutigen System die Option gibt. Es steht einem ja selbst frei eine Arbeit zu finden, die einen wirklich erfüllt.) Wenn jemand gerne malt, schreibt oder liest kann er das tun. Wenn jemand gerne Menschen gesund macht, kann er das ja trotzdem tun. Und darf gerne dafür mehr verdienen als jemand, der sich nicht gemeinnützig einsetzt. Wenn jemand sich gerne um Alte kümmert oder Kindern das Fußballspielen beibringt, dann darf diese Person gerne mehr verdienen. Wenn jemand gerne Maschinen wartet, dann wird es sicher auch für diese Person eine Arbeit geben.

  23. Ist die Frage, wie es früher war. Meine Vorfahren waren Bauern, um 6 auf dem Feld bis vlt 18 Uhr. Danach ging auch nicht viel anderes.

    Meine Oma und Opa waren Arzt und Krankenschwester. Oma konnte sich kümmern, da sie dann zuhause blieb, Opa war eigentlich nur am Wochenende präsent.

    Mit nem normalen 8 Stunden Tag gehts eigentlich, man bringt das Kind früh weg, holt es am Nachmittag ab und hat dann noch etwas Zeit. Zumindest scheint es so beim Arbeitskollegen sein.

    • Ich find’s grausam, dass wir Kinder in die Ganztagsbetreuung schicken aus eben jenen genannten Grund von Steve.
      Wir „parken“ die Kinder, weil wir so viel Zeit für arbeit aufwänden, dass wir keine Zeit für die Stöpsel haben. Nicht umsonst haben wir einen abwärtstrend in der Geburtenrate von Kindern, die nicht muslimische Eltern haben. Anstatt, dass man diesen Grund hinterfragt, schreit man nach mehr Ganztagsbetreuung, während ich da meine Hände über den Kopf schlage und mir denke, „warum“. Ich bin froh, dass in meinem Fall meine Mutter zu Hause war und ich nicht seit dem Kindergarten in die Ganztagsbetreuung gesteckt wurde. Natürlich ist für alleinerziehende eine Ganztagsbetreuung ein enorme Entlasstung und wichtig aber bei zwei zusammen lebenden Elternteilen einfach unfug.

    • Laut Marshall Sahlins, Autor von Stone Age Economics, hatten die Kung-Menschen eine durchschnittliche Arbeitswoche von 15 Stunden. Ein Tag Arbeit (Sammeln) versorgte die Familie einer Frau mit Gemüse für 3 Tage.
      Also irgendwie war die Arbeitswoche in den alten Zeiten chilliger als heute.

      • Das mag stimmen, jedoch funktioniert das heute eben nicht mehr mit den gestiegenen Ansprüchen. Für alles was du einkaufst oder andersweitig nutzt (Reisen, Freizeitaktivitäten, Handwerksaufgaben, etc.) müssen andere Leute arbeiten – ergo musst du für die wohl mitsammeln. Das ist doch das gesamte Konzept.

        Wenn du damit zufrieden bist alle 3 Tage ein paar Beeren zu sammeln und den Rest der Zeit am Lagerfeuer zu chillen funktioniert das sicherlich auch heute noch. Möchte halt nur niemand.

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