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Wenn ich ganz ehrlich bin, war es nie meine oberste Priorität, in meinem Leben (mit über 40) noch Vater zu werden. Die Angst, meinen eh schon stressigen Alltag um einen „dritten Job“ zu erweitern, war besonders in den Monaten vor der Geburt ziemlich groß. Die Zeit ab dem Sommer 2018 war für mich eh extrem schwierig: Der herzzerreißende Abschied von meiner großen Liebe der Fintauschule, der Umzug nach Tangstedt, die neue Schule, die Schwangerschaft meiner Freundin – das alles war ein riesiger Umbruch in meinem Leben. Und da ich eh eine Person bin, die sich mit Veränderungen schwer tut, war das für mich doppelt schwer.

Mit der Geburt meines Sohnes Leo im Dezember 2018 stellte sich mein Leben ein weiteres Mal auf den Kopf. Wenn Ihr über ein Kind nachdenkt oder eines erwartet und Euch irgendwer erzählen will, dass sich ja „gar nicht so viel verändert“, dann lasst Euch vom alten Krömer sagen: Es verändert sich einfach alles. Ob man will oder nicht, dreht sich ab der Geburt eines Kindes alles nur noch um Euer Baby. Im Alltag bedeutet das, alle anderen Dinge um Euer Baby und seine Bedürfnisse herum planen zu müssen.

Die ersten Monate nach der Geburt meines Sohnes (inkl. meiner Elternzeit) waren echt hart. Wenn ich ehrlich bin, hat mich die erste Zeit ziemlich überfordert. Leo ist ein ziemlich aktives Baby. Wenn man zum ersten Mal Eltern wird, weiß man mit vielen Dingen einfach nicht umzugehen, bzw. man muss einfach eine gewisse Routine entwickeln, um den Baby-Alltag meistern zu können. Da Leo in den ersten Monaten teilweise ziemlich starke Koliken hatte, war es doppelt so anstrengend. Zum Thema Koliken: Wir haben hundert Tipps dazu bekommen – von Tee über Globuli und Salben bis hin zu irgendwelchen Wunder-Präparaten. Lasst mich hierzu unseren Kinderarzt zitieren: „All diese Mittelchen sind im Grunde mehr für die Eltern als für das Baby.“ Und genau so isses: Die haben einfach ALLE nicht geholfen. Unser Arzt meinte dazu, dass ein Baby durch diese Zeit einfach durch muss. Ist ja auch irgendwie logisch, weil sich hier der ganzen Verdauungstrakt eines kleinen Menschen entwickelt. Wenn Euer Baby also Koliken hat, könnt Ihr Euch die ganze Kohle für den Kram sparen…

Wir konnten Leo in dieser Zeit quasi nicht ablegen. Das war so anstregend, weil man sich (mit äußerst angespannten Nerven) quasi immer abwechselnd das Baby „in die Hand gedrückt“ hat. Erst der großartige Tipp, dass wir uns eine Federwiege zulegen sollen, hat hier Abhilfe geschaffen und unsere Anfangszeit deutlich angenehmer gestaltet. Scheinbar funktioniert eine solche Wiege nicht bei jedem Baby, aber bei Leo war es DER Volltreffer. Ab diesem Tag konnten wir unser Baby auch mal ablegen. Später haben wir noch einen kleinen Motor dazugekauft, was quasi die perfekte Ergänzung dazu war. Bis zum heutigen Tag macht Leo seine Schläfchen in dem Teil. Falls Euer Baby sich also auch nicht ablegen lässt, probiert so ein Ding aus – uns hat es echt den Arsch gerettet. Die Dinger kann man super gebraucht kaufen (haben wir auch) – schaut mal bei eBay-Kleinanzeigen oder Mamikreisel nach.

Je größer Leo wurde, desto besser funktionierte der Alltag mit ihm. Je länger man Eltern ist, desto mehr Tricks und Kniffe bekommt man heraus und desto mehr Routine hat man auch im Umgang mit kleinen Problemen. Auch wenn der Alltag für mich immer noch ziemlich anstregend ist, da ich sowohl meiner Arbeit als Lehrer, meinem großen „Hobby Internet“ und meiner Familie gerecht werden muss, so bin ich jetzt an einem Punkt angelangt, an dem ich wirklich extrem glücklich und zufrieden mit meiner Vaterrolle und Lebenssituation bin. Auch wenn es eine harte Zeit war, so glaube ich, dass es zu 100% der richtige Weg war, den ich gewählt habe. Es gibt nichts Schöneres auf der Welt, als wenn mein Sohn aus voller Kehle lacht, wenn wir zusammen Quatsch machen. Das ist pures Glück zum Anfassen.

Durch die Vaterrolle verändert sich nicht nur Dein Alltag, sondern auch die Prioritäten, die Du für Dich selbst setzt: Es gibt einfach nichts Wichtigeres mehr als das Wohl Deines Kindes („Hauptsache Alessio geht es gut!“). Für einen Egoisten wie mich ist das ein komplett neues Lebensgefühl – aber ein sehr gutes. Ich bin im Nachhinein sehr froh und dankbar, dass ich trotz meines „fortgeschrittenen Alters“ diese wahnsinnig schöne Erfahrung des Vaterseins noch machen durfte.

Zum Abschluss möchte ich wieder auf ein kleines Baby-Projekt hinweisen: Leo schaukelt für sein Leben gern. Community-Mitglied Andre hat angeboten, dass wir wieder ein cooles Baby-Projekt zusammen angehen: Ich würde also demnächst mit Andre zusammen (Rico, wo bist Du? *zwinker*) eine Baby-Schaukel in unserem Garten installieren und die ganze Sache vloggen. Da wir hier zur Miete wohnen, sollte die ganze Sache ein wenig mobil sein. Habt Ihr da zufällig einen Tipp für mich?

12 KOMMENTARE

  1. Ich find gerade dieses Gerüst nicht was wir als KInder hatten.
    Kennt das noch wer: Das waren so Rote Stangen die man ineinander Stecken konnte Mit Eckverbindern etc. Sehr Stabil und es gab auch Teile für Schaukeln, Rutschen etc. dazu und das kann man Schnell mal Umbauen falls es einem zu Langweilig ist und Beliebig erweitern.

    Und Durabel war das auch…

    Ich finds bei google nicht =(

  2. Schön zusammen gefasst. Bei uns geht’s im Januar wieder von vorne los, mit dem inzwischen 3ten Kind. Und während andere die Hände über den Kopf zusammen schlagen, freuen wir uns extrem darauf.
    Zu sehen wie die beiden ersten Kinder von Monat zu Monat selbstständiger werden ist traumhaft.

  3. Ja es ist Anstrengend, ja es kostet einen Nerven und Schlaf, aber wenn du es richtig gemacht hast und dein Kind lächelt sich an und sagt dir später „ich hab dich lieb, Papa!“ Dann weiß man, Vater sein ist das tollste auf der Welt. Für nichts auf der Welt würde ich meine beiden (7 & 2,5) wieder hergeben.
    Du packst das Steve. Leo wird es dir später auch danken.

  4. Es wird immer toller mit deinem Kind! Meine beiden Jungs sind gerade 2 geworden. Es ist einfach super, wenn man schon mit ihnen reden kann und sie verstehen dich, sprechen selber, rennen umher. Einzig die Sache mit dem Grenzen austesten treibt mich an einigen Tagen etwas. Aber unterm Strich kann ich mir nicht mehr vorstellen, keine Kinder zu haben. WoW und alles Andere muss nun eben auf den Abend verschoben werden (habe vorher viiel gezockt).
    Ich finds bemerkenswert, wie du alles, neben Kind, hinbekommst. Ich weiß was für eine Arbeit z.B. Vlogs oder Allimania sein müssen.
    Alles Gute weiterhin!
    LG Lornor / Christian

  5. Danke für die Erfahrungen Steve.
    Ich kann nur sagen, dass du dem Herrgott dankbar sein kannst, dass dein Kleiner gesund ist.
    Ich bin im Juli diesen Jahres das erste mal Vater geworden und wir hatten durch einen Gendefekt (Prader Willi Syndrom) nicht so viel Glück.

  6. und in 15 Jahren wird er sich in grund und boden schämen. Genau in der Zeit wo die Pubertät einschlägt wie eine bombe. Das wird Großartig 😀

  7. Wie du ja weißt, bin ich selbst Papa (2,5 und 6) – ich kann dir sagen: es wird besser und leichter und angenehmer! Mit jedem Monat wo die kleinen Teppichratten mehr können und selbstständiger werden, wird es cooler!

  8. Für Babys brauchst du einfach nur ein Gerüst mit langen und breiten „Füßen“ wenn du weißt was ich meine. Du kannst auch noch zusätzlich Löcher herein bauen und das mit Ahlen sichern und an der oberen Stange die Schaukel befestigen. Wenn du das ganze mit Bolzen verschraubst, kannst es dann auch einfach abbauen.
    Am besten holst du dir stabile, schwere Stangen.
    So etwas hatte ich als Kind und es hat meine Kraft ausgehalten bis ich 10 wurde xD
    Mein Vater hat gerne Dinge selbst gebaut

  9. Meine Tochter ist nicht ganz einen Monat als dein Sohn. Kann fast alles so unterstreichen. Zu Anfangs die Hölle, mit Verlauf Stück für Stück besser. Gäbe noch so viel mehr Dinge, die ich hinzufügen könnte, aber dazu bin ich zu schreibfaul.

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