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Die Server von Video-Plattformen wie YouTube oder Netflix verbrauchen Unmengen an Strom. Dem wollen die Grünen jetzt einen Riegel vorschieben: Sie fordern strenge Regeln für ein nachhaltiges Internet. (Via)

Ich weiß, was wahrscheinlich jetzt Eure erste Reaktion ist – war sie bei mir auch. Allerdings wollen die Grünen (im Gegensatz zur CDU) nichts einschränken oder verbieten, es geht vielmehr darum, unsere Ressourcen besser zu nutzen und aufeinander abzustimmen.

Die Grünen fordern daher unter anderem, in Rechenzentren auf effiziente Wasser-Kühlungssysteme zu setzen und die Abwärme zu nutzen – für neue Einrichtungen soll die Wärmenutzung vorgeschrieben werden. Rohstoffe aus Elektrogeräten müssten verstärkt zurückgewonnen und wiederverwertet werden. (Via)

Ich finde diesen Wunsch total legitim – vor allem aufgrund der Voraussage, dass der Anteil der Digitalisierung am weltweiten Stromverbrauch bis 2030 auf 20 bis 50 Prozent ansteigen könnte. Man kann nicht auf der einen Seite für die Klimarettung/gegen den CO2-Ausstoß demonstrieren und auf der anderen Seite sagen, dass beim Internet und unserer täglichen Routinen „der Spaß“ aufhört.

„Die Digitalisierung braucht dringend einen ökologischen Ordnungsrahmen, sonst wird sie zum Klimakiller statt zum Klimaretter“, sagte Dieter Janecek, Grünen-Experte für digitale Wirtschaft. (Via)



22 KOMMENTARE

  1. Ich zweifle an der Machbarkeit des Vorschlages, die Abwärme sinnvoll zu nutzen. Der erste Punkt ist, dass Server es gar nicht mögen, bei muckeligen 80°C zu arbeiten (wer will das schon?), weshalb die Serverfarmen klimatisiert sind. Die einzige – theoretisch nutzbare – Wärmequelle wäre also die der Klimaanlage selber. Das führt und aber zum zweiten Punkt: Fernwärme benötigt weit höhere Temperaturen. Temperaturen, die sich aus Verbrennungsprozessen ergeben, ein paar hundert Grad am Ausgangspunkt, nur so kommt sinnvoll was beim Verbraucher an. Und so leistungsstark die Klimaanlagen auch sind, mit deren Abwärme kriegst du kein Ei hartgekocht. Bestenfalls kann man die Abluft direkt in die Büros oberhalb der Serverfarm reinblasen, aber mehr ist da nicht drin.

    Das Recycling von Elektrogeräten dagegen ist natürlich eine grundsätzlich sinnvolle Aussage, läuft aber konträr zum Thema „Netflix verbraucht zuviel Strom“: Recyclingprozesse verschlingen wiederum Energie. Das taugt also eher als Umweltthema, nicht aber als Klimathema. Zumal ich speziell Serverfarmen jetzt nicht so einschätze, als das dort geplante Obsoleszenz u. ä. die wichtigste Rolle spielt.

    Gute Gedanken, aber innerhalb der Naturgesetze wohl nicht zielführend.

  2. Was ist denn mit dem Energieverbrauch des linearen Fernsehens? Ich habe keine Ahnung wie Effizient diese Arbeiten, aber auch dort sind große Serverräume vorhanden, wenn dann gleiche pflichten für alle.

    • lineares TV ist kein Vergleich. Du hasst 1 kleinen Server im Studio an dem hängt die Regie. Von da geht das Signal an den Satelliten/ins Netz. Im Vergleich zu ner Serverfarm ist das sehr sehr wenig. Vor allem weil im TV ja über 1 Satelliten sehr sehr viele Programme laufen können bzw das Kabelnetz ja schon vorhanden ist.
      Was anderes sind die Mediatheken. Die kann man tatsächlich eher mit den Streaminganbietern vergleichen.

  3. Entscheidend ist doch wie der Strom erzeugt wird, der verbraucht wird. Strom einzusparen liegt ja im eigenen Interesse der Betreiber solcher Serverfarmen.
    Die Politik sollte sich endlich für mehr Nachhaltikgeit einsetzen und etwas gegen die geplante Obsoleszenz machen. Ich finde es einen Skandal, wenn z.B. Monitore so gebaut werden, dass sie nach 2 Jahren den Geist aufgeben. Selbst erlebt mit LG, die Kondensatoren so nah ans Netzteil gebaut hatten, obwohl das ohne Probleme anders ging. Kann man für ein paar Cent selbst reparieren, wenn man weiß wie, im Normalfall wird der Monitor aber weggeschmissen, weil einen der Händler auslacht, wenn man das Ding reparieren will.
    Einfache Lösung wäre fünf Jahre Garantie zu fordern, wenn ein Produkt in der EU verkauft wird. Außerdem sollte sich jeder an die eigene Nase fassen und überlegen, ob man z.B. wirklich alle 1-2 Jahre ein neues Handy braucht.

  4. Dabei müsste man dem Recycling keine Quote mehr vorschreiben…in Deutschland ist so eine Quote eigentlich sogar gesetzlich verankert. Allerdings wird da viel zu viel Schindluder damit getrieben und viel zu viel in die „thermische Verwertung“ gefahren. Ist auch eine Art, die legitim ist, aber leider nicht die höchstmögliche Entsorgungsmethode.
    Und die Behörden können es aufgrund ihrer knappen Personaldecke nicht mal richtig überwachen

  5. Bei einem Rechenzentrum betragen die Kosten für Strom weit über 50% der Gesamtkosten. Glaube kaum, dass man da nicht jetzt schon spart, wo man nur kann.

  6. Das finde ich einen guten Ansatz. Ich muss gestehen, die Grünen immer ein wenig als „Partei der Verbote“ zu betrachten, aber diesen Vorschlag finde ich schlichtweg gut.

  7. Ich war kurz davor wieder „blabla jaja die Grünen zu sagen“, aber die Abwärme von Rechenzentren nutzen ist akzeptabel und würde vielleicht sogar Kosten einsparen auf lange Sicht.

  8. Komme zwar nur sehr selten tiefer in die Details jedoch gibt es gerade für Rechenzentren doch meines Wissens nach schon Regelungen was Energie Effektivität angeht, die meist durch eine Nutzung der Abwärme erreicht werden. In Stockholm sind verschiedene Datacenters zb an das Fernwärme Netz der Stadt angeschlossen. Insgesamt kann so ein Datacenter alleine ~650+ Wohnungen mit Wärme versorgen, das schon eine unglaubliche menge hitze die dort abgeführt/gekühlt werden müssen.

      • Stimmt, weil Müllverbrennungsanlagen und Rechenzentren sind ja im Prinzip das gleiche, vor allem wenn sie mit solch geistreichen vergleichen gefüllt sind…

  9. Atomenergie ist die Zukunft ach wenn es in Deutschland in Ungnade gefallen ist.
    vor allem Schwellenländer setzen verstärkt auf Atomenergie bzw. arbeiten mit hochdruck dran oder kaufen die Technologie ein.
    Wasser, Wind, Solar usw. nur regional mehr oder gar nicht möglich bzw. nicht verlässlich.
    Atomenergie ist Tag und Nacht bei jedem wetter und überall auf der Welt abrufbar kein Co2 und braucht nicht viel platz…..klar gibt es Atommüll und die Technologie ist nicht Billig.
    Auch die kleine Greta Thunberg will ihr Smartphone aufladen und muss einsehen das die Energie nicht einfach so aus der Steckdose kommt.

    • Langfristig brauchen wir keine Kernkraftwerke. Mit den entsprechenden Speichertechnologien kann auch eine 100% regenerative Energieversorgung auf die gleiche Versorgungssicherheit wie eine konventionelle Energieversorgung gehoben werden.

    • „Klar, es gibt Atommüll.“
      Das Problem hast du doch schon erkannt, warum soll Atomenergie dann die Zukunft sein? Bei aktuell um die 400 Atomkraftwerken weltweit kommt es, im Schnitt, alle 25-30 Jahre zu einem Super-GAU wie in Tschernobyl oder Fukushima. Das wird sich kaum vermeiden lassen, entweder gibt`s mal wieder ein Erdbeben, oder jemand baut halt irgendwann Mist, so sind die Menschen. Oder um es mit Onkel Barlow zu sagen:

      „Antimaterie wäre mit Sicherheit eine total töffige Energiequelle, würde sie einen bei unsachgemäßer Verwendung, selbst in kleinen Mengen, nicht mit sämtlicher Biomasse im Umkreis von 100 Kilometern ins nächstbeste Paralleluniversum befördern.“

      Selbst wenn es keine größeren Unfälle in den nächsten Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten gibt, wohin mit dem Müll? Das Zeug hört ja nicht in ein paar Wochen auf zu strahlen, sondern frühestens in ein paar Millionen Jahren.

      Dein Seitenhieb gegen Greta Thunberg ist hier übrigens ziemlich unangebracht, das Mädchen hat sich schon desöfteren eher pro Atomkraft (zumindest als Übergangslösung) geäußert. An sich stimmt es auch, der Klimawandel ist ein dringlicheres Problem, als der Atommüll, aber mit zu viel Atomkraft züchten wir uns nur die nächste Krise heran, bzw. den Menschen in ein paar Generationen.

  10. Klingt nach einer sinnvollen Herangehensweise. Ähnlich wie bei Kraftwerken und industriellen Einrichtung könnte man einen Gesamtwirkungsgrad vorschreiben, der die Nutzung von Abwärme oder vielleicht das zur Verfügung stellen von temporär nicht genutzter Rechenleistung an Organisationen wie wissenschaftliche Einrichtungen. Die Rückgewinnung von Ressourcem ist ebenso längst überfällig und sollte vorangetrieben werden, bevor die Knappheit derer das über die frei Wirtschaft regeln würde.

  11. Bei solchen Vorhaben muss ich immer daran denken was Harald Welzer zu dem Thema gesagt hat.
    Seiner Meinung nach sei es eine Illusion, eine ständig weiter wachsende Wirtschaft und Konsum „klimagerecht“ zu machen, in dem man alles effizienter und grüner machen würde (Bspl. Smart-Home).
    Das sei seiner Meinung nach nur Gewissensberuhigung. Zu viele Rohstoffe würden trotzdem weiter verbraucht und dem Problem der Klimaerwärmung lasse sich damit nicht beikommen.
    Das einzige was wirklich helfen würde wäre Verzicht und ein „Weniger“, anstatt ein „effizienteres Mehr“.

    Er drückt das natürlich besser aus als ich das heir wiedergeben kann.

    Falls es euch interessiert, hier das Interview mit ihm mit Tilo Jung von Jung & Naiv:

    • Natürlich, grüner Kapitalismus hat immer noch den Wachstumszwang. Von daher kann dieses System nicht klimafreundlich sein, weil immer mehr produziert wird als verkauft werden kann.

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