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Welche Kreise zieht das Gerichtsurteil um Gerhard Zuber noch? Der hatte gegen 96 geklagt, es ging um die Kaltstellung als Sportlicher Leiter – und Geld. Das Urteil kam vergangenen Mittwoch, einen Tag vor Zubers Beförderung zum Interims-Sportdirektor: Der Vertrag des 96-Funktionärs gilt unbefristet, befand das Arbeitsgericht Hannover. Ein Urteil mit Signalwirkung für Sportliche Leiter und andere Profifußballmanager. (Via)

Falls Ihr gerade Bahnhof versteht und warum das Urteil dermaßen große Kreise zieht: Normalerweise war es bisher so, dass Funktionäre wie Manager und sportliche Leiter befristete Vertrage (ähnlich wie die Spieler) im Profi-Fußball erhalten haben. War man mit der Arbeit eines sportlichen Leiters beispielsweise nicht zufrieden, hat man ihn einfach entlassen und schlechtestenfalls bis zum Ende seines Vertrages bezahlt oder ihm eine angemessene Abfindung bezahlt. Durch dieses Urteil ist dies nun „Schnee von gestern“: Denn hier klagte Gerhard Zuber nach seinem vermeintlichen Rausruf bei Hannover 96 auf einen unbefristeten Vertrag bzw. eine wesentlich höhere Abfindung und bekam Recht. Hintergrund ist, dass sich anders als bei den Spielern die Leistung, die ein sportlicher Leiter erbringen kann, mit der Zeit nicht verschlechtert.



Vielen Bundesliga-Vereinen geht in dieser Sache gerade extrem die Düse, weil sie Angst haben, dass sie jetzt nicht mehr nach „Lust und Laune“ ihre sportlichen Leiter und Funktionäre rausschmeißen können. Spannend ist in diesem Zusammenhang auch, dass in den Medien kaum über diesen Fall berichtet wird. Komisch, oder?

Das Vereinsportal Vereinfacher.de hat den Fall in einem Youtube-Video sehr interessant analysiert:

Das ist übrigens das einzige Video, was ich zu dem Urteil gefunden habe…




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12 KOMMENTARE

  1. Es war schon in den Medien. Was es letztendlich bedeutet, wird sich erst zeigen. Was aber festzustellen ist, die Bundesliga wird dadurch wieder ein Stück weniger wettbewerbsfähig.

  2. puh… problematisch daran finde ich das es die handlungsfähigkeit und dynamik in den vereinen enorm einschränkt. für die vereine besteht jetzt das risiko das sie ewig einen sportlichen direktor an den backen kleben haben der einfach nichts taugt und den man dann niemehr los wird. die bundesliga ist nunmal kein normaler arbeitgeber. wer in diesem geschäft arbeiten will der sollte vorher wissen worauf er sich einlässt und eigene egoistische interessen ans ende, also insbesondere hinter das wohl des vereins stellen.

    alles in allem also eine schwierige sache… aber in summe finde ich die entscheidung von dem gericht falsch. ich weiss auch nicht ob das urteil rechtsfähig ist oder noch durch den bundesverfassungsgerichtshof gekippt werden wird.

  3. Ändert sich dadurch wirklich etwas? In der Wirtschaft werden hohe Manager doch auch regelmässig gefeuert, wird vielleicht etwas teurer, aber sonst dürfte sich doch dadurch nicht viel ändern.

    • Jep. Geht ja nur darum, dass das aktuelle Prozedere arbeitsrechtlich illegal ist. Auch hohe Manager haben Rechte und sollte Rechts- und Planungssicherheit haben, wenn sie eine Stelle antreten. Nicht dass ich jetzt besonders viel Mitleid für Multimillionäre hätte, aber Recht ist Recht.

  4. Das Urteil klingt schlüssig, allerdings auch die Analyse dahingehend, dass es wahrscheinlich letztlich nicht rechtskräftig wird.

    Dennoch, selbst wenn wir auf das Urteil aufbauen, dann dürfte es im Profibereich weniger Auswirkungen haben als im Amateurbereich. Denn bei den Profis sind langandauernde Engangements doch eher selten; im Vergleich dazu dürften die Abfindungen jetzt schon recht hoch sein.

    Rechnen wir mal nach Faustformel: Ein Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr Abfindung. Ich setze jetzt mal ein Bundeskanzlergehalt an: ca. 10.000 Euro/Monat. Selbst wenn ein Verein seinen sportlichen Leiter nach 10 Jahren rausschmeißt, reden wir also über eine Abfindung von maximal 100.000 Euro. Und ich behaupte einfach mal, dass das in den Kassen der Profivereine keine große Rolle spielt und überdies die Abfindungen schon jetzt in ähnlichen Größenordnungen liegen dürften.

    Also ein interessantes Urteil sicherlich, aber „erschüttern in seinen Grundfesten“ dürfte es den Sport so oder so nicht.

    • Edit: OK, habs nachgelesen, die Bundesangie bekommt ca. 30k Euro pro Monat, und wenn wir jetzt bei einem Angestellten noch das Brutto draufrechnen, wären wir bei ca. 45k.

      Und ich habe die Bedeutung des Kanzlers überschätzt: Die meisten Bundesligatrainer verdienen siebenstellig! (OK, der Tross im Hintergrund vermutlich nicht.). Dann kämen wir natürlich schnell in den Bereich von Millionenabfindungen. Wenn ein Trainer so 2,4 Millionen pro Jahr bekommt, also 200k/Monat, und nach 5 Jahren gefeuert wird, kommen wir tatsächlich auf die Million.

      Und dennoch: im Vergleich zum Gesamtetat eines Vereines ist das zu verkraften.

  5. Moin, Steve!

    Vermeintlicher Raus>ruf< ? @Topic: Arbeitsvertrag ist Arbeitsvertrag. Die lassen das dann einfach von Ihren Anwälten so in die nächsten Verträge reinschreiben, dass es dann doch wieder möglich ist. Nur bei den Aktuellen ist es ja "rechtskräftig".

    MfG

    • Nein. Ich hatte tatsächlich die Möglichkeit, mit dem Anwalt von Hannover kurz nach dem Urteil zu sprechen: Diese Rechtsprechung verbietet es, befristete Arbeitsverträge aufzusetzen, da diese nach geltendem Recht nur „mit Sachgrund“ abgeschlossen werden können und alle möglichen Sachgründe der Profivereine vom Gericht abgetan wurden. Anders wäre es halt nur, wenn zukünftig jemandem ein neuer, guter Sachgrund einfiele, aber in diesem Prozess haben sich Anwälte ja schon das Hirn zermatert und ihnen ist nichts eingefallen, was funktioniert. Mal schauen…

  6. Ausser unser Zeitung HAZ in Hannover hat sich da irgendwie keiner für interessiert. Und das auch nur weil die janeindoch Entlassung von Schlaudraff für Verwirrung sorgt.
    Martin Kind war mal ein richtig guter Chef. Langsam glaube ich der leidet an Altersstarsinn und Demenz^^

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