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Experten fordern seit Jahren, die Digitalisierung des Bildungssystems voranzutreiben. Nach den plötzlichen Schulschließungen zeigt sich deutlich der immense Nachholbedarf. Vier Lehrer berichten aus ihrem neuen, digitalen Alltag. (Via)

Guter Artikel bei T-Online.de. Darin wird die aktuelle Situation sehr gut eingefangen. Es wird aber auch deutlich, wie viel Berührungsängste Lehrer teilweise mit neuen Medien haben. Wenn ich das hier lese…

„Der reine Online-Unterricht kann immer nur eine Ergänzung dessen sein, was die Lehrer vor Ort in der Klasse leisten.“

In diesem Satz schwingt auch ne gehörige Portion Angst mit, denn die „Alleinherrscher im Klassenzimmer“ müssen sich nun auf neuem, teilweise unbekanntem Terrain zurechtfinden – in dem teilweise die Schüler sogar kompetenter sind als man selbst. Hätte die Politik hier nicht geschlafen, wäre dies schon lange passiert. Das Fach Medienkunden müsste schon seit Jahren fester Bestandteil des Unterrichts sein und die Lehrer hätten schon die entsprechenden Fortbildungen durchlaufen müssen.

Kommen wir nochmal zu dem Satz oben zurück: Corona ist nun mal kein Wunschkonzert. Selbst ich finde, dass „realer Unterricht“ natürlich eine komplett andere (bessere) Ebene zu den Schülern bietet. Allerdings kommt ein gute konzipierter Online-Unterricht mit durchdachter Software hier sehr nah ran. Man kann jetzt also immer wieder darauf hinweisen und rumheulen, wie viel besser „realer Unterricht“ ist, ODER man findet sich jetzt endlich mal mit den Fakten ab und versucht, das Beste aus der (Online)Situation zu machen.

Es wäre schon eine große Hilfe, wenn man endlich mal die dämliche DSGVO einschränken würde, damit wir Lehrer endlich wieder vernünftig arbeiten können und die entsprechende Videokonferenz-Software auch verwenden dürfen – wovon komischerweise nichts in dem Artikel steht…



17 KOMMENTARE

  1. Scheint noch eine Weile so zu bleiben.

    Der Präsident des Weltärzteverbands, Frank Ulrich Montgomery, geht davon aus, dass Schulen in einigen Regionen Deutschlands für den Rest des Jahres geschlossen bleiben. Demnach könnten erste Schulen ab Mai wieder öffnen.

    „Wenn sich die Zahlen weiter so entwickeln wie jetzt, sollten wir im Mai damit rechnen können, dass Schulen wieder aufmachen in Regionen, die nicht extrem belastet sind“, sagte der Ärztepräsident. Man müsse dann aber auch bereit sein, regional Schulen wieder zu schließen, wenn sich die Lage ändere. In Corona-Hotspots drohe eine Schließung bis Jahresende.

    AFP – AFP – Montag, 30. März 2020

  2. Man kann doch jetzt nicht die DSGVO einschränken oder dafür verantwortlich machen das der Unterricht nicht online funktioniert.

    Es gibt DSGVO konforme Systeme aber die hätte man VORHER implementieren müssen, jetzt zeigt sich halt einmal wieder wie Weit wir hierzulande der Digitalisierung hinterherhinken.
    Und das wissen wir auch nicht erst seid Corona.

    • Wieso „kann“ man die DSGVO nicht einschränken ?

      Österreich hat die DSGVO für den öffentlichen Dienst dort gar nicht eingeführt. Die gilt da nur für „Privatpersonen und Unternehmen“. Öffentliche Stellen sind dort nicht an die DSGVO gebunden, was auch absolut Sinn macht.

  3. Ich weiß jetzt nicht, was für Videokonferenzsoftware du verwenden willst, bei der die DSGVO eine Nutzung verhindert. Klar wenn man einfach Lösungen von irgendwelchen US-Konzernen nutzen will stellt die DSGVO ein Hindernis dar – und das zu RECHT!

    Kennst du schon jitsi? – https://jitsi.org

    Das ist eine quelloffene Software für Videokonferenz, Desktop/Screen Sharing und Chat. Betreiben lässt sich das sehr Datenschutzfreundlich auf einem eigenen Server. Die Einrichtung ist recht simpel. Der Zugriff der Nutzer erfolgt dann per Webbrowser, oder App.

    Es gibt auch viele Anbieter, die in der aktuellen Situation frei zugängliche jitsi Serverinstanzen „spenden“und man dort seinen Konferenzraum einrichtet. Hier muss man dann aber dem Anbieter vertrauen, dass er den Server Datenschutzkonform betreibt, daher ist ein eigener Server natürlich viel besser – keine Ahnung wie eure Schule da aufgestellt ist.

    Liste mit öffentlichen Instanzen:
    https://github.com/jitsi/jitsi-meet/wiki/Jitsi-Meet-Instances

    z.B. von der TU-Ilmenau:
    https://fem.tu-ilmenau.de/aktuelles/news/news-einzelansicht/news/sars-cov-2-kommunikationsdienste-der-fem/

    kleine Anleitungen:
    https://www.kuketz-blog.de/kurzanleitung-jitsi-meet-videokonferenz-per-browser-oder-app/
    https://www.golem.de/news/homeoffice-videokonferenzen-auf-eigenen-servern-mit-jitsi-meet-2003-147239.html

    auf youtube gitb es auch zig Tutorial Videos. Hier jedoch meist nur auf die Bedienung der vom Anbieter selbst bereitgestellen Serverinstanz.

  4. Ich bin gespannt ob man in manchen Bereichen aus der Corona Krise lernen wird und ob sich was ändern wird in so manchen verkalkten Köpfen. Aber ich befürchte nicht.

    Ich arbeite auch im öffentlichen Dienst und das Thema Homeoffice wurde bisher nur belächelt. Jetzt wünschen sich die oberen Etagen, dass es hier aktuell mehr Möglichkeiten geben würde. Ob sich was ändern wird ? Fraglich.

    Ansonsten würde ich per Gesetz alle (!) Unternehmen in Zukunft verpflichten eine Notreserve an Gehältern bereithalten zu müssen für solche Krisenzeiten. Mindestens zwei volle Monatsgehälter für jeden Angestellten müssen als Reserve bereitstehen und müssen bei einer Behörde hinterlegt werden. Diese Behörde zahlt die Gehälter im Falle einer Krise wie Corona dann aus, falls der jeweilige Betrieb temporär oder für immer schließen muss.

  5. Ich beschreibe jetzt einfach mal meine Situation im fünften Lehrerjahr:
    Ich sehe leider ganz schwarz, was die digitale Bildung und den digitalen Unterricht betrifft. Ich habe als junger Lehrer viele (vor allem junge, weibliche) Kolleg(inn)en kennen gelernt, die eine pure Abneigung gegenüber elektronischen Medien haben. Schon während meines Studiums gab (gibt?) es keine vernünftigen Kurse zu digitalen Unterrichtsmethoden und später im Referendariat hatte ich auch keine Seminar- oder Betreuungslehrer, die sich, anders als ich, gerne mit diesen Themen befasst hätten. Fazit: Abneigung trifft auf alteingessene Ignoranz und Inkompetenz.
    Folge: Im Notfall gibt es keine Möglichkeit zum digitalen Unterricht.

    • Problem ist ja auch wenn Grundschüler keinen PC oder hochwertiges Tablet besitzen und oder finanzschwache Familien komplett ohne vernünftige Technik im Haushalt leben.
      Selbst wenn die Möglichkeit von Schulen aus vorhanden wäre, wer bezahlt diesen Familien die Möglichkeit das auch in Anspruch zu nehmen? Wer fährt zu Ihnen nach Hause und richtet die Technik ein? Jetzt zu Corona wird das einfach nicht umsetzbar sein.

      Wenn dann muss jeder unterrichtet werden können und nicht nur die Familien die sich das leisten können und das technische Wissen dafür besitzen. Gerade jetzt wo viele Leiharbeiter, Freiberufler etc. die für ein paar Pfennig gearbeitet haben, nun einfach weggeworfen werden, wird das alles noch viel problematischer umzusetzen, auch für andere Angestellte die jetzt jeden Cent sparen müssen.

      Irgendwie scheint man ja davon auszugehen, dass jeder Grundschüler einen Top PC mit Festnetzanschluss im Haushalt stehen hat, dem ist aber nicht so.

      • Das sind genau die Ausflüchte und Ausreden, die ich auch von meinen Kollegen zu hören bekomme. Genauso scheitert Bildung daran, dass sich die „armen“ Eltern nicht mehr um die Schulsachen (Stifte, Hefte, Ordner, Mappen) ihrer Kinder kümmern „können“, weil ja kein Geld da ist: Kindergeld, anyone? Ahja, das muss ja total für Essen und Kleidung der Kleinen draufgehen. „Jeder bekommt jetzt einen Ordner voll mit Material den er machen und lernen muss und wir reden nach den Ferien darüber“ war bei uns die Konsequenz…

        • Stimmt die Eltern rennen zu den Tafeln „jetzt aktuell nicht mehr sollen sie schauen wie sie was bekommen“, weil sie so prächtig mit Kindergeld versorgt werden. Wer meint das Armut Ausreden sind, der ist Beamter „sorry Steve“ 😀 oder lebt in einer Traumwelt :/ Sorry aber Fakten mit dummen Ausreden zu titulieren ist einfach nur dumm und ein Schlag ins Gesicht für alle die schon ganz unten sind, wo einfach Geld und Wissen fehlt das alles umzusetzen und man statt Hilfe noch beleidigt wird.

  6. „…Schnell kamen erste praktische Probleme auf: Viele seiner 12- bis 13-jährigen Schüler hatten keine E-Mail-Adresse, das Kommunikationsmedium ist ihnen fremd….“
    Ich würde aber auch mal behaupten das es sicher ein paar gibt die die Situation ausnutzen und sagen das sie XYZ nicht haben, denn zwingen kann man sie ja nicht.

    Man sieht also das die Schulen bei uns in Deutschland noch in der Steinzeit leben.
    Bücher werden/müssen jedes Jahr gekauft werden für mehr hundert Euro anstand endlich auf moderne Technik umzusteigen. Mit einen Laptop/Tablet könnt man jetzt den Unterreich im gewissen Maße weiter machen.

    • Finde ich gar nicht so abwegig, ich habe/hatte auch Umgang mit vielen Grundschülern und dort waren eher Smartphones und Nintendo Konsolen angesagt. Einen PC Zugang hatte man wenn dann überhaupt über die Eltern und eine E-Mail braucht man einfach nicht, höchstens für die Ersteinrichtung, was ja dann eher die Eltern machen.

      • Öhm, seit wann kann man denn ein Smartphone ohne E-Mail betreiben?
        Apple und Playstore benötigen einen gültigen Account.

        Ich geb doch dafür nicht meine Adresse und damit meinen Account her.
        Eigene E-Mail, den Account als Kindaccount angelegt und schwupps,
        ich kann den Account resetten und und und.
        Finanzielle Apps kann ich einschränken oder nur auf Anfrage zulassen.

        Also dann sind wir wieder bei den technikabsenten Eltern.

        Davon ab, dass man mit Schulaccounts arbeiten kann.
        Also wirklich.

        Zu der Sache mit den Büchern…
        Mehrere hundert Euro?
        Welches Bundesland denn?
        NRW hat Lernmittelfreiheit, klar das sind absolute Krückenbücher,
        aber es gibt sie umsonst. Nur bei Zerstörung muss man zahlen.

        Bei den Lernapps hast Du viel schneller, dass Nutzungsgeld bezahlt werden muss.

        Dazu kommt: Haptik.
        Nichts gegen Internet und Softwaregestütztes Lernen.
        Aber bitte auch hier: Warum zur Hölle nicht beides?
        Mein Sohn liest sich lieber in einem echten Buch ein und macht dann die Online gestellten Arbeitsblätter (Die man oft ausdrucken muss, weil es keine ausfüllbaren Formulare sondern eben ARBEITSBLÄTTER sind.

        Schwierig ohne Drucker.

    • „Bücher werden/müssen jedes Jahr gekauft werden für mehr hundert Euro anstand endlich auf moderne Technik umzusteigen.“

      Stimmt nicht, gibt einige Bundesländer wo man dies nicht muss oder leihen kann und trotzdem haben viele Kinder keinen PC.

  7. Das Online Unterricht gut funktionieren kann zeigen doch die ganzen Wissens-Youtuber. Viele Schüler kommentieren unter den Videos, das sie das angesprochene Thema endlich verstanden haben. Egal ob offline oder online – manchen Lehrern fehlt einfach jede pädagogische Kompetenz.

    Meine Schwester ärgert sich gerade richtig über die Wahl ihres Wohnortes. Sie hat sich ein Haus in so einem 50 Einwohner Dorf gekauft. Hat sie vor 6 Jahren für ne super Idee gehalten. Auf meinen Hinweis, dass sie da kein brauchbares Internet haben wird, meinte sie nur, dass ihre Kinder dann nicht solche Internet-Junkies wie ich werden und das fände sie gut. Nun können die Kinder nicht einmal Youtube Videos anschauen, weil deren Leitung da so schlecht ist.

    • Ist ne super Idee seine Kinder vom wichtigsten Medium der Welt fernhalten zu wollen. Ist doch Heute fast völlig egal in welchem Bereich man arbeitet, wenn man erfolgreich sein will, dann muss man einfach kompetent im Umgang mit einem PC und dem Internet sein.

    • ist aber mehr ein Armutszeugnis der Deutschen Telekom und der Regierung. das es anders geht zeigt Schweden … die schaffen es ohne große Probleme auch Ländliche gebiete mit Glasfaser zu versorgen. dazu haben die 99,6% LTE/4G Abdeckung im gesamten Land.
      dabei ist Schweden größer als Deutschland und hat weniger Einwohner.

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