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Community-Mitglied Thies schrieb mir folgenden Leserbrief:

„Als ein Mensch, der seit seiner Pubertät an einer sozialen Phobie leidet war das Einkaufen in einem Supermarkt oft eine Qual. Mein persönlicher Schutzraum ist im Vergleich zu anderen Menschen um ein vielfaches größer. Da ich mir keinen Therapiehund, der darauf trainiert wäre Mitmenschen auf Abstand zu halten, leisten kann war meine einzige Waffe gegen audringliche Menschen in der Supermarkt Warteschlange der Einkaufswagen, mit dem ich mich wenigstens in eine Richtung absichern kann.

Erfreut habe ich nun festgestellt, dass mein lokaler Netto alle Kunden zur Benutzung eines Einkaufswagens verpflichtet. Meine Waffe zum Abstand halten müssen nun alle benutzen und ich habe in der Supermakt Schlange endlich vor UND hinter mir genügend Abstand zu den Menschen. Die vergangene Woche aufgeklebten Abstandsmarkierungen waren schon was tolles, aber die Pflicht zur Benutzung eines Einkaufswagen ist noch viel besser.

Ein kleiner Teil von mir – der idiotische angstgetriebene Teil, nicht der vernünftige – wünscht sich, dass die Corona Krise nie aufhört. Menschen halten endlich ausreichend Abstand und ich fühle mich in der Öffentlichkeit wieder frei und nicht mehr bedrängt. Ich hoffe, dass wir vielleicht ein bisschen davon auch in der Zeit nach Corona bewahren können – sei es für mich oder eben für die nächste Influenza Saison.“



Wenn wenigstens alle Abstand halten würden. Ich selbst habe beim Einkaufen immer wieder Menschen, die sich nicht daran halten und teilweise aufdringlich nah an mich herankommen. Ob das eine Form von Trotz ist oder ob sie nur vor sich hinträumen, kann ich nicht sagen. Es nervt mich aktuell allerdings sehr.

Wie ist das bei/für Euch in der gegenwärtigen Zeit?

15 KOMMENTARE

  1. Bei uns hier in Wuppertal muss man mittlerweile sogar wenn man als Paar einkaufen geht 2 Einkaufswagen mit rein nehmen, aber die beste Innovation ist es, dass nur 40 Menschen gleichzeitig in den REWE Markt rein dürfen, so entspannt wie gestern habe ich noch nie an einem Samstag eingekauft, dass kann gerne nach der Pandemie so bleiben.

  2. Wahrscheinlich mache ich mich jetzt unbeliebt, aber warum macht der/die Betroffene nichts gegen die soziale Phobie, anstatt sich zu freuen, dass die eigene Sicherheitszone jetzt gesellschaftlicher Standard ist?

    Ich habe selbst Erfahrungen mit Angststörungen, aber so etwas lässt sich, mit professioneller Hilfe, in den meisten Fällen recht gut überwinden.

    Ich persönlich kann der Situation beim Einkaufen zurzeit relativ wenig positives abgewinnen. Alles dauert länger, sobald man sich mal lauter räuspert oder schnieft, wird man angesehen, als wäre man Hitler und wehe, man kauft zurzeit mal eine Packung Klopapier. Ich hab in den letzten Wochen schon mehrmals gesehen, wie Kunden wegen so einer Packung von anderen Einkäufern regelrecht zur Sau gemacht wurden, a la „wegen Leuten wie dir geht die Gesellschaft unter“ oder „von Corona kriegt man Husten und keine Scheißerei“.

    Umgekehrt werden Kassierer/innen dumm angemacht, wenn grade mal was leer ist. Außerdem gibt es ja jetzt die Überlegung einer Mundschutzpflicht, aber wo die Dinger herkommen sollen, weiß auch kein Mensch. Also unter „befreiend“ verstehe ich was anderes.

    • Wo in dem Text steht, dass der Betroffene nichts gegen die soziale Phobie unternimmt? Da ich der Betroffene bin, kann ich Dir versichern, dass ich durchaus etwas gegen meine soziale Phobie unternehme. Ich bin seit viele Jahren in professioneller Behandlung und schlucke jeden Tag vier Tabletten. Wobei ich beispielsweise auf Benzos und andere süchtigmachende Medikamente verzichte.
      Das Problem mit psychischen Erkrankungen ist, dass man von seiner eigenen Erkrankung nicht auf die Erkrankung anderer Menschen schleißen kann. Was Dir geholfen hat, muss anderen nicht unbedingt helfen.

  3. Zustimmung, aber Hass auf die Wagenpflicht. Nehme mir immer einen Beutel zum Einkaufen mit oder nutze gern die Körbe, darf ich jetzt beides nicht. Muss mit dem großen Wagen da durch, überall stehen Wagen rum weil Leute den abstellen um irgendwo was zu holen, dann kommt man da mit Wagen kaum vorbei, lustige Slalomlauferei, doof.
    Abstandmarkierungen an den Kassen z.B. finde ich aus den selben Gründen wie der Briefschreiber toll, können wir gern dauerhaft beibehalten.

  4. Ich könnte schwören unser Aldi hält absichtlich die Hartweizen Nudeln zurück, damit man zu den Schwäbischen Eiernudeln greift!

    Skandalös… 21 Tage keine Nudeln, das ich nicht lache!

  5. Richtig schlimm wie alle denken man kann sich jetzt ewig Zeit lassen beim aussuchen der Produkte da ja eh niemand zu nah kommt.
    Mir ist das egal, ich gehe hin und nehme was ich brauche. Und das obwohl ich Risiko Patient bin. Habe einfach keine Geduld für diese ganze Scheiße. Gestern is eine Frau fast rennend vor mir weg xD dann hatte ich endlich Platz für meine auswahl.

    Verstehe das nicht. Dann sollen die nicht einfach mehrere Minuten vor dem selben Regal stellen. Wenn man sich nicht entscheiden kann. Kann man später nochmal wieder zurück.

    Am schlimmsten sind eh die älteren Mitbürger die haben das alles nicht so ganz verstanden..

  6. Vielleicht würde vielen ein bisschen weniger Panik gut tun. Du stirbst nicht weil dir einer im Supermarkt mal 10 sek zu nah gekommen ist.
    Natürlich sollte man Rücksicht nehmen und versuchen einen Abstand zuhalten, ist aber im Supermarkt einfach oft nicht möglich und ich warte nicht 10 min bis sich jemand dann für ein Produkt im Regal entschieden hat, sondern gehe hin und nehme das was ich haben will raus.

    Mir geht aber vorallem diese Omnipräsenz des Themas auf den Sack. Egal was man macht es gibt nur ein einziges Thema.

  7. In Thüringen ist das alles auch schon per Erlass geregt.
    https://www.tmasgff.de/fileadmin/user_upload/Gesundheit/Dateien/COVID-19/20200323_Erlass_Handel_Ergaenzung_Hygiene.pdf

    Ich selber acht schon darauf das ich den Abstand nach „vorne“ einhalte aber wenn mir einer zu nah kommt ist mir das egal und wenn Sie mir im Weg stehen, laufe ich auch vorbei egal was für ein Abstand da noch ist und das kommt sehr oft vor. Viele Gänge haben nicht mal 2 Meter. Ich selber gehe auch noch nach wie vor alle 2 bis 3 Tage einkaufen, kein block auf altes Gemüse oder Obst. Außerdem liegt die Chance hier gerade mal bei 0,06% (1.200 von 2.000.000) das einer mit SARS-CoV-2 rumläuft und nach Virologen sollen es ja mal 60% bis 70% bekommen also noch lange kein Grund zur Panik. 🤔

  8. Mir gehts es ähnlich wie Thies, aber es reicht schon, wenn Menschen präsent sind – gerade Männer – um mich wahnsinnig zu machen. Dementsprechend ist Einkaufen für mich eher schlimmer geworden, da ich mich jetzt länger in einem Supermarkt aufhalten muss als sonst und sogar weniger bekomme, da entweder gehamstert wird oder die Lieferungen verzögert sind.

  9. Wir Schwaben sind ja sehr korrekte Leute, und deshalb habe ich beim Einkaufen mit oder ohne Einkaufswagen noch keinerlei Probleme erlebt. Die Läden haben alle ihre 2-Meter-Markierungen auf den Boden geklebt, und im Edeka steht sogar ein „Platzanweiser“ von der Security, der die Leute in die verschiedenen Kassenschlangen schickt. Gemeckert hat noch keiner, am leeren Klopapierregal hat ein Kunde mal einen Verkäufer gefragt, wann wieder eine Lieferung käme. Antwort: Wissen wir leider nicht, Kunde akzeptiert die Antwort. Also alles ganz friedlich.

    Ich werde aber bei nächster Gelegenheit Kylannas Ausführungen aufgreifen und aus der Quengelware an der Kasse was für den/die Kassiererin aufs Band legen. Gute Idee! Diese Leute haben das momentan doppelt und dreifach verdient.

  10. Keine Ahnung kaufe immer im Aldi ein, dort gibt es zum Glück keine Einkaufswagen Pflicht, so kann man auch seitlich mehr Abstand halten und muss sich nicht mit dem Wagen durch enge Gänge quetschen, jeder hält sich an die 1,5 Meter Abstand an der Kasse, Klopapier, Mehl, Hefe gibt es hier seit zwei Wochen unbegrenzt und keiner ist aggressiv, eher im Gegenteil.

    • p.s. Auch bei den zwei kleinen Bäckereien in denen ich einkaufe, maximal 1-2 Leute sind im Laden, der Rest steht in passenden Abständen neben der Eingangstüre und das ganz ohne Aufforderung, oder Gedränge.

      Ich frag mich ob das am Bundesland liegt, oder an der Uhrzeit, an der Verfügbarket von Klopapier, keine Ahnung. Vor Corona waren die Leute beim einkaufen eher aufdringlicher als heute. Ich hoffe das die Leute nach Corona auch noch so rücksichtsvoll sind und nicht wieder ins alte Muster zurück fallen.

  11. Also ich Arbeite als Marktleitung, ich kann nur sagen die Leute halten sich nur seit der Einkaufswagen Pflicht an den Abstand, und dann auch nur nach vorne und hinten ,was links und rechts geschieht kümmert sie nicht, generell sind die Kunden sehr unfreundlich und angespannt/geladen, klar gibt es auch wie wenige Ausnahmen , die dir eine Packung Mon Cherie da lassen und sich bedanken das wir hier sind, aber diese bestätigen nur die Regel, vorallem bei momentan nicht lieferbaren waren wie Hefe/Klopapier/Dosengerichten, ist die Aggression auf leere Regale sehr hoch, könnte stundenlang Stories dazu erzählen was die letzten Wochen passiert ist, vielleicht ist es ja was für deinen Podcast 😂😂

    • Naja gerade zu den seiten ist das bei den Gang Größen ein Problem.
      Auch kann ich nicht verstehen warum in vielen Läden noch die Oster Aufsteller rum stehen bei Manchen Edeka Märkten stellen die den halben Kassenbereich zu. Die Nachfrage dürfte gering sein und das Risiko sehr hoch . Da müssen Lindt und Co halt einfach in den Sauren Apfel beißen und aus diesen Zonen verbannt werden trotz Verträge.

    • arbeite ebenfalls an der kasse in berlin. viele verstehen es, aber es gibt auch sehr viele die einfach drauf scheißen. rentner die freitags zur besten zeit alle einkaufen kommen. natürlich auch zu zweit, anstatt getrennt einkaufen zu gehen. und dann beschweren sie sich noch, warum sie denn jetzt 2 wagen mitnehmen sollen. jugendliche sind genau so ignorant wie die rentner. da kommen teilweise gruppen von 4-5 leuten einkaufen und die benehmen sich noch schlimmer als vorher.

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