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Eine kalifornische Stadt San Francisco hat eine umstrittene Statue von Christopher Kolumbus an einem Aussichtspunkt der US-Westküstenmetropole entfernen lassen […] Das 1957 aufgestellte Denkmal war in den vergangenen Jahren immer wieder Zielscheibe von Protesten und Vandalismus geworden […] Historiker und Bürgerrechtler kritisieren den genuesischen Seefahrer aber für sein gewalttätiges Verhalten gegenüber den Ureinwohnern Amerikas. (Via)

Jo, macht total Sinn rückwirkend dieselben (fast schon albernen) Maßstäbe wie heute anzulegen. Schließlich waren die Menschen im Jahr 1492 genauso aufgeklärt wie heute. Was ist eigentlich mit den ganzen US-Präsidenten? Da findet man doch sicher auch noch die ein oder andere „Leiche im Keller“. Vielleicht kann man da dann direkt Gesichter ausm Mount Rushmore kloppen?



31 KOMMENTARE

  1. Oder wie wäre es mal damit einem Präsidenten welcher 7 Länder, ohne Zustimmung der UN, NATO oder sonst irgendwem, angegriffen hat den Friedensnobelpreis abzunehmen? (Obama)

  2. Wenn du denkst, du lebst in so einem fortschrittlichem Land, dann bedenke: Erst seit 1977 dürfen Frauen in Deutschland ohne Einwilligung ihres Ehemanns eine Arbeit annehmen.

    Wenn du denkst, du lebst in so einem fortschrittlichem Land, dann bedenke: Die Strafbarkeit der Homosexualität bei Männern wurde erst im Juni 1994 abgeschafft.

  3. Ich persönlich finde ja, dass Kolumbus sowieso zu Unrecht glorifiziert wird. Soweit ich weiß gilt es als wissenschaftlicher erwiesen, dass die Wikinger Amerika entdeckt haben und Kolumbus höchstens ein Wiederentdecker ist.

    Ansonsten denke ich schon, dass man historische Persönlichkeiten auch im Kontext ihrer Zeit betrachten muss.

    Man kann über die Bedeutung Kolumbus bezüglich der Entdeckung Amerikas streiten, aber für diese zivilisatorisch bedeutende Leistung wird er verehrt. Da kann man seine Statuen auch schon stehen lassen, obwohl er die amerikanischen Ureinwohner abgeschlachtet hat. Das war leider der europäische Zeitgeist. Anders sieht das meiner Meinung nach bei Cortez aus, den ich tatsächlich nur als Völkerschlächter ohne sonst eine besondere Leistung in Erinnerung habe. So einem Menschen muss man keine Statue widmen.

    Nehmen wir George Washington. Auch Washington war ein Sklavenhalter. Er wird aber nicht dafür verehrt, dass er Sklaven gehalten hat, sondern weil er die USA in die Unabhängigkeit geführt hat. Die Sklavenhalterei entsprach dem Zeitgeist. Von daher finde ich die Statuen für ihn nicht verwerflich.

    Kommen wir nun auf die Statuen für diese ganzen Konföderations-Generäle und Politiker. Zu dem Zeitpunkt des amerikanischen Bürgerkriegs war Sklaverei schon in vielen Teilen der Welt verpöhnt. Im damaligen Zeitgeist waren diese Menschen schon Personen die anderen Menschen Unrecht tun. Von daher ist es legitim, dass man diese Statuen abbaut, denn das sind Verehrungen von eindeutigen Tätern im Kontext eines kriegerischen Widerstands zum erhalt eines Unrechtssystems.
    Die Konföderierten Generäle kann man im Grunde gleichsetzen mit den Whrmachts Generälen. Ich glaube in Deutschland stehen keine Statuen für Wehrmachts Generäle, die für ein Unrechtssystem gekämpft haben.

    Wenn eine Person für eine „gute“ Leistung steht und seine „schlechte“ Leistung dem Zeitgeist entsprach, so sind Statuen schon in Ordnung. Steht eine Person ausschließlich für „schlechte“ Leistungen oder widersprachen diese bereits dem Zeitgeist, so sollte man die abbauen.

  4. Die Statue steht dort ja nun mal aus einem völlig anderen Grund, ohne den Herren würde es Amerika wie wir es kennen, heute gar nicht geben!

    Monumente die an Geschichtliche Ereignisse erinnern, zu zerstören, ist nicht besser als Bücher zu verbrennen oder was der IS abgezogen hat.

    Die Welt war damals eine Komplett andere und diese nach heutigen Maßstäben zu beurteilen ist einfach absurd.

  5. Das Thema gibts schon 1-2 Jährchen. Google hat damit begonnen, Suchresultate zu zensieren und manipulieren. Infos und Bilder zu Statuen, der Zeit der Sklaverei uvm. wird immer schwerer zu finden.
    So geht man doch verantwortungsvoll und respektvoll mit seiner Geschichte um, oder?

  6. Kolumbus ging derart brutal vor, dass es sogar den sonst nicht zimperlichen Königen und der Kirche zuviel wurde und sie ihn zurückpfiffen. Wir reden hier nicht von kleinen Scharmützeln. Kolumbus hat Hunderttausende auf dem gewissen. Tote durch eingeschleppte Krankheiten mitgerechnet wahrscheinlich sogar Millionen. Irgendwann setzte Die Verklärung seiner taten ein und es gab Filme, Statuen, Bücher, Lieder.
    Die Ureinwohner Amerikas protestieren verständlicherweise dauerhaft gegen seine Statuen und vor allem den Feiertag Columbus Day

    • Hunderttausende? Das würde nicht mal nach mystifizierten Zahlen stimmen, vermutlich hätte er bei den Zahlen die kompletten Ureinwohner Amerikas ausgelöscht… und eingeschleppte Krankheiten?
      Die Leute wussten damals vermutlich nicht einmal was Bakterien/Viren sind!
      Dein Kommentar passt ziemlich gut zu dem was Stevinho angesprochen hat…

  7. Es macht absolut keinen Sinn, heutige Maßstäbe in die Vergangenheit zu legen (es macht btw auch keinen Sinn, vergangene Maßstäbe an heute anzulegen, aber anderes Thema).
    Jede(!) historische Figur hat „Leichen im Keller“, die wir heute als abscheulich ansehen würden. Platon etwa, ein Mann, über den man gerne sagt „die europäische Philosophie sind die Fußnoten zu Platon“ war der Meinung, man sollte Leprakranke nicht verbannen, sondern direkt töten, weil sie unrein sind.
    Natürlich war Kolumbus ein Massenmörder. Natürlich beging Deutschland unter Bismarck einen Völkermord. Aber trotzdem ist Kolumbus der Entdecker Amerikas und Bismarck der Vater unserer Nation. Was wir ehren sind die Leistungen, nicht die „Schatten“, die zu ihrer Zeit gar keine Schatten waren. Ich glaube es war Thomas Moorus, der in seinen Schriften die Rechtfertigung lieferte: Die Völker Amerikas (und Afrikas) nutzten das ihnen von Gott gegebene Land ja gar nicht „richtig“. Durch eine Art Naturrecht war es damit für die Europäer freigegeben.
    Gaius Julius Caesar beschrieb in seinen Schriften, wie viele hunderttausende Gallier er abgeschlachtet hat. Heute wissen wir, dass er übertrieben hat, um seinem Publikum zu gefallen. Man stelle sich das mal vor: Ein Präsident oder General in der heutigen Zeit würde nicht nur ein besiegtes Volk abmurksen, sondern sogar noch die Opferzahlen übertreiben. Völlig undenkbar. Aber so war der Geist der Zeit im alten Rom.

    Long story short: Es gibt sicher Denkmäler, über deren Abriss man nachdenken kann. Dann nämlich, wenn man sich nicht mehr mit der entsprechenden Person identifizieren bzw. dessen historische Leistung nicht mehr „passt“. Um ein eindeutiges Beispiel zu nehmen, ich denke mal, niemand würde sich groß darüber beschweren, eine Hitler-Statue abzureißen.
    Aber Bismarck? Kolumbus. Nope, noch heute relevant, noch heute bedeutend. Das man über ihre Schattenseiten trotzdem sprechen kann (und soll) wird dabei ja nicht verboten, im Gegenteil. Gerade in Deutschland findet ja, wenn auch hinter den Kulissen, ein aktiver Dialog mit verschiedenen afrikanischen Staaten statt, wie man eine Wiedergutmachung für die Gräueltaten der Kolonialzeit leisten kann.

    • Ich weiß nicht, ob ich etwas übersehe, wenn ja, bitte verbessere mich. ^^“

      Aber meinst du mit „unter Bismarck“ den Völkermord an den Herero und Nama?
      Denn der fand 14 Jahre nach dem Ende Bismarcks politischer Karriere und 6 Jahre nach seinem Tod statt.

      • Ich hab es jetzt aufgegriffen, weil wohl das Bismarck-Denkmal diese Woche rot beschmiert wurde, in Anlehnung an den Völkermord. Bismarck kann man dabei wohl „anlasten“, dass er die Kolonialisierung gestartet hat, wenn auch vermutlich gegen seine politische Überzeugung.

    • Ist halt die Frage, wo man da die Grenzen zieht. Hitler-Statuen muss man tatsächlich nicht diskutieren.
      Allerdings haben ja manche historische Personen – auch im Kontext ihrer Zeit – deutlich mehr „Leichen im Keller“ als andere. Columbus hat sicher als Entdecker einiges geleistet, er hat aber halt auch Hunderttausende getötet. Das war auch für damalige Maßstäbe nicht normal. Wenn jemand wie zB George Washington Sklavenhalter war, dann ist das der Zeit geschuldet, denn das war unter wohlhabenden weißen Amerikanern mehr oder weniger normal. Völkermord ist aber in der Geschichte nie ein Ereignis gewesen, das „halt dazugehört hat“ sondern war immer ein einschneidendes, unnormales Ereignis.

      • Gut, in den USA ist es natürlich so, dass Columbus (und andere dieser Art) schwierig ist, weil das abgeschlachtete Volk ja in Teilen immer noch vorhanden ist. Im Endeffekt verherrlicht man einen Massenmördern „an Amerikanern“ (wenn ich das mal so anachronistisch sagen darf).
        Die Gräueltaten der frühen Kolonalisten waren sicherlich außergewöhnlich und wurden auch der in der Zeit nicht überall gefeiert, im Gegenteil. Fragt sich nur, ob man es als „ungewöhnlich“ bezeichnen kann, denn für die Europäer war ein solcher Kontakt noch relativ neu. Es gab also noch keine Handhabe, wie man mit diesen Völkern, denen man sich so eindeutig überlegen gesehen hat, umgehen sollte.

  8. Statuen von genozidalen Ärschen wie Columbus muss man nun wirklich nicht stehen lassen. Weg mit dem Rotz.

    Und wenn du schon über Mount Rushmore redest: Das war ein narzisstisches Projekt auf dem illegal von Ureinwohnern Amerikas gestohlenen Land, dass nie beendet wurde. Kann auch gerne weg.

  9. Gerade folgenden, mMn passenden Kommentar bei der FAZ gelesen:
    Denkmäler zu zerstören oder zu beschädigen steht politisch und intellektuell auf dem gleichen Niveau wie Bücher zu verbrennen. Ändert nichts aber offenbart die eigene (totalitäre) Gesinnung.

    • Hängt vielleicht ein bisschen von der abgebildeten Person ab. Es wurde immer wieder in den Verzeichnissen kleinerer Gemeinden entdeckt, dass Adolf Hitler noch immer als Ehrenbürger aufgeführt war, Jahrzehnte nach dem Krieg. Den Namen zu streichen hat auch nichts „geändert“, war das deshalb totalitär?
      Es ist doch wieder genau das Gleiche wie die Argumentation um den Sicherheitsabstand bei den BLM-Demos. Menschen, die sich kein bisschen für irgendwelche Corona-Richtlinien interessierten, haben plötzlich fehlenden Abstand und Masken auf den BLM-Demos kritisiert, nur um die Diskussion um das eigentliche Thema nicht führen zu müssen.
      Alternativ könnten die Amerikaner ja mal ihre eigene Geschichte aufarbeiten. Bis heute ist die Kolonialisierung Nordamerikas, bei der über 70 Prozent der Ureinwohner starben, nicht als Völkermord anerkannt. Aber hey, regen wir uns lieber darüber auf, dass ein paar Statuen abgebaut werden.

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