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Deutscher Mainstream und der Rassismus: „Otto – Der Film“ ist bis heute der erfolgreichste deutschsprachige Film aller Zeiten. Schaut man sich die Komödie aus dem Jahr 1985 noch einmal an, wird der Klamauk von einst zu einem verstörenden Erlebnis. Weil darin rassistische Klischees verbreitet werden. (Via)

Alles muss überarbeitet werden, dringend. Wichtig ist auch, dass alle rückwirkend verurteilt werden – von Christoph Kolumbus bis hin zu Otto. Wie können es diese Rassisten nur wagen, damals nicht nach denselben (albernen) Moralvorstellungen wie heute gehandelt zu haben? Daher ist es total wichtig, dass wir alle Filme, Serien und Musikstücke einzeln untersuchen, überarbeiten und die entsprechenden Menschen zu Verantwortung ziehen. Dreckiges Rassisten-Pack, die kriegen wir alle…

Jetzt, da über die US-Serie „Friends“ genauso wie über die BBC-Hits „Fawlty Towers“ und „Little Britain“ und die darin verbreiteten Vorurteile diskutiert wird, sollte auch Otto einer Revision unterzogen werden. Es ist Zeit für eine Auseinandersetzung mit Otto und dem Rassismus! (Via)

Ja, vor allem „Little Britain“ eine Comedy/Satire-Serie muss dringend überarbeitet und zensiert werden. Irgendwo hört Satire schließlich auch mal auf – wo genau legen übrigens „die Linken“ bzw. die TAZ fest. „Bullenschweine auf die Mülldeponie“ geht natürlich absolut klar und unterliegt der Pressefreiheit, aber Gesellschaftskritik in Satire-Form (auch gegen Rassismus) ist geschmacklos und gehört verboten. Und nun an die Arbeit: Es darf kein Stein auf dem anderen bleiben.

Ich bin dann auch weg: Ich muss ein Shirt meines kleinen Sohnes im Garten verbrennen. Da sind weiße Anker drauf abgebildet. Ich wiederhole: WEIßE PRIVILEGIERTE ANKER. Das mache ich nicht mit: Ich starte jetzt erstmal nen Shitstorm auf Twitter gegen den Hersteller. Sowas geht heutzutage einfach gar nicht mehr…



35 KOMMENTARE

  1. Wann wird Schach endlich überarbeitet? Geht ja garnicht, dass man auch noch SpPass hat am Kampf von Schwarz gegen Weiss. Und ratet mal, welchte Tasten in der Minderheit sind auf dem Klavier. Also neben FIlmen bitte auch Spiele und Instrumente überarbeiten. „Wer suchet, der findet.“

  2. Ist doch toll. Nächste Woche werden dann alle angeblich rassistischen und sexistischen Bücher verbrannt. Auch als wichtiges Zeichen für den „Kampf gegen Rechts“. Zu diesem besonderen Anlass haut die taz dann noch einen „satirischen“ Artikel gegen weiße, männliche Polizisten raus und wir sind dem großen Regenbogen ein Stück näher. Ich bin voller Vorfreude 🙂

  3. Also langsam frage ich mich was mit dieser Welt gerade los ist. Zur Zeit drehen doch alle gerade ab.
    Ich liebe Otto und seine Filme. Bin mit dem seinen Filmen aufgewachsen.
    Das macht mich traurig wenn die den Film überarbeiten. Was kommt dann als nächstes. Ach ja vielleicht darf man dann keine Zigeunersoße mehr sagen. Ist ja nicht politisch korrekt.

  4. „Alles muss überarbeitet werden, dringend. Wichtig ist auch, dass alle rückwirkend verurteilt werden – von Christoph Kolumbus bis hin zu Otto. Wie können es diese Rassisten nur wagen, damals nicht nach denselben (albernen) Moralvorstellungen wie heute gehandelt zu haben?“

    Kulturgut einer Zeit ist immer auch ein Zeugnis seiner Zeit. Im Nachgang Werke zu überarbeiten, finde ich an manchen Stellen wichtig und passend, zumindest dann, wenn sie noch relevant sind. Beispielsweise: Dem Vater von Pippi Langstrumpf den Titel Südseekönig zu geben, finde ich absolut gerechtfertigt. Ändert nichts an der Story und passt tatsächlich auch besser. Bei Huckleberry Finn das N-Wort zu streichen, finde ich viel schwieriger, da es an der Stelle eben ein Zeitzeugnis darüber ist, wie Menschen miteinander umgegangen sind.

    Alle Werke, die nach aktuellen Stand nicht mehr politisch korrekt sind, zu überarbeiten, ist halt albern, spätestens beim Punkt Sexismus hätten wir da echt viel zu tun. Aber man sollte sich zumindest kritisch damit auseinandersetzen. Jemanden wie Kolumbus oder Luther sollte man nicht blind abfeiern, sondern mindestens auch die Aspekte betrachten, die nicht ganz so geil waren. Und das kann man ja auch immernoch unter Wertschätzung des Werks.

    Was ich nicht verstehe, ist die Butthurtness bei dem Thema. Gesellschaft ist im Wandel und manche Dinge aus der Vergangenheit sollte man aufarbeiten, besprechen, kritisieren, ändern. Durch bspw. einen Hinweis auf der Zeit geschuldete Wort-und Witzwahl würde hier ja niemandem etwas wegnehmen.
    Farun schrieb es ja auch sehr schön:
    „Eine Auseinandersetzung != Forderung nach Zensur. Ich find da (trotz meines Hasses für die Firma) die Vorgehensweise von Disney ganz okay. Einfach an den Anfang des Filmes nen kurzen Disclaimer reinhauen, dass dieser halt aus einer anderen Zeit stammt und dementsprechend in Teilen ggf. Werte vertritt, die heute so nicht mehr akzeptabel sind.“

    „Da sind weiße Anker drauf abgebildet. Ich wiederhole: WEIßE PRIVILEGIERTE ANKER.“ Dieser Umgang mit dem Thema ist halt auch Banane.

  5. Die Szene ist aus heutiger Sicht grob geschmacklos. Aber sie zeigt, wie jung diese Entwicklung eigentlich erst ist und sie gewährt Eindruck, wie stark sich das Bewusstsein bereits verändert hat und ist somit ein Zeitzeuge für die deutsche Gesellschaftsentwicklung. Die Filme und kulturellen Werke im nachhinein zu bearbeiten ist für mich ein Armutszeugnis an Selbstreflektion und Konfrontation mit dem Thema.
    Nach dem Motto könnten wir auch sagen: „Schreiben wir doch die Geschichtsbücher um und leugnen den Holocaust!“ Grober Unfug!

  6. Das Überhöhen des eigenen Zeitgeists als die einzig echte Wahrheit war schon immer ein Merkmal geistig besonders beschränkter Naturen.

  7. Wenn man keine anderen Probleme hat, dann sucht man sich welche. Ich erinnere an Charlie Hebdo, die sich massiv über dem Islam lustig gemacht haben und nach dem Anschlag in Paris sich alle auf die Seite von Charlie Hebdo gestellt haben.
    Nach der heutigen Zeit, müssten alle Autoren der Zeitschrift als krasse Rassisten von der Gesellschaft ausgeschlossen werden.

  8. Ich fand Izzys (?) Ausführung dazu im Podcast ganz treffend bezüglich deines hypothetischen „it’s ok to be white“ -Shirts.

    Wenn man selbst zu der privilegierten Mehrheit gehört, ist es halt nicht an einem zu entscheiden, ob sich die Minderheit dadurch diskriminiert fühlt. Das „its ok to be white“ shirt, ist dann halt wirklich nur um andere Leute abzufucken.

    Natürlich ist es quatsch, an den Film heutige Maßstäbe anzusetzen. Mir fällt auf Anhieb auch keine rassistische Szene ein („schwarze augen, schwarze ohren schwarze füß“ zähl ich mal nicht mit 😉 ). Das sie little britain rassismus vorwerfen kann ich nicht ernst nehmen. Was kommt als nächstes? Man würde Transmänner diskriminieren, weil man sich in einem wiederkehrenden Charakter über sie lustig macht? Thats the f*cking joke.

    Ich weiß nicht, ob sich mancher noch an das I dont want to live on this planet anymore-meme erinnert, aber jedes mal wenn ich solche Nachrichten lese, kommt’s mir wieder in den Sinn.

  9. Das was da veranstaltet wird, das rückwirkende Stigmatisieren von Personen und Werken, ist einfach nur albern. Wenn man das ernsthaft durchzieht wird man bei >90% aller Menschen irgendetwas finden, was heute als sexistisch, rassistisch o.ä. eingestuft wird. Und was will man dann machen? Alle aus der Geschichte tilgen? Das waren halt andere Zeiten. Da gabs SJW noch nicht.

    Dieses Verhalten ist übrigens auch mit ein Grund, wieso Vorratsdatenspeicherungen, gläserne Bürger usw. gefährlich sind. Stell dir vor dein Arbeitgeber wüsste, was du vor 20-30 Jahren in Game Chats oder so von dir gegebenen hast. Damals vielleicht lustig, heute sexistisch, homophob oder sonstwas und vielleicht Kündigungsgrund

    Verjährt sowas nicht einfach irgendwann? Kann man nicht sagen „ja gut, das ist 30 Jahre her, lassen wir das ruhen“? Wieso muss da jetzt drauf rumgetrampelt werden? „SJW, ey…“

  10. Habe diesen Artikel auch schon mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen.
    So was kommt halt zustande, wenn sich weiße Menschen gerne solidarisieren wollen, aber nicht so recht wissen, wie das geht. Einen Film von 1985 wegen einer einzelnen Sequenz (deren Rassismus noch dazu aus meiner Sicht sehr fragwürdig ist) zu kritisieren, halte ich für weder sinnvoll noch hilfreich. Wer sich die Sequenz selbst ansehen möchte, hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=M-57y72vq6U

    Aus meiner Sicht geht der Witz hier eindeutig auf Kosten der bürgerlichen Hausfrau und nicht des Schwarzen. Wenn man den Film mit seinem Kind schaut, sollten die entstehenden Probleme mit der Aussage: „Man soll schwarze Menschen nicht „Neger“ nennen, aber das war vielen damals nicht so klar!“ gelöst sein. Alles weitere halte ich für eine Überreaktion.

  11. Ich befürworte durchaus, dass in neuen Filmen und Serien Minderheiten präsenter und positiver präsentiert werden. Bei alten Filmen und Serien hingegen finde ich ein Disclaimer am Anfang vollkommen ausreichend.

    Ehrlich gesagt kann ich mich Null an den Otto-Film erinnern. Den habe ich als Kind geguckt und dann nie wieder. Heute entspricht Otto eh nicht mehr meinem Niveau.

    Es passt zwar nicht direkt zum Thema, aber ich möchte gerne darauf hinweisen, dass wir in der deutschen Popkultur durchaus auch sehr alte positive antirassistische Beiträge haben. Als Bad Segeberger möchte ich einfach darauf hinweisen, dass es in Deutschland schon seit zig Jahrzehnten ein positives Bild der amerikanischen Ureinwohner gibt. Während in den USA die amerikanischen Ureinwohner auch vom Rassismus betroffen sind, so werden diese von vielen Deutschen sogar verehrt. Karl May mit seinem Winnetou sei dank!

  12. Natürlich macht es Sinn sich auch mit Kunst & Kultur der näheren Vergangenheit in Bezug auf damalige (rassistische) Denkweise auseinanderzusetzen. Weshalb du jetzt polemisch wirst verstehe ich aber nicht. Wo wird gesagt, dass Otto Rassist sei?
    Auch Verbote finde ich schwachsinnig (auch wenn z.B. viele Filme/Games verboten wurden/sind). Aber eine Diskussion sollte man schon führen dürfen ohne dass gleich die SJW Verurteilung rausgeholt wird.

    Persönlich sehe ich das so:
    Bei der Diskussion um „Vom Winde verweht“ gut, dass da vielleicht vor dem Film eine Einführung gezeigt wird, dass dieser Film Werte einer vergangenen Zeit widerspiegelt, die heutzutage inakzeptabel sind.
    Beim Otto Film, weicher ganz klar Klamauk ist finde ich die Diskussion übertrieben.

  13. Dein SOHN???? trägt T-Shirts? Findest du nicht er sollte sein Geschlecht selbst wählen und wenn er mag Kleider tragen? Sexistisch Steve!

  14. Eine Auseinandersetzung != Forderung nach Zensur. Ich find da (trotz meines Hasses für die Firma) die Vorgehensweise von Disney ganz okay. Einfach an den Anfang des Filmes nen kurzen Disclaimer reinhauen, dass dieser halt aus einer anderen Zeit stammt und dementsprechend in Teilen ggf. Werte vertritt, die heute so nicht mehr akzeptabel sind.

    • Aber wozu? Jeder sollte doch clever genug sein den Kontext zu verstehen bzw. hat die entsprechend Zeit selbst erlebt.

      • Selbst erlebt trifft nur auf Leute zu, die auch früh genug geboren wurden. Das werden prinzipbedingt im Laufe der Zeit aber immer weniger.

        Aber so ein Werk könnte junge Menschen vielleicht auch einfach mal darauf bringen zu frage wie so etwas sein kann bzw. konnte. Sich also mal aktiv damit zu beschäftigen wie es früher war und warum und wie der aktuelle Zustand zustande gekommen ist.

        Ok, da muss ich selber lachen. Wird nicht passieren (außer vielleicht bei einer nicht signifikanten Minderheit).

  15. Hatten wir sowas nicht schonmal, mit entarteter Kunst und Literatur.
    Korrektheit aus den Augen des Betrachters. Schwachsinn.
    Auch eine Art der Zensur an der künstlerischen Freiheit.

    • Man kann diese Art des Umgangs mit Kunst auch scheiße finden, ohne gleich den Nazivergleich rauszuholen. Dieser ist bei so was völlig unangebracht.

    • Jedesmal wenn ich morgens durch Coburg laufe und das Wappen sehe frage ich mich wann da wohl ein Shitstorm umher zieht und da ist er ja !

  16. Wir kürzen einfach alles zusammen, bis es ins Weltbild passt.
    Genauso wie die Nazis in Iron Sky. Da wurde aus „der Diktator“ mit Mr. Chaolin ja auch ein wunderschöner Kurzfilm… xD

  17. Vermisse bissle die alte Zeit wo solche Werke als das gesehen wurden was sie auch sein wollen, Komödien in denen halt bissle mit Klischees gespielt wird und wo nicht jeder Furz solange umgedreht wird damit man was hat wo man sich wieder drüber echauffieren kann.

    Und klar Rassismus ist scheiße, aber in jedem kleinen Stück was nicht 100% Politisch korrekt ist sofort Rassismus zu sehen und die Keule rauszuholen ist auch scheiße und zieht dieses ernste Thema leicht ins lächerliche.

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