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Riot Games sucht weiter nach neuen Geldgebern für die großen League of Legends Ligen und ist zumindest in der LEC fündig geworden. Ab kommender Woche soll das Logo von NEOM die Sponsorentafel neben KitKat (Nestle), Kia und Alienware zieren. Aber was ist NEOM? (Via)

Das war die Ausgangslage. Problem ist: „NEOM ist ein Projekt der Saudi-Arabischen Regierung mit dem Ziel eine zukunftssichere Stadt für über eine Million Menschen zu bauen. Unter der Schirmherrschaft von Kronprinz Mohammed bin Salman soll NEOM entlang der nördlichen Küste zum roten Meer entstehen und eine Fläche in der Größe von Belgien einnehmen.“

Abgesehen davon, dass man mit dem Projekt den Huwaitat-Stamm vertreibt, hat es Saudi-Arabien immer noch nicht so mit den Menschenrechten und im Land steht auch immer noch Homosexualität unter Strafe (und wird von den Behörden verfolgt). Daher war der Shitstorm gegen die Partnerschaft mit NEOM und Kronprinz Mohammed bin Salman extrem groß.

Riot und LEC ruderten aufgrund des großen Drucks zurück und haben die Partnerschaft mittlerweile beendet…

„Als ein Unternehmen und als eine Liga wissen wir, dass es wichtig ist einzusehen, wenn wir Fehler machen und dass wir sie schnell korrigieren.“, sagt Alberto Guerrero, Director of Esports, EMEA bei Riot Games. „Nach weiterer Überprüfung, während wir uns weiterhin unseren Spielern und Fans auf der ganzen Welt verschreiben, auch jenen in Saudi-Arabien und im mittleren Osten, haben wir die Partnerschaft mit NEOM quasi sofort wieder beendet.“ (Via)

Ich frage mich bei sowas immer: Wieso merken die nicht vorher, dass das evtl. nicht die allerbeste Idee ist? Wieso bedarf es erst eines riesigen Shitstorms, bevor hier die entsprechenden Lehren gezogen werden?



11 KOMMENTARE

  1. Na okay, wenn man einfach mal den Kronprinzen von Saudiarabien, der Botschafter in Britischen Botschaften zerstückelt, als Sponsor hat. Lesen sich daneben Namen wie Nestle ja schon fast angenehm.

    Zielt man auf so eine Relativierung ab? 😂

  2. du vergisst immer, dass je größer die unternehmen werden, es keinen mehr gibr, der den gesamtüberblick hat… der typ, der den deal an land gezogen hat, feier ohne ende, weil es war vermutlich seine zielsetzung, die meiste kohle ran zu schaffen. und dessen chef hat im schön auf die schulter geklopft. gesamtentscheidungsträger gibt es da dann oft nicht mehr.

  3. Das macht doch auch positive Publicity wenn man sich so einsichtig zeigt und sofort dem Willen-der-Fans-mäßig handelt.

  4. „[…] Wieso merken die nicht vorher, dass das evtl. nicht die allerbeste Idee ist? Wieso bedarf es erst eines riesigen Shitstorms, bevor hier die entsprechenden Lehren gezogen werden?“

    Vielleicht werden ja schon 99% der Deals nicht eingegangen, weil es eben zu fragwürdig ist. Nur bekommt man das eben nicht mit.

  5. Manche Deals werden auch einfach entgegen der möglichen Konsequenzen eingefädelt und dass das hier so einige verwundert, verwundert mich umso mehr 😀
    Jeder Konzern versucht an die Grenzen zu gehen und abzustecken, was geht und was nicht. Die eigentliche Frage ist doch, wieso ist der Konsument so nachgiebig bzw so vergesslich, wenn er einmal mit Widerspruch Erfolg hatte? Eine Entschuldigung ohne echte Konsequenzen und es ist heile Welt.

  6. Die Partnerschaft ist natürlich moralisch höchst fragwürdig und klingt nach dem feuchten Traum irgendwelcher BWLer die nur die Zahlen sehen. Keine Ahnung warum bei solchen Dingen dann keiner drüber schaut der die PR Auswirkungen einschätzen kann.

    Was ich aber an diesem Fall bemerkenswert finde ist die Reaktion, also nicht nur Seiten Riots sondern vor allem die Reaktion innerhalb der LEC. Da haben direkt Mitarbeiter gesagt so machen wir nicht weiter und Teams haben wohl angedeutet dagegen vorgehen zu wollen. Und das hat Wirkung gezeigt, Riot hat die Partnerschaft beendet.
    Man stelle sich das mal in anderen Sportarten wie im Fußball vor, das wäre absolut undenkbar. Da ist es mittlerweile einfach akzeptiert das Vereine Investoren aus Staaten mit fragwürdiger Menschenrechtslage gehören, man trägt stolz Konzerne wie Wiesenhof auf der Brust und die WM geht auch schonmal nach Qatar.

  7. „Wir reden immerhin über das Land, das im Fußball Bibiana Steinhaus mit einem schwarzen Balken wegzensiert bzw. die Bilder so schneidet, dass sie nicht zu sehen ist.“

    Ich weiß nicht, ob ich jetzt lachen oder weinen soll…

  8. Riot ist, und war schon immer, Meilenweit von einer moralischen Firma entfernt. Angefangen davon, dass Riot seit 2015 Tencent und damit der Chinesischen Regierung gehört bis hin zu den immer wieder auftretenden internen Problemen mit Mitarbeitern und der wohl eher toxischen Kultur im Unternehmen.

    Mich überrascht es eher mehr das Riot einen Rückzieher gemacht hat und das manche immer noch denken das Riot einen Funken „Indie Spirit“ hat.

  9. Als Addition:
    Der Druck war nicht nur innerhalb der Community groß, sondern auch das ganze „on camera“-Team der LEC hat sich öffentlich schockiert und entsetzt gezeigt. Bei einigen (wie z.B. Sjokz) klang es durchaus aus, als würden zumindest die Freelancer darüber nachdenken, ob sie noch weiter für die LEC arbeiten wollen. Ebenso scheint es, dass auch einige der Teams (wie z.B. G2) sich gegen die Partnerschaft ausgesprochen haben und aktiv dagegen vorgehen wollten.
    Ich wüsste aber wirklich gerne, wer das für eine gute Idee hielt – und ob dieser Jemand noch lange bei der LEC arbeiten wird. Klingt wie die Art von Partnerschaft, die ein BWL-Masterstudent abschließt, weil die reinen Zahlen so toll klingen.

    Faszinierend auch die Reaktionen auf Twitter: Zwar waren fast alle grundsätzlich damit einverstanden, aber es gab selbst bei so einer klaren Geschichte noch Leute, die was von „hypersensiblen Zeiten“ und „cancel culture“ gefaselt haben. Viele waren der Meinung, dass man Riot dafür nicht verzeihen dürfte. Und andere kamen natürlich direkt mit „so, jetzt noch China loswerden“ um die Ecke – wie auch immer Riot Games sich von seinem eigenen Mutterkonzern lossagen soll.
    Ein bisschen klang auch das „gut, dann halt nicht nach Saudi-Arabien expandieren“ an, aber jetzt mal ehrlich: Selbst wenn die LEC nach SA übertragen wird bzw. da prominent aufgegriffen wird, müsste sie eh zensiert werden. Wir reden immerhin über das Land, das im Fußball Bibiana Steinhaus mit einem schwarzen Balken wegzensiert bzw. die Bilder so schneidet, dass sie nicht zu sehen ist.

      • Oh shoot…kann sein, dass ich das verwechselt habe. Auch wenn es mich ehrlich gesagt irritieren würde, wenn eine Frau so „leicht bekleidet“ im saudi-arabischen Fernsehen herumlaufen dürfte

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