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Der Ausschluss von Frauen vom zentralen städtischen Kulturevent des Ausfischens des Stadtbachs durch den Memminger Fischertagsverein ist unzulässig und kann nicht mit „männlicher Tradition“ gerechtfertigt werden. (Via)

Unfassbar! Das ist ein Kulturevent in Memmingen, an dem 20.000-30.000 Leute teilnehmen. Höhepunkt des Events ist ein Wettangeln, dessen Sieger zum Fischerkönig gekürt wird. Bisher durften dabei keine Frauen teilnehmen – mit der Begründung, dass dies eine „männliche Tradition“ sei. Jetzt hat eine Dame geklagt und vor Gericht gewonnen. Die Frage ist hier wohl eher, wie es der Verein geschafft hat, eine dermaßen steinzeitliche Regelung so lange aufrecht zu erhalten…



12 KOMMENTARE

  1. Nach all den wilden Ereignissen der vergangenen Monate dürfen jetzt auch noch die Frauen angeln?
    Es wird immer schlimmer, sag ich Euch!

  2. Ich frage mich immer, was man in einem Verein möchte, in dem man offensichtlich nicht gewollt ist. Man tritt den meisten Vereinen ja bei, weil man die Gesellschaft der Leute dort schätzt und eine gemeinsame Aktivität/Ziel hat. Wenn man sich einklagen muss ist das wohl nicht gegeben.

    Zu Balle, ich verstehe nicht warum man einem Schützenverein seine Gemeinnützigkeit absprechen möchte, nur weil er Frauen nicht zulässt. Trotzdem kann ein Verein gemeinnützige Aktionen und Veranstaltungen organisieren. Ohne Schützenvereine würde in vielen ländlichen Gebieten das Dorfleben absterben. Auch Schützenvereine leisten Jugendarbeit etc.

    Schluss endlich, ist ein Männergesangverein nicht Gemeinnützig? Oder auch ein Frauenchor?
    Muss man immer teil von allem sein?

    • Es gibt halt keinen wirkliche Grund, waurm Schützenvereine eine reine Männerangelegenheit sein sollten. Anders als Chöre oder Sportmannschaften, wo es ja durchaus gewisse Geschlechterqualitäten und -unterschiede gibt, ist Schießen nunmal etwas, was beide Seiten können.
      Mal davon ab, dass „wir wollen keine Frauen“ ja nur die Spitze des Eisbergs ist. Vor ein paar Jahren war es noch „wir wollen keine Moslems“ und „wir wollen keine Homosexuellen“. Und das ist einfach eine Art von Ausgrenzung, die in unserem Land nichts zu suchen hat.

      • Nunja, man könnte jetzt entgegen setzen, aus Tradition, sind im Schützenverein nur Männer zugelassen, halte ich persönlich auch für ein schwaches Argument, weil Frauen nunmal unterdrückt wurden, in der Zeit, in der Schützenvereine entstanden sind.

        Zum Argument, wir wollen keine Moslems muss man allerdings sagen, dass Schützenvereine sehr stark mit der Kirche verbunden sind. Das beginnt mit der Weihe der Fahne durch die Kirche, dem 3. Schuss auf den Vogel der Traditionell(zumindest bei uns) dem geistlichen Zusteht, und dem Sonntags Gottesdienst zum Schützenfest.
        Bei Homosexuellen, muss man dann wieder zwischen der katholischen Kirche und den tatsächlichen Gläubigen unterscheiden. Mich persönlich und in unserem Verein würde das keinen stören,aber wenn man natürlich streng kathlisch ist, sieht das wieder anders aus.

        Mmn, ist der Schützenverein nunmal ein männlicher Verein, es gibt auch rein weibliche Kegelclubs etc. pp. Jedem steht es frei seinen eigenen Verein zu gründen wenn er es mag. Ich sehe es nicht als diskriminierend an, wenn Frauen unserem Schützenverein nicht beitreten können.

        Ich verstehe nicht, warum man Männer und Frauen unbedingt gleich machen möchte. Das sind sie schlicht einfach nicht. Es gibt genauso Frauendorfgemeinschaften, in denen Männer nicht erwünscht sind, der Schützenverein ist das männliche pendant dazu.

        Um nochmal die Chöre aufzugreifen, es gibt sicherlich Frauen die einen Bass genauso singen können wie ein Mann, wie es auch Männer gibt, die sehr hohe Tönen erreichen, also kein wirkliches Ausschluss kriterium für einen Chor.

        • Gerade weil Schützenvereine eine kulturelle Bedeutung haben, müssten sie jedem offenstehen. Es ist schon was anderes, ob man der Verein ist, dessen Fest jedes Jahr das „Highlight des Dorfes“ ist, oder ob sich die sechs älteren Damen von der Müllerstraße einmal die Woche im Klub zum Kegeln treffen.
          Ebenso erinnere ich mich ganz gut an einen Fall in NRW, wo ein besagter Moslem als „100% integriert“ galt, der Typ war praktisch unreligiös und wollte einfach nur gerne in der Dorfgemeinschaft vorankommen. Will gerade nicht die Hand dafür ins Feuer legen, aber ich meine sogar das Ding war, dass er tatsächlich Mitglied im Verein war, man ihn aber nicht zum Schützenkönig ernennen wollte , weil das „halt nicht geht als Moslem“. Und das ist dann vllt. sogar fast noch beleidigender, als ihn erst gar nicht aufnehmen.

          Das schale Argument mit dem „warum will man Männer und Frauen unbedingt gleichmachen?“ zieht hier auch nicht, wenn eine Frau (oder ein Moslem) nunmal gerne dabei sein würde. Ist ja nicht so, als gäbe es eine Schützenköniginnen-Quote, weil irgendeinem Politiker langweilig ist.

  3. Ohne Spaß. Hab deine Twitter Verlinkung gelesen und war 1000% sicher, dass du nen postillion Artikel verlinkst. Das das aber echt bis jetzt so war schockiert.

  4. Als jemand der in Memmingen geboren wurde und schon oft auf dem Fischertag war, kann ich dir sagen, dass die Veranstaltung mit Angeln nicht sonderlich viel zu tun hat.
    Entscheidung des Gerichts ist dennoch richtig. Einen faden Beigeschmack hat das ganze jedoch. Die Dame die geklagt hat, ist Mitglied bei PETA und da Ihre Klage zum Tierschutz abgewiesen wurde, versucht sie es nun eben mit Gleichberechtigung, einfach nur um die Memminger zu nerven. Dass sonderlich viele Frauen an der Veranstaltung teilnehmen wage ich zu bezweifeln, sinnvoll ist es natürlich trotzdem, dass diese Möglichkeit nun gegeben wurde.

  5. Das war kürzlich auch Thema im Podcast „Lage der Nation“.. theoretisch könnte der Verein wohl noch höhere Instanzen anrufen, aber man hofft, dass das Urteil akzeptiert wird und man sich nicht weiterhin auf alte Traditionen beruft.

    Ansonsten kam der Vorschlag, dass die Frauen am Veranstaltungstag flussaufwärts einen großes Netz auswerfen sollten, damit die Männer nix fangen können 😀 😀

  6. Schützenvereine wehren sich ja mitunter auch heftigst dagegen, Frauen zuzulassen (nicht alle, aber einige). Gleichzeitig werden sie aber pampig, wenn darüber gesprochen wird, ihnen deswegen die Gemeinnützigkeit zu entziehen…

    • Auf der anderen Seite gibts da so einen Karnevalsverein mit großen Hütten, Sonntagsgebimmel und alten Männern in schwarzen Röcken, der so manche geschlechtsdiskriminierende Tradition seit 2000 Jahren aufrechterhält und für den der Staat auch heute noch die Mitgliedsbeiträge einzieht.

      Meine Theorie ist folgende: Angeln ist eine entspannende Tätigkeit. Angler können sich stundenlang anschweigen und die Stille genießen. Was bleibt davon übrig, wenn man neben zwei Anglerinnen sitzt, die sich stundenlang anschnattern?! Das Verbot von Frauen ist keine Diskriminierung, sondern Notwehr gegen den drohenden Hörsturz!

      Also Ironie beiseite: Für eine geschlechtsbezogene Ungleichbehandlung braucht man heute schon verdammt gute und plausible Gründe. Und der Angelclub hatte wohl keine!

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