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Warum der Fall der Brodowin-Grundschule exemplarisch ist für die Datenschutzprobleme unserer Schulen. (Via)

Super interessanter Fall, der perfekt verdeutlicht, wie Bildung in dieser Zeit abläuft: Die Behörden und Politiker lassen die Schulen und uns Lehrer komplett allein. Es gibt keine klaren Regeln, es gibt keine Konzepte, es gibt quasi gar nichts – genauso wie schon im Frühjahr. Und dann versucht man als Schule das Beste draus zu machen, erarbeitet Lösungen und Konzepte. Und wenn es dumm läuft, kriegt man am Ende dafür noch einen auf den Deckel. Also was machen manche Schulen? Sie beschränken sich auf analoge Lösungen, weil sie keinen Bock auf den Stress haben. Und ich verstehe das.

So auch an der Brodowin-Grundschule in Berlin. Berlin hat eine eigene digitale Lernplattform, die aber totaler Mist sein soll (liest man überall). Es gibt sogar Gerüchte, dass die Datenschutzbeauftragte des Landes Berlin (Maja Smoltczyk) die Nutzung des „Lernraums Berlin“ nicht empfiehlt. Also dachte sich die Brodowin-Grundschule, dass man einfach eigene Lösungen erarbeitet: Man stieg auf „Padlet“ und „Teams“ um. Und trotz der Tatsache, dass man von allen Eltern eine Einverständniserklärung einholte, gab es am Ende mal wieder den einen Vater, der sich beschwert hat (er wolle nicht, dass die Daten seines Kindes in den USA bei der NSA landen). „Die Daten“ vor allem: Man verwendet hier ausschließlich die Vornamen der Schüler und „die Daten“ sind halt Aufgaben, die man zusammen digital erarbeitet. Aber ja, so ein „Arschloch-Elternteil“ gibt es leider immer – ich spreche hier aus Erfahrung.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Vater beschwerte sich bei der Datenschutzbeauftragten der Landes Berlin und die Schule bekam eine „Verwarnung“. Darauf tat die Schulleiterin Doreen Eccarius das einzig Richtige und trat in einen Digitalstreik, um so endlich mal klare Vorgaben des Landes Berlin zu erzwingen. Solche klaren Vorgaben gibt es in diesen Tagen nämlich einfach nicht.

Am Ende sind es leider die Schüler/Eltern der Brodowin-Grundschule, die die Sache ausbaden müssen, denn diese werden jetzt nur noch mit Arbeitsblättern versorgt, die sie in der Schule abholen müssen. Ich hoffe sehr, dass man sich bei dem „Arschloch-Vater“ zahlreich bedankt hat.

Seit März stehen wir Lehrer mit diesem Problem alleine da. Den gesamten Sommer über wurde gefühlt ABSOLUT NICHTS getan. Und ich bin mir sicher, dass auch nach der zweiten Welle weiter „Däumchen gedreht“ und darauf spekuliert wird, dass Corona ja bald eh vorbei ist und digitale Lösungen für das Problem nicht erarbeitet werden müssen.

Uns Lehrern sind hier leider (als Beamte) leider die Hände gebunden. Wir werden immer nur vor vollendete Tatsachen gestellt und müssen „die Suppe auslöffeln“. Also hört bitte damit auf, uns Lehrer zu verteufeln und uns für die aktuelle Misere die Schuld zu geben. Die Schuldigen sitzen hier meist ein bis zwei Etagen höher. Vielleicht organisiert Ihr Euch einfach mal und klopft „weiter oben“ an?



12 KOMMENTARE

  1. Solche Eltern sind das absolut letzte…blocken die Bildung der gesamten Klasse weil sie keinen Plan haben um was es überhaupt geht.

    Das sind die gleichen Etlern die bei Elternabenden wen die Lehrer etwas für die Klasse vorschlägt sofort sagen : Also mein Kind braucht dies nicht das is eh schon viel besser als die anderen Kinder….einfach erbärmlich.

  2. Mal schauen, wann die ersten „die Politik macht doch alles richtig“ Kommentare kommen. Gabs ja unter den anderen News zu Corona genug….

  3. Hi Steve,

    meine Winterferien haben jetzt dann auch begonnen. Bis gestern wusste noch keiner wieviele und ob überhaupt Schüler kommen und so hab ich jetzt halt schon Ferien.
    Der Vorteil oder auch Nachteil (das kann man sehen wie man will) ist das ich kein Beamter bin, ich bin sozusagen Freiberufler (als Sozialpädagoge) von den Schulen bzw. Kommunen eingekauft wird wenn zum Beispiel Engstellen zu besetzen sind. Mittlerweile hat es sich eingependelt das ich 2 Feste Schulen habe mit einmal 10 Wochenstunden (Hauptschule im Brennpunkt) und einmal 6 Wochenstunden (Realschule). Da ich gegen den Staat demonstrieren Darf habe ich das mit meinen Schülern auch ausgenutzt.

    Der Initiator war ein Schüler der 7. Klasse der zu mir meinte das er das nicht verstehe mit den Corona Regeln und alles doch total unlogisch sei. Das ganze ging dann natürlich die Runde durch die Schule. Ich habe auch erklärt das wir Lehrkräfte oder gar die Schulleitung absolut nichts dafür kann und auch wirklich das beste versuchen was man daraus machen kann.

    Im Endeffekt haben die Schüler und ich überlegt wie man dem ganzen Unmut kundtun kann. Und wir haben beschlossen das jeder Schüler der mitmachen will einfach die Social Media Accounts unserer Minister (NRW) zu sparen. Also hat jeder Schüler jeden Tag eine kurze und knappe Nachricht geschrieben mit dem einfach Wortlaut „Ich bin xxx und gehe in die x Klasse der xxx Schule und wir verstehen die Corona Regelung nicht und die Digitalisierung funktioniert nicht“ Also jeder Schüler hat es in seinem eigenen Wortlaut formuliert.

    Wir wissen nicht ob es was bringt und ich glaube mal nicht aber die Schüler hatten zumindest 2 Wochen lang ein Gefühl das Sie sich auskotzen konnten.

    Ich selber hab schon an 2 Demonstrationen vorm Landtag in Düsseldorf mitgemacht und werde immer Stellvertretend für meine Kollegen dort hingeschickt 🙂

    Ich kann mittlerweile auch vieles nicht mehr verstehen und ich habe einen Riesen Respekt vor jedem der in der Schulleitung sitzt, denn tauschen möchte ich in der momentanen Situation nicht mit denen. (jaja Arschloch-Eltern)

    Und ich stimme dir voll und ganz zu das sich gefühlt seit dem ersten Lockdown im März absolut garnichts geändert hat bzw. etwas in Bewegung gesetzt worden ist was das Bildungssystem betrifft.

    Da ich mich im Unterricht gegen viele Regeln hinweggesetzt habe bin ich froh das ich nicht verbeamtet worden bin. Ich habe zum Beispiel eigenmächtig meinen Unterricht Teildigitalisiert damit die Schüler die in Quarantäne waren dennoch an meinem Unterricht Teilnehmen konnten. Was man auch gemerkt hat da die Klassenarbeiten in meinen Fächern weiterhin einen relativ gleichen Schnitt hatten wie beim vollen Präsenz Unterricht.

    André aka Tomatenwurst

  4. Moment, der sog. „Arschloch-Vater“ hat zuerst seine Einverständniserklärung abgegeben und die Schule danach trotzdem angeschwärzt? Okay, das ist schon ein bisschen krank. Da kann ich die Aufregung durchaus nachvollziehen.

    Unabhängig von dem aktuellen Fall ist es natürlich trotzdem schwierig. Und allein der Umstand, dass die entsprechenden zuständigen Behörden dabei versagen eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen ist das aber keine Rechtfertigung dafür stattdessen auf eine offensichtlicht nicht rechtskonform nutzbare Datenkranke wie MS Office 365 (wovon Teams ja ein Bestandteil ist) auszuweichen (siehe auch https://www.heise.de/news/Datenschuetzer-sehen-Microsoft-365-in-Behoerden-als-nicht-rechtskonform-an-4893604.html). Da wäre dann ein kompletter Protest wie es hier passiert der korrekte Weg.

    Es ist ja nicht so als gäbe es nicht gute und datenschutzkonforme Lösungen. Das erfordert aber eben entsprechende Infrastruktur und auch administratives Personal, was sich darum kümmert. Beides Dinge, die man problemlos innerhalb des letzten Jahres hätte regeln können. Wenn das nicht passiert ist sollte relativ offensichtlich sein, an welcher Stelle hier auf kompletter Linie versagt wurde.

    • Große Millionen Unternehmen nutzen Teams, aber klar der digitale Unterricht von Fränzchen ist natürlich voller extrem geheimer Daten ….. Welche ach so unglaublich wichtigen geheimen Daten sind den da so gefährlich ?!? Man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen….

  5. Eigentlich müsste man in so einem Fall das Smartphone (oder den PC) des Kindes konfiszieren und nur kurz checken, ob sie WhatsApp hat. Und dann zieht man dem Vater einen mit dem Gürtel über und die Sache hat sich erledigt…

    Und ansonsten ist es halt wie immer: Bildung ist ein politisch undankbares Pflaster. alles was du an Geld da reinsteckst, zahlt sich erst in zehn Jahren aus – also lange nach der nächsten Wahl. Da der Wähler aber ein bisschen meschugge ist und pampig wird, wenn du nichts „vorzuweisen“ hast, werden da nie große Sprünge passieren.
    „Wir rüsten jetzt mal alle Schulen in unserem Bundesland wirklich digital aus und schulen zusätzlich die Lehrer, Kostenpunkt x Milliarden“ – da wird doch direkt rumgepampt, was der Schnickschnack soll.

  6. Tolle Lösung. Der „Streik“ geht halt zu 100% zu Lasten der Schüler. Aber wurscht, was die wollen oder brauchen interesssiert ja eh niemanden. Dürfen nicht wählen, somit völlig uninteressant. Mich macht das inzwischen dermaßen mad, dass man auf die Kinder einfach nur nen fetten dampfenden Haufen scheisst.

    • Streiks gehen immer zu Lasten der „Kunden“. Wenn die Busfahrer streiken geht das auch zu Lasten der Schüler, Pendler und Rentner. Lehrer haben halt nur das Pech, dass sie entweder nicht streiken dürfen oder ihre Streiks verpuffen, weil ja die halbe Mannschaft trotzdem da ist (quasi eingebaute „Streikbrecher“).
      In diesem Fall können sie es mal, weil sie sich im Endeffekt weigern, ein nicht vorhandenes Konzept umzusetzen – sprich um sie dranzukriegen, müsste man erstmal das Konzept aufzeigen.

    • Jeder Streik geht zu Lasten derer, die die Leistung des Streikenden in Anspruch nehmen. Aber das ist die einzige Sprache, die Arbeitgeber verstehen. Und es käme gar nicht so weit, wenn der normale Bürger mal seinen Arsch hochkriegen würde und einen Brief an seinen Abgeordneten oder Bürgermeister oder einen anderen, öffentlich immer erreichbaren Offiziellen, verfassen würde und sei es nur eine Mail, anstatt auf privaten Blogs mal eben seine Impulsmeinung rauszukotzen.

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