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Der Herr der Ringe ist ein Klassiker. Doch wie bei vielen Filmen, die 20 Jahre oder älter sind, beschleicht uns der Verdacht, dass hier Rassismus reingelesen werden kann […] Die Message: Wenn du die Rasse kennst, kennst du eigentlich auch den Charakter. Zwerge sind zum Beispiel stur und dickköpfig, Elben anmutig, grazil und weise, Menschen habgierig und tapfer. Die einzige Rasse „of color“ im Herrn Der Ringe sind Orks – und die sind böse und sind eigentlich nur dazu da, bedrohlich auszusehen und abgeschlachtet zu werden. (Via)

Eine Kolumne, die mich triggert. Jetzt ist es schon soweit gekommen, dass wir Fantasy-Geschichten nach SJW-Maßstäben beurteilen? Müssen ab jetzt Filmemacher darauf achten, dass ihre Fantasy-Wesen nicht eine zu dunkle Hautfarbe haben (wenn sie Bösewichte sind), weil das sonst rassistisch ausgelegt werden kann?

Bei diesem Satz hat es mich übrigens komplette zerlegt…

Das höchste der Gefühle ist da noch die Männerfreundschaft zwischen Zwerg Gimli und Elb Legolas. Am Ende heißt es da immerhin: „Seite an Seite sterben mit einem Elf?“ „Nein, Seite an Seite sterben mit einem Freund.“ Vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer in Tolkiens platter Rassenkunde. (Via)

In Tolkiens platter Rassenkunde??? Soweit ich weiß, sind die Fantasy-Wesen im dem Filmepos doch frei interpretiert. Ich wüsste nicht, dass Tolkien genauer festgelegt hätte, dass Orks eine dunkle Hautfarbe haben sollen. Selbst in den Filmen gibt es viele verschiedene Varianten von Orks, siehe hier…

Aber das wurde hier in der Kolumne einfach mal ausgeblendet – wie häufig in den „Rassismus ist überall“-Kreuzzügen. Die Kolumne ist mal wieder ein perfektes Beispiel für die Suche nach dem „Haar in der Suppe“: Mit genug Fantasie kann man halt in jedes Werk Rassismus reinlabern…



35 KOMMENTARE

  1. Jesus Herrgott nochmal, diese Art der Lesung gibt es doch schon seit Jahrzehnten?
    Dass es immer sehr auffällig ist, dass solche geschichten mit bösen rassen oft sehr helle helden und sehr dunkle Feinde hat, das ist den Leuten schon lange vor SJW aufgefallen.

    • Interesannt finde ich immer, das wenn ich Schwarz und Weiß höre nichts mit Rassen denke, sondern an Ying und Yang, Black and White. No Shadow without light. Aber was weiss ich schon 🙂

  2. Ist euch mal aufgefallen, dass bei Star Trek alle Klingonen eine dunkle Hautfarbe haben?
    Oberflächlich betrachtet wäre Star Trek erst einmal durchgefallen.
    Wenn man genauer hinsieht, dann fallen einem gerade bei Star Trek unglaublich viele Dinge auf die das Gegenteil von rassistisch sind.
    In der original Series hat zum ersten mal in der Fernsehgeschichte ein weißer Mann (Kirk) eine schwarze Frau (Uhura) geküsst.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Kirk_and_Uhura%27s_kiss

    Vieleicht sollte man mal den Kopf benutzen und darüber nachdenken warum in Herr der Ringe alle Menschen weiß sind. Spielt halt in europas Mittelalter + Fantasy mit Burgen, Rittern und Drachen.
    Ist halt so bei Ritterfilmen, siehe Bud Spencer

    https://de.wikipedia.org/wiki/Hector,_der_Ritter_ohne_Furcht_und_Tadel

    In den Filmen die in Chinas Ming-Dynastie spielen kommen auch keine Europäer oder farbige Menschen vor sondern ausschließlich Chinesen.

  3. Herr der Ringe ist also zu Weiss und The Witcher ist zu Schwarz.
    Mir persönlich ist Avatar zu Blau und die Turtles zu Grün.

    First – World – Problems

  4. Die Debatte ist definitiv interessant. Im Gegensatz zu WoW, wo jede Spezies positive und negative Individuen hervorbringt, sind Orcs in LotR generell böse, degeneriert und mental schwach. Was, wenn man sich anschaut dass die Inspiration für fast alle Fantasy-Völker in der realen Welt liegen, nen schalen Beigeschmack hat. Tolkien hat selbst dazu Folgendes gesagt:

    In Letter 210, Tolkien described Orcs as „…squat, broad, flat-nosed, sallow-skinned, with wide mouths and slant eyes; in fact degraded and repulsive versions of the (to Europeans) least lovely Mongol-types“

    Im Endeffekt will glaub ich niemand LotR oder Fantasy canceln (okay, vielleicht nicht ganz niemand, ein paar Idioten gibt es), sondern es geht eher darum Medien bewusst zu konsumieren und nicht einfach so hinzunehmen.

  5. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass du dir aus der Suppe berechtigter Anliegen zu wichtigen Themen wie Soziale Gerechtigkeit, Rassismus etc. selbst stets zielsicher die Haare fischst, um mit ihnen einen Social-Justice-Strohmann zu bauen. 😉

    • Wenn irgendwo auf den hinterletzten Seiten im Web, irgendjemand, den kein Mensch kennt und mit seiner Meinung relativ alleine dasteht, eine krude These raushaut, dann soll das kein Grund sein, eine weltweite Bewegung zu wittern, die uns ihre eigene Ideologie aufzwingen und uns alle Freiheiten und alle Freuden im Leben nehmen will? Also ich bitte dich.

  6. Für so hochkarätigen Journalismus zahle ich gerne meine Demokratieabgabe. Mein persönliches Highlight: „Sollten wir den Herrn der Ringe canceln? Nein, natürlich nicht.“ Da haben wir also alle nochmal Glück gehabt. 🙂

  7. Stev, ich respektiere dich für deine Meinung und Beiträge. Aber es wird irgendwie langsam langweilig. SJW dort, SJW hier. Mittlerweile überspringe ich meist die Beiträge. Ich gebe dir ja recht, dass das Thema irgendwo langsam ins Lächerliche getrieben wird, aber jeden kleinen Beitrag dazu auszufiltern, tut der Sache auch nichts Gutes.

    • Naja, da muss man nicht viel Filtern. Dieser Mist kommt halt täglich und einmal in der Zeit erreicht er eine neue Ebene (so wie hier).
      Ich finde es schon gut das Steve das aufzeigt da ich z.b. nicht alle Quellen im Abo habe und mir diese Erheiterung entgangen wäre.

    • das problem ist doch eher, dass die debatte auf dem level überhaupt existiert

      das hilft niemandem und verschreckt leute eher davor, sich mit den ernsten problemen zu befassen

      „uuuh, ich bin ally, weil ich people-first language nutze“
      nein du spast, du bist ein oberflächliches arschloch, weil dir das kernproblem im grunde egal ist und du den einfachsten schritt gehst um als ein Teil des Wandels durchzugehen.

  8. Ist ja auch viel einfacher und schneller über sowas herzuziehen um Clicks zu generieren als mal selber so kreativ und weitsichtig zu sein um überhaupt auch nur Ansatzweise ein solches Universum zu generieren. Dazu fehlt dann so einem „Kolumnisten“ u.a. der Schneid.

  9. Was ist mit denen los? Geht denen das Material aus auf dem man rumreiten kann? Bekommen sie nicht genug Aufmerksamkeit? Als nächstes schimpfen die noch darüber, das nur Roboter auf dem Mars leben und keine Menschen. Totale Rassentrennung auf der Ebene des Solarsystems. Meine Fresse… ich geh ein Bier trinken. Ein Helles. Kein Dunkles. Nehmt das, Jammertüten.

  10. Was??? Sofort neuverfilmen. Alle Gefährten müssen mindestens so dunkel wie T’Chala sein, alle Orcs weiß und heterosexuell, Gimli und Gandalf müssen ein Liebespaar sein, Legolas zumindest nonbinär. Ach ja, die vier Hobbits müssen durch dunkelhäutige Lesben ersetzt werden.

    Dann gibts diesmal auch garantiert mehr als 17 Oscars.

  11. Der Vorwurf, dass Tolkien ein sehr starkes Produkt seiner Zeit war und z.B. die Zwerge irgendwelche Analogien auf Juden sein sollen (dickköpfig, unter sich, reich, gierig), ist doch schon uralt. Und das es mit der Emanzipation auch nicht so weit her ist, sagt ja der altbekannte Fakt, dass nirgendwo im Herr der Ringe zwei Frauen miteinander reden – in drei sehr dicken Büchern.

    Allerdings frage ich mich Steve, warum dich die Kolumne triggered, obwohl doch die letzten beiden Unterpunkte eigentlich deine Meinung sind, oder nicht? Das man den Film genießen kann, auch wenn man diese „Probleme“ sieht. Das HdR natürlich nicht „gecanceled“ werden soll. Oder auch die Anmerkung, dass man überall strukturellen Rassismus findet, wenn man nur danach sucht.

    Sinn und Unsinn der Kolumne mag ja streitbar sein, aber unter der Prämisse „eine kritische Auseinandersetzung mit meinem Lieblingsfilm“ finde ich es eigentlich ganz spannend. Das der Artikel wiederum nur 1 1/2 von 5 Sternen hat, ist dann doch vllt. eher ein Indiz, dass da so mancher Anti-SJW und/oder Tolkien-Fan sich nichtmal die Mühe gemacht hat, bis zum Fazit zu lesen.

    • Oh und nur zur Sicherheit: I don’t give a flying fuck ob Tolkien nun rassistisch war oder nicht, sein Legendarium ist ein unbestreitbares Universum und Grundlage für alles, was wir heute als Fantasy bezeichnen.
      Nur die Filme haben zuletzt bei mir gelitten, was aber hauptsächlich an den unerträglichen Fanboys auf 9gag liegt…

    • Balle, nur weil er großmütig am Ende zu dem Schluss kommt, dass man die Filme nicht canceln sollte (trotz Tolkiens „platter Rassenkunde“), ist der Rest der Kolumne trotzdem unter aller Sau. Das macht die Sache jetzt irgendwie nicht besser…

    • >der altbekannte Fakt, dass nirgendwo im Herr der Ringe zwei Frauen miteinander reden – in drei sehr dicken Büchern.

      ist ja merkwürdig, in einem Werk in dem keine der Hauptpersonen weiblich ist reden nicht einfach 2 random Frauen miteinander.

    • Also ich habe die Kolumne gelesen und keine Ahnung wie du da eine kritische Auseinandersetzung sehen kannst. Das sind an den Haaren herbeigezogene Interpretationen unter der Prämisse „wenn etwas nicht divers ist, ist es automatisch schlecht und rassistisch“.
      Alleine dieses dumme Schwarz Weiß Argument; Weiß im Sinne von hell und Licht und Schwarz im Sinne von Dunkelheit gibt es als Konzept schon weit bevor es bewegte Bilder gab.
      Und da wo es mit der eigenen verqueren Argumentation nicht passt, werden Grima Schlangenzunge und Denethor als nicht storyrelevant beschrieben, alles klar.

      Ich warte dann mal auf den nächsten Artikel vom Autor wo er Star Wars und die Macht als rassistisch darstellt.

    • Die komplette Dialogstruktur von Tolkien ist Murks und es gibt halt einfach wenig Frauen in der Geschichte weil Tolkien das nicht gut schreiben kann. Deswegen gibt es auch keine Liebesgeschichte oder sonst was. Er war ein Faktenjunkie der Spaß daran hatte seine Welt immer genauer zu bauen.
      Keiner liest die Bücher und denkt sich „Boa, ist das toll flüssig geschrieben“. Nein, das sind einfach nur Zahlen, Daten, Fakten die Tolkien zusammengebaut hat. Dramaturgisch ein absoluter Albtraum.

      Besonders lustig finde ich das du es gut findest wenn der Autor so gönnerhaft „noch mal Gnade vor Recht“ ergehen lässt und man den Film nicht direkt vernichten muss. Was für ein Schwachsinn. Der Typ sucht einfach nach Gründen etwas schlecht zu machen und du nimmst ihn dafür noch in Schutz.

    • Finde nicht dass man in einem Text dessen Überschrift so dermaßen klick-bait ist, einräumen muss ihn bis zuende zu lesen. Ich komme zu genau dem selben Fazit wie der Autor, nämlich dass man zwar Rassismus hineininterpretieren kann, wenn man will, dass dies aber in keiner Weise bedenklich ist. UND TROTZDEM finde ich den Artikel, und die reißerische Überschrift total beschissen. Würde von mir auch null Sterne bekommen…
      Die Völker Mittelerdes sind halt genauso monton und eintönig, weil sie von jeweils EINER einzelnen Person geschaffen wurde, und zwar nach seinem Ebenbild…
      Und sobald ein Charakter näher beschrieben wird, wird auch seine Diverse Gefühlswelt sichtbar. Das heißt das ganze ist in keinste Weise rassistisch, sondern zeigt im Grunde nur Vorurteile auf. Was in das damalige Weltdenken total passt. Warum sollten also Geschöpfe in Mittelerde nicht auf Vorurteilsbehaftet sein?

      Summa summarum: Der Artikel ist Mist, und wenn man J.R.R. Tolkien für sein Werk kritisieren will, sollte man vll mehr als nur ein Buch gelesen haben.

  12. Natürlich basiert dieses Universum auf Rassen-Stereotypen. Das ist der ganze Sinn der Welt?!
    Dass die symbolisch für bestimmte Typen stehen (die in der Realität dann natürlich alle jeweils Menschen wären, welcher Herkunft auch immer) ist doch hoffentlich nicht zu schwer zu verstehen wenn man will.

    Mich wundert eher, dass es noch keinen Aufschrei gab, dass das Böse im Osten erstarkt 😀

    • Das Böse erstarkt doch immer Osten. Guck dir Diablo 2 an: Je weiter nach Osten du kommst, desto abgeranzter wird es 😛

    • Click Bait Artikel.

      Tolkien selbst, sein Sohn, der Verlag, die Literaturwissenschaft und sogar coole HDR YouTube Channels haben schon lang die Rassenthematik aufgearbeitet.

      Das Ding wurde schon auf korrekte Weise analysiert und behandelt. Da braucht es keinen zweiseitigen Artikel von Ferdinand, der einfach nur an der Oberfläche kratzt und nichts zum Diskurs beiträgt.

      Am besten wandert Ferdinand nun zu Narnia weiter und gibt sich die schwierigen Zitate von Lewis. Vielleicht sollte er dann noch darüber nachdenken:

      Korrekt zu recherchieren
      Korrektes wissenschaftliches Arbeiten üben
      Gerne einen wissenschaftlichen Blick auf alte Texte werfen und im Kontext zu betrachten, ohne dabei alles zu verurteilen.

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