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Ich komme mit dem finalen Teil meiner Blog-Mottowoche einen Tag verspätet: Das liegt zum einen daran, dass ich am Wochenende viel zu tun hatte, zum anderen ist mir ehrlich gesagt gesagt gar nicht mehr so viel eingefallen, was mich eigentlich im Alltag nervt. Ja, die üblichen Dinge halt: Die cancelnden Twitter-Gerechtigkeitskrieger, der unfreundliche Edeka-Mitarbeiter an der Kasse, usw. Darüber habe ich aber in der Vergangenheit schon des Öfteren geschrieben…

Als ich vor ein paar Tagen die Aktion im Stream ankündigte, merkte „good, old“ Taddi im Twitch-Chat an, dass sie sich viel eher über eine „Dinge, die mir im Alltag Freude bereiten“-Mottowoche freuen würde. Ich möchte diese Idee aufnehmen und eine solche Aktion zeitnah nachschieben. Bis dahin möchte ich Euch von meinem Freitag berichten…

Wisst, was eine Sache ist, die mich immer wieder extrem befriedigt und auch fröhlich macht? Anderen Menschen zu helfen. Ich weiß das klingt kitschig und wahrscheinlich verdreht Ihr in diesem Moment die Augen, aber es ist wirklich so. Ich habe dazu im letzten „Alle Wege führen nach Ruhm“-Podcast eine interessante Ausführung von Paul Ripke gehört, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Jemandem im Alltag zu helfen, versüßt nämlich nicht nur dem Geholfenen den Tag, sondern wie in meinem Fall auch mir als Helfer und teilweise sogar umstehenden Zuschauern, die das evtl. toll finden. Der Körper schüttet in diesem Moment Glückshormone aus und das fühlt sich einfach gut an.

Am Freitag komme ich nach meinem Einkauf ausm Aldi und will den Einkaufswagen zurück in die Schlange schieben. Ich bin ein wenig genervt, weil die Personen vor mir nicht „in die Pötte kommen“. Alle drei Einkaufswagen-Schlangen sind belegt. Ganz rechts steht ein kleines Mädchen und tüdelt an ihrem Wagen rum. „Mein Gott, könnt Ihr bitte noch langsamer sein“, denke ich vor mich hin. Als ich endlich dran bin, ramme ich meinen Einkaufswagen in die Schlange und schaue zu dem kleinen Mädchen nach rechts. In diesem Moment wird mir bewusst, dass sie gar nicht trödelt, sondern verzweifelt versucht, den Wagen selbst zu versenken.

„Kann ich Dir helfen?“, frage ich die junge Dame. „Ja, der blöde Einkaufswagen klemmt“, antwortet sie leicht verzweifelt. Ich schaue mich um und sehe, dass ihr Vater auf dem Parkplatz vor seinem Auto steht und genervt in ihre Richtung schaut. Sie ist ganz hibbelig. „Lass mich mal“, sage ich nett. Das scheiß Ding klemmt wirklich. Aber mit ein bisschen Gewalt funktioniert es schließlich. Das Mädchen lächelt mich erleichtert an. „In so einem Fall ist Gewalt halt doch eine Lösung. Im Alltag ja eigentlich nicht, aber hier schon“, sage ich und wir beide lachen zusammen. Ich gebe ihr den Euro aus dem Wagen. Sie bedankt sich extrem höflich und rennt erleichtert Richtung Auto. Der Vater hat die Szene beobachtet und winkt mir zu.

Ich weiß nicht, ob ich die Sache genauso positiv schildern kann, wie sie abgelaufen ist. Fakt ist aber, dass ich durch dieses kleine Ereignis den ganzen Tag gute Laune hatte. Ohne Witz. Ich hatte eine positive Erfahrung, das Mädchen hatte eine positive Erfahrung und sogar der Papa hatte eine positive Erfahrung. Was will man also mehr?

Später bin ich noch kurz zu Edeka rein und habe Getränke gekauft. Weil dort gerade gebaut wird, kommt man nicht mehr so leicht zum Parkplatz. Man muss dann immer seinen Einkaufswagen über einen Kantstein tragen und das nervt gewaltig. Ob Ihr es glaubt oder nicht, aber ich habe dann noch einer netten Mutter mit Kind den Einkaufswagen darüber geschleppt und fühlte mich danach wie Supermann – vor allem emotional.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir entwickeln uns mehr und mehr zu einer Ego-Gesellschaft. Besonders im Netz gibt es gefühlt nur noch Hass und negative Emotionen. Jeder schaut nur noch auf sich und hat dabei auch noch miese Laune. Dabei kann es unglaublich befriedigend sein, anderen Menschen zu helfen. Vielleicht braucht man auch einfach nur mal jemanden, der einen daran erinnert. Und das bin heute ich, yours truly Stevinho. Habt einen schönen Tag, IHR SCHEIß OPFER! 😀





3 KOMMENTARE

  1. Dieses „man fühlt sich danach wie Superman“-Gefühl kenne ich. Und obwohl ich mich zeitgleich auch immer etwas doof dabei fühle, habe ich es doch und genieße es sehr.

    Bei mir war es sowas hier:
    Als ich letzte Woche einkaufen war, hatte ich etwas „Probleme“, die Knoblauchkiste zu durchwühlen. Bin ja nicht gerade der Längste und das Drecksding stand ganz oben und ungelogen in jeder Tüte Knoblauch bis auf einer war mindestens einer angeknackst. Hat also gedauert.
    Da merke ich, dass neben mir ein Mann dazukommt. Ich entschuldige mich sofort und weiche etwas nach rechts, aber er winkt nur freundlich ab und beschäftigt sich mit dem Gemüse neben mir. Nach ein paar Sekunden grummelt er jedoch, weil er die Plastiktüte nich auseinandergefrimmelt bekommt. Ich helfe ihm dabei und er bedankt sich überschwänglich.

    Danach habe ich mich den ganzen restlichen Einkauf so gut gefühlt, dass mir nichts mehr was anhaben konnte. Weder die grumpige alte Schla—Schrulle, die mich angemotzt hat, warum ich ihm Weg rumstehe (ihre „Fahrbahn“ war komplett frei), noch der Opa der mich angeraunt hat, ich solle nicht vordrängeln, obwohl ich gar nicht zu der entsprechenden Theke gegangen bin.
    Normalerweise bin ich beim Einkaufen immer super-empfindlich mit sowas und das ruiniert mir gleich den Tag, aber dank meinem Tütenerlebnis war ich komplett invincible.

    Was auch schön ist: Normalerweise vergessen wir Menschen ja positive Dinge immer sofort, aber ich habe den Eindruck, an solche „Helfer“-Momente erinnert man sich teilweise noch Jahre später.

  2. Das erinnert mich an eine ähnliche „anderen Freude bereiten“-Situation:
    Ich bin Lokfuhrer und an einem Bahnsteig schaute mal ein Junge, lass ihn ca 8 gewesen sein, voll fasziniert mit seinem Vater an meinem Zug entlang.
    Als meine Abfahrtszeit erreicht war fragte ich den Jungen, ob er die Türen schließen möchte (geht über eine Art Fernbedienung die an ner langen Schnur ist wie die alten Telefone damals).
    Er hat also den Knopf gedrückt und die Türen gingen zu.
    Mit dem Strahlen im Gesicht des Jungen hätte man Tesla’s neue Gigafactory ne Woche mit Solarstrom versorgen können xD

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