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Community-Mitglied Jonas schickte mir in dieser Woche folgenden spannenden Leserbrief:

„Ich bekam vor zwei Tagen eine Email von Google bezüglich einer Bewertung von vor ca. 4 Jahren zu einer Reinigung welche einen Mantel von mir zerstört hatte und sich hinterher komplett uneinsichtig zeigte. Der Kontakt per Email damals mit der Firma hat dies nur weiter untermauert. Meine einzige Möglichkeit, so geht es sicher vielen, war dann eine Google Bewertung. Hier habe ich die Umstände wahrheitsgemäß wiedergegeben um meinen Frust Luft zu machen und natürlich auch andere zu warnen. Ähnliche Bewertungen und auch Erzählungen von Freunden unterstrichen meine Erfahrungen.

Nun habe ich folgende Nachricht erhalten:

Beschwerde gegen Jonas N.

https://www.google.com/maps/reviews/data=!4m5!14m4!1m3!1m2!1s103057877281591072227!2s0x0:0x494f5954ce40ef49?hl=en-US

Durch die Bewertung von „Jonas N.“ entsteht der Eindruck, dass „Jonas N.“ eine geschäftliche Beziehung mit meinem Mandanten hatte. Hierbei handelt es sich um eine wahrheitswidrige Tatsachenbehauptung, es hat nie eine geschäftliche Beziehung zwischen dem Bewertenden und meinem Mandanten gegeben. Somit steht es dem Bewertenden „Jonas N.“ nicht zu, das Unternehmen meines Mandanten zu bewerten.

In der Email von Google wird mir nun Gelegenheit gegeben, innerhalb von 7 Tagen darauf einzugehen, was ich natürlich umgehend gemacht habe. Da ich von damals natürlich keine Rechnungen mehr habe weiß ich nicht wie haltbar der Standpunkt von mir ist.

Ich finde das schon eine große Sauerei. Auch wenn man dies nicht direkt Abmahnung nennen kann, sind das auf jeden Fall schon äußerst zweifelhafte Methoden, um schlechte Bewertungen loszuwerden. Wenn man etwas googelt, findet man zahlreiche Angebote von Anwälten gegen Bewertungen vorzugehen. Da fragt man sich natürlich, wie viele das eventuell gar nicht mitbekommen und die Bewertung dann entfernt wird und dann natürlich nicht mehr ein realistisches Bewertungsbild widerspiegelt, auch wenn es natürlich richtig ist, die Möglichkeit zu haben, gegen „Rage“-Bewertungen anzugehen. Ich habe nun erstmal meine Bewertung editiert um auch dort den Fall offen zu legen.“

Das ist schon ein starkes Stück findet Ihr nicht? Das wäre mal wieder ein gutes Thema für „Krömer und die Anwälte“: Sich nen Anwalt nehmen, um miese Google-Bewertungen löschen zu lassen? Ethisch natürlich extrem fragwürdig – vor allem, wenn es wie in diesem Fall ja offensichtlich einen Grund für eine solche schlechte Bewertung gibt.

Wie seht Ihr die Sache?



10 KOMMENTARE

  1. Gibt bei uns einen Friseur, von dem habe ich eine ähnliche email bekommen.
    Im Anhang wurden alle Einträge erwähnt gegen die er vorgegangen ist.
    Ich hatte auch keine Rechnung mehr, der Fall wurde jedoch erst nach 1-2 Jahren gemeldet.
    Habe dann Google vermittelt, dass ich sehr wohl dort gewesen bin und nach 2 Jahren keine Rechnung mehr eines Friseur Besuchs vorhanden ist.
    Alle Bewertungen bis auf meine wurden gelöscht, habe mir damals auch gedacht mit dem Thema einmal an die Lokalpresse zu gehen. Am Ende ist es wohl aber eher so ein „who cares“ Thema.
    Mein Resume ist, dass ich mir Bewertungen genauer auf ihre Echtheit anschaue.

  2. Ich schreibe relativ viele Google Bewertungen
    Viele sind ehrlich gemeint haben auch 4 bzw 5 Sterne bekommen. Bei einige Firmen die ich aber nicht mag oder den ich es nicht gönne schreib ich 1 Sterne.

  3. Google Bewertungen sind für mich ehrlich gesagt nicht wirklich aussagekräftig. Als Einzelhändler hat man schon alle Arten von Mensch mitbekommen und denkt sich bei einer 1/5 Bewertung seinen Teil. Gibt schon extrem viele Leute, die sich bei einer Reklamierung, ob gerechtfertigt oder nicht, wie die Axt im Wald verhalten und einfach null Respekt entgegenbringen.
    Außerdem wissen viele offenbar nicht wirklich was sie bewerten. Da kann der Laden an sich noch so gut sein, wenn es draußen geregnet hat, gibt es nunmal nur 1/5, oder so ähnlich…
    Das sind Extremfälle die ich aufzähle, aber man sieht bei den (vorallem negativen) Bewertungen nunmal nicht inwiefern alles objektiv ist. Und man sieht auch die andere Seite nicht. Wie oft hatte ich bei Reklamationen hinterher einwandfreie Ware in der Hand und der Kunde wollte einfach nicht zugeben, dass er/sie die einfach falsch zugegriffen hat? Zu oft.

  4. In manchen Fällen ist das sicher auch gerechtfertigt. Aber da geht’s ja eher um Massen. Halte ich auch für eine interessante Idee für Krömer und die Anwälte.

    Wenn ich diesbezüglich einfach mal an meine eigene Arbeit im tel. Kundenservice denke:
    Freundliches Gespräch, alles einwandfrei erklärt und zum größten Teil sogar Kundenverschulden, dass Mist passiert ist. Dem Kunden vielleicht sogar in meinem Kulanzrahmen etwas entgegen gekommen.
    Bewertung fürs Unternehmen in der automatischen Befragung danach (erwartungsgemäß) niedrig. Und die Bewertung für mich (den einzelnen Kundenberater), der alles richtig gemacht hat und freundlich war? Ebenfalls niedrig. Da sitz ich dann auch da und frage mich, was ich denn sonst noch hätte machen sollen…

  5. Ich bekomme aktuell in der Firma täglich 2-3 Spam malis mit Angeboten schlechte Bewertungen anwaltlich löschend zu lassen. Das scheint gerade eine Masche zu sein.

  6. Das Löschen schlechter Bewertungen oder das Hochtunen der Bewertungen ist ein scheinbar sehr einträgliches Geschäftsmodel.

    Wenn du als Geschäftsinhaber, Gewerbetreibender, Arzt, Anwalt usw. bei Google zu finden bist und schon ein paar weniger gute Bewertungen erhalten hast, kannst du sicher sein, von dieser Tuning-Mafia angemailt oder angerufen zu werden, meist so 1-3 Versuche in der Woche, meist mit Vorwahl Berlin…

    Ich bin Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei und natürlich haben wir auch schon schlechte Rachebewertungen von unzufriedenen Personen erhalten. Selbst wir werden mehrfach in der Woche kontaktiert und man versucht uns einen solchen Löschservice zu verkaufen. Selbst der Hinweis, dies als Anwälte nötigenfalls selbst in Angriff nehmen zu können, schreckt nicht ab – der Terror geht munter weiter…

  7. Einfache „Lösung“ ist die alte Bewertung zu ändern oder zu löschen und neue schreiben und dann eben 1 Stern wegen der Anwaltssache.

  8. Finde ich generell sogar richtig. Manche Läden und Shops bieten einen super Service und werden unfair bewertet.

    War letztens bei nem Fotograf, der mir die besten Bewerbungsbilder inklusive Bewerbungsmappe gemacht hat, die ich jemals hatte. Inzwischen habe ich dadurch auch meinen Traumjob bekommen. Ich hasse es zum Fotograf zu gehen, da habe ich mich aber wohl gefühlt.

    Der Laden hat ca. 400 Bewertungen, Durchschnitt von 4.9

    Die eine Bewertung die ihn runterzieht:

    „Hab den Laden 5 Minuten per Navi gesucht und ihn nicht gefunden, 1 Stern“

    Absolut Assi. Und sowas gibt es wirklich oft. Leute verstehen oft einfach nicht, was man genau bewertet oder nutzen das zur Rache.

    Wie das umzusetzen ist, ist die andere Frage. Aber generell sollte man sich unfairer Bewertungen schon entledigen können – die sind halt auch wirklich wichtig. Ich selbst entscheide mich oft nach Google Bewertung

    • Alte Bewertungen sind auch nicht zwingend aussagekräftig (ob gut oder schlecht) und nach 4 Jahren sollten sie eh ausgeblendet werden.

    • ja das ist wirklich ein Problem. Ich hab auch den Eindruck, wenn man nicht aktiv vorgeht gegen sowas oder selber Bewertungen kauft, kommt man in manchen Branchen gar nichtig hinterher.
      Da wird der abhustete Unsinn bewertet und man fragt sich, was bei manchen Leuten nicht stimmt.
      Da hilft es dann auch wenig, wenn man ansonsten 4er und 5er Bewertungen kassiert.

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