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Am vergangenen Freitag hat Netflix nach einer langen Wartezeit endlich die vierte Staffel von Stranger Things veröffentlicht. Auch wenn die Fans jetzt endlich einen Blick auf diese neuen Folgen werfen dürfen, so mangelt es aktuell aber noch an einem Abschluss. Das Staffelfinale wird nämlich etwas hinausgezögert und den Fans erst im kommenden Juli geliefert. Trotzdem kann man zumindest schon einmal die erste Hälfte der Staffel beurteilen. Diese Folgen sind meiner Meinung nach trotz einiger Schwächen durchaus unterhaltsam.

Starten wir mit den Pluspunkten. Die Serie ist im Laufe der Zeit auf jeden Fall erwachsender geworden. Dadurch wirken die Kinder zwar ein wenig fehl am Platz, aber man kann darüber hinwegsehen. Deutlich wichtiger ist der Umstand, dass die Show ihren Horror jetzt stärker an erwachsene Zuschauer ausrichtet und einen noch dunkleren Eindruck macht als in den drei vergangenen Staffeln. Das Ganze fällt besonders dann auf, wenn Leute auf teilweise wirklich groteske Weisen getötet werden. Dabei verzichtet die Show netterweise auf billige Jump Scares und setzt lieber auf eine unheimliche Stimmung und diese schlimmen Tode.

Neben der gezeigten Gewalt und den körperlichen Verletzungen ist die Show in Staffel 4 auch auf emotionaler Ebene einen Schritt weitergegangen. Das Mobbing der Außenseiter wird auf die Spitze getrieben und es erreicht oft sehr unangenehme Bereiche. Zusätzlich dazu werden die Opfer in dieser Staffel vor ihrem Tod sowohl mit Fehlern als auch mit Ängsten konfrontiert und das auf eine recht grausame Weise. Dadurch wirken sowohl die bekannten Figuren als auch die neuen Charaktere deutlich verwundbarer. Selbst, wenn sie durch vergangene Erfahrungen etwas an Zuversicht erlangen konnten. Vecna ist ein toller Bösewicht, dessen grauenhafte Tötungen und emotionale Angriffe wirklich unschön sind.

Mein persönlicher favorisierter Aspekt der Show ist allerdings die Verwendung der Satanic Panic rund um Dungeons & Dragons. Damit ist eine Zeit in den 80er Jahren gemeint, in der Eltern in den USA tatsächlich davon ausgingen, dass ihre Kinder durch D&D und RPGs zu Satanisten oder Mördern werden. Das Ganze wurde durch die Medien und falsche Informationen vorangetrieben und zu einer extrem übertriebenen Bewegung gemacht. Stranger Things Staffel 4 baut dieses Element des Spiels wunderbar in die erzählte Geschichte ein. Die normale Bevölkerung wird dort nämlich ebenfalls panisch und wirft den D&D Fans vor brutale Morde zu begehen und Kräfte von Satan erhalten zu haben.

Der letzte für mich wirklich erwähnenswerte Pluspunkt sind einige der neuen Schauspieler. Joseph Quinn spielt in Staffel 4 die Figur von Eddie Munson, der als neuer GM für die Freundesgruppe fungiert und ihren RPG-Club führt. Der Charakter ist gut umgesetzt und ich möchte gerne mehr von seinen kreativen Reden hören. Die zweite bemerkenswerte Leistung kommt von Jamie Campbell Bower, der einen recht unheimlichen Pfleger verkörpert. Ich möchte an dieser Stelle zwar nicht spoilern, aber seine Auftritte in der letzten Folge waren wirklich gut umgesetzt.

Kommen wir zu den Schwächen der vierten Staffeln von Stranger Things. Bedauerlicherweise ist diese neue Staffel nämlich nicht perfekt und beim Zuschauen sind mehr mehrere lästige Elemente aufgefallen. Erst einmal ist die Serie jetzt wohl dazu übergegangenen sich selbst etwas zu kopieren und Szenen einzubauen, die an Momente aus vorangegangenen Staffel erinnern. Das Ganze ist im Grunde zwar nicht direkt eine schlechte Sache, aber in Staffel 4 gibt es selten ein lohnenswertes Ergebnis für diese Momente. Sie existieren nur, um nostalgische Gefühle bei den Zuschauern zu wecken und sie bringen keine neuen Entwicklungen mit sich.

Zusätzlich dazu sind die Charaktere einfach viel zu weit verteilt. Stranger Things Staffel 1 lebte sehr stark von den Interaktionen zwischen den Hauptpersonen. In Staffel 4 befinden sich allerdings einige Charaktere in Russland, eine Gruppe ist in Hawkings, eine andere Gruppe macht einen Road Trip und Eleven ist alleine unterwegs. Dadurch fehlt es einfach oft an diesen gelungenen Interaktionen, die die vorherigen Staffeln so gut gemacht haben. Die Chemie zwischen den Figuren in den einzelnen Gruppen ist nicht schlecht, aber es glänzt halt auch nicht so gut wie vorher.

Die größte Schwäche von Staffel 4 ist meiner Meinung nach aber einfach ihre extreme Länge. Manch einer mag das als Pluspunkt einstufen, aber in diesem Fall ist es leider eine negative Entwicklung. Die Serie nutzt ihre lange Laufzeit nämlich nicht optimal aus und die erzählte Geschichte hätte auch in eine deutlich kürzere Staffel gepasst. Die Staffel beinhaltet viel zu viele Umwege und unnötige Sub-Plots, die man ohne Verluste hätte streichen können. Besonders die ersten beiden Folgen der Serie leiden unter dieser Masse an unnötigen Momenten und Szenen. Eine etwas geschnittene Fassung der Staffel würde deutlich flüssiger ablaufen und die Geschichte stimmiger erzählen. Durch die Umwege geht nämlich viel zu oft die etablierte Atmosphäre verloren und die Zuschauer werden aus dem Moment gerissen.

Ansonsten mangelt es der Staffel im Moment noch an einem Ende. Das stört mich wirklich. Die erste Hälfte endet an einem guten Punkt, der zumindest auf eine beeindruckende Konfrontation hinauslaufen könnte. Gleichzeitig gibt es genug Spielraum, um die Story in Staffel 5 zu übernehmen und sie weiterzustricken. Ich mag das Warten zwar nicht, aber es kann verstehen, warum die Serienmacher ihren Fans etwas Zeit zum Grübeln bieten wollen. Dadurch steigt der Hype für das Finale noch weiter und jeder Zuschauer ist gespannt darauf zu sehen, welche Option es am Ende wirklich wird.


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