Der Grand-Prix Witz: Danke Bulgarien

Bei uns war es schon immer eine Art Familientradition, alle zusammen den Grand-Prix aka. den Eurovision Song Contest zu schauen. Und es gab ja mal Zeiten, wo es wirklich auch großen Spaß gemacht hat, das Event zu verfolgen. Mittlerweile ist die ganze Veranstaltung zu einer einzigen Farce verkommen. Nicht nur, dass 90% der Songs ohne zu übertreiben “musikalische Umweltverschmutzung” sind, nein, auch die abschließende Stimmvergabe bringt mich jedes Jahr zu dem Entschluss, das Event im nächsten Jahr zu boykottieren: Vor allem die Länder im Osten Europas geben ausschließlich ihren Nachbarn die Punkte. Auch Skandinavien bleibt bei der Punktevergabe gerne unter sich. Wie hat es Peter Urban, Kommentator und Grand-Prix Urgestein so passend formuliert: “Man muss das Abstimmungssystem dringend mal überdenken: Es gibt einfach zu viele Ost- und zu wenig Weststaaten Europas, die abstimmen dürfen.”

Aus deutscher Sicht war der Song-Contest, wie in den letzten Jahren fast immer, ein Desaster. Auch wenn man mit den No Angels den schwächsten Song der letzten drei Jahre ins Rennen schickte, ist ein letzter Platz in meinen Augen ein Witz – vor allem angesichts der unterirdischen musikalischen Mitbewerberländer. Ich meine, ein wirklich überragender Roger Cicero schnitt im letzten Jahr unter ferne liefen ab, und mein persönlicher Lieblingstitel der deutschen Grand-Prix Geschichte (mindestens der letzten zehn Jahre), Texas Lightning, belegte vor zwei Jahren Platz 15. So traurig das ist, aber ich denke ganz nüchtern betrachtet, haben wir wohl die besten Chancen, wenn wir Tokio Hotel ins Rennen schicken würden, weil die kennt man wenigstens im Ausland. Das Problem ist nur, dass man sich bei einem Sieg auch irgendwie nicht freuen könnte, weil einem die ganze Sache einfach zu peinlich wäre.

Zum Schluß dieser tiefschürfenden Grand-Prix-Analyse bleibt nur noch erwähnen, dass wir heute doch tatsächlich von einem Land 12 Punkte bekommen haben: Nämlich von Bulgarien! Und warum? Ganz einfach, weil Lucy, die rothaarige Abturn-Lesbe, gebürtige Bulgarin und daher “dort drüben” ein Star ist. Schön, dass es wirklich nur um die Musik geht, beim Eurovision Song Contest…

Kategorien
Allgemein
Diskussion
64 Kommentare
Netzwerke