16.Spieltag: KSC – Werder 1:0

“Ein Spiel der Konjunktive”, so analysierte der Premiere-Kommentator nach dem heutigen Bundesligaspiel zwischen dem Karlsruher SC und Werder Bremen. “Hätte Pizarro den Ball nach 30 Sekunden reingemacht”, “Hätte er nicht in der zweiten Halbzeit erneut den Pfosten getroffen”, “Hätte Werder die deutliche Überlegenheit ab der 60sten Minute und die zahlreichen Chancen genutzt”, “Wäre Werder der Elfmeter nach Foul an Pizarro gegeben worden”, usw. Bevor jetzt die KSC-Fans ausrasten, weil es ja kein klarer Elfmeter gewesen wäre: Ich sage nicht, dass es ein klarer Elfmeter war, aber ich möchte an dieser Stelle erneut den Premiere-Kommentator zitieren: “Wenn der Schieri seiner Linie treu bleibt, muss er den Elfer pfeifen”. Fakt ist, und das sieht man in der Zeitlupe deutlich, dass es eine Berührung gab.

Nach der Entscheidung des Schieris, den Elfmeter nicht zu geben, kam es zu den wohl diskussionswürdigsten Szenen des Spiels: Die KSC-Abwehrspieler springen Pizarro förmlich an und beschimpfen/provozieren ihn. Die Art und Weise, wie er den Abwehrspieler wegschubst, ist sicherlich fragwürdig, aber auch hier greift der Kommentar des Premiere-Kommentators: “Das ist nie und nimmer eine rote Karte. Gelb hätte es hier eindeutig auch getan”. Okay okay, Diego greift sich nach dieser aus Bremer Sicht doppelten Fehlentscheidung den Abwehrspieler und packt ihn am Hals – aber mal ehrlich, von einer doppelten Tätlichkeit zu sprechen… Ich sags mal so: Findet das Spiel in Bremen statt, gibt der Schieri den Elfmeter, bzw. für die Aktionen kriegen beide Spieler gelb und gut ist es. Dass sich die Karlsruher so über die Szene aufregen, ist halt klar. Würde ich in einer ähnlichen Situation auch machen.

Die Geschichte zum Spiel ist schnell erzählt: Werder zehn Minuten zu Beginn stark. Pizarro trifft den Pfosten und Werder vergibt, wie gewohnt, 2-3 hochkarätige Torchancen. Und da wären wir wieder bei den Konjunktiven: Macht Werder so früh das 1:0, hätte es ihnen Sicherheit gegeben und den anfangs völlig verunsicherten Karlsruhern wohl den Rest – dann schießt man den KSC ab. So ist es aber nicht gekommen, statt dessen war das Spiel ab den zehnten Spielminute “Not gegen Elend” zweier Mannschaften, die die Hinrunde völlig verkorkst haben. Anfangs der zweiten Halbzeit kam der KSC wie verwandelt aus der Kabine und drückte die erste Viertelstunde aufs Bremer Tor. Dabei vergab man beste Torchancen, die Werders Abwehr in gewohnter Manier anbot. Trotz der deutlichen Überlegenheit der Karlsruher hatte man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass der KSC das Tor machen könne – zu blind und harmlos wirkten die Karlsruher Stürmer. Ab der 60sten Minute stürmte nur noch Werder und vergab ebenfalls beste Torchancen. Hunt, Pizarro, Rosenberg und vor allem Özil scheiterten vor dem Tor aus aussichtsreicher Position. Hätte das Spiel im Weserstadion stattgefunden, hätte es zu diesem Zeitpunkt 4:0 oder gar 5:0 gestanden. So stand es aber leider nur 0:0, und es kam, wie es kommen musste: Der KSC mit der einzigen Torchance ab der 60sten Minute. Irgendwie schleppen sie sich zu einer Ecke, die abgewehrt wird. Ein KSC-Spieler schießt den Ball aus 20 Metern einfach mal aufs Tor und der Ball kommt irgendwie zu einem anderen KSC-Spieler, der mehr angeschossen wird, als dass er selbst agiert. Es passte einfach zu dem Spiel, dass der KSC so ein Tor schießt. Dann kam die Szene mit dem Elfmeter, die ich oben beschrieben habe. Der Schieri pfeift das gesamte Spiel auf beiden Seiten extrem kleinlich. Ich bleibe dabei, dass man den Elfmeter geben kann und dass man Pizarro nicht vom Platz stellen muss. Die Karlsruher werden das sicher anders sehen..

Werder bleibt nach diesem Spiel Mittelmaß, obwohl man mal wieder als Sieger vom Platz gehen kann. Wie ich letzte Woche bereits voraussagte, eignet sich der SV Werder in dieser Saison vor allem auswärts dazu, angeschlagene Mannschaften aufzubauen. Wobei man momentan auch in einer Phase ist, wo einem das Pech an den Schuhen klebt, wie man heute mal wieder deutlich gesehen hat. Aber als Spitzenmannschaft kann man das Glück auch einfach erzwingen, wie man gestern mal wieder eindrucksvoll beim FC Bayern sehen konnte. Aber von einer Spitzenmannschaft ist der SV Werder momentan soweit entfernt, wie die Weser von der Isar.

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