"Das Gulasch der MMORPGS"

Durch die Chatbox auf wowszene.de bin ich auf eine äußerst interessante Rezension auf Amazon zum Thema “Wrath of the Lichking”, bzw. World of Warcraft gekommen. Auch wenn ich für diese Aussage wieder geflamed werde: Es ist die beste Zusammenfassung der WoW-Entwicklung und der aktuellen Situation, die ich jemals gelesen habe. Danke an “good old” Mirko für den Hinweis!

Ich will in meiner Rezension nicht auf Einzelheiten eingehen, diese wurden wohl schon oft genug genannt und diskutiert. Das Ziel meiner Rezension sehe ich als ein Aufzeigen der bisherigen Entwicklung von WoW und wie diese in dem aktuellen Add-on weitergeführt wird.

Was war WoW zu Beginn? WoW zu Beginn war eine phantastische Welt voller Möglichkeiten, neuer Ideen und Kreativität. Das waren zumindest die Punkte die mich an WoW begeistert haben. Es machte Spaß sich einzuloggen und nach einer Gruppe für Gruppenquests oder einer Instanz zu suchen. Es machte Spaß einfach nur durch die virtuelle Welt zu wandern und neue Gebiete zu erkunden. Es machte sogar einst Spaß sich auf dem Schlachtfeld mit Gleichrangigen zu messen. WoW war die Messlatte für alle neuen Spiele in diesem Genre.

Was passierte? Andere Spiele erschienen auf dem MMORPG Markt und besetzten Randbereiche. Es gab Spiele die sich das PvP auf die Fahne schrieben und vor wenigen Jahren erschien ein Spiel, dessen Macher sich dem Rollenspiel und der Story verschrieben. Kurzum, es gab Bewegung, es gab neue Ideen, neue Mechaniken.

Aber wie so oft agieren die Kleinen schneller und koordinierter als die Großen auf dem Markt.

Blizzard versuchte mit Burning Crusade neue Ideen und Konzepte zu verwirklichen. Es wurde die Arena eingeführt um PvP-Begeisterte bei Laune zu halten, Instanzen wurden entworfen die man auch mit weniger Mitspielern meistern konnte (von 40 Spielern auf 25 oder gar 10 runter) und es wurde versucht die Quests interessanter zu gestalten.

Was wurde erreicht? Das PvP ist erwartungsgemäß ein Witz für alle Spieler die sich im Wettkampfstil messen wollen. E-Sport wollte man sich im Hause Blizzard auf die Fahne schreiben und neue Spieler erreichen aber mehr als “Item-Sport” ist nicht daraus geworden und so werden die PvP-Spieler in WoW weiterhin von der Konkurenz mitleidig belächelt. Die Itemlastigkeit (der mit der besseren Ausrüstung gewinnt immer), gepaart mit der Unfähigkeit für faire Paarungen und Teambegegnungen zu sorgen sorgt dafür, dass das PvP auch weiterhin ein schlechter Witz bleibt.

Was ist bei dem PVE passiert? Das PvE, schon seit jeher Mittelpunkt im WoW Universum wurde verschlimmbessert. Es gab hier und da mal abwechslungsreiche Quests, dazwischen befanden sich dann ungefähr 50 Quests der Marke “Sammle 40 Steine”, “Töte 200 Schweine”,…

Wirklich innovative Quests konnte man an zwei Händen abzählen.

Die Geschichte? Naja, die gab es irgendwo bestimmt aber man musste sie erst suchen.

Was kommt neu mit Wrath of the Lich King?

Neues PvP? Fehlanzeige, es wurde ein Gebiet erstellt, dass sich ein wenig an Battlefield orientiert und neue Gefechte ermöglichen soll. Es gibt eine kleine Neuerung in der Arena und ein neues Schlachtfeld. Was wurde an an der vorhergehenden Kritik bzgl. der Itemlastigkeit getan? Nichts. PvP ist mMn bei Blizzard ein ungeliebtes Kind das man nur der Form halber unterstützt. Wirklich gefördert wird es nicht und die kritik die schon seit Jahren existiert wurde nicht berücksichtigt.

Neues PvE? Vereinzelt. Es gibt wieder einmal eine Hand voll neue innovative Quests die in den ganzen restlichen Null-IQ-Quests untergehen.
Die Geschichte wurde wieder etwas in den Vordergrund gerückt und man hat alles ein wenig “vereinfacht” um die letzten Casualgamer nicht völlig zu verlieren.

Neue Zaubersprüche, neue Gebiete, neuer ähhh… Einheitsbrei. WoW ist mehr denn je die Gulaschkanone unter den MMORPGS. Es ist massentauglich in jeder Hinsicht und hat keine klare Ausrichtung bis auf die Zielsetzung dass es jeder spielen kann. Dies wurde mit dem aktuellen Add-on unterstrichen. Instanzen wurden vereinfacht, die benötigte Gruppengröße wurde verkleinert, Charaktere wurden austauschbarar gestaltet.

Was ist WoW heute?

– WoW heute ist zu 1/3 komplett ausgestorben. Das ist der Teil den man noch als “Alte Welt” kennt. Die Gegend in der man früher gespielt und gelebt hat ist heute nur noch für das schnelle Ziehen von Gildenkollegen geeignet. Wer heute mit WoW zum ersten Mal anfängt wird eine wirklich schöne aber leere Welt vorfinden in der er dumm angemacht wird wenn er als Anfänger jemanden etwas fragt der schon länger dabei ist und als noob abgestempelt. Er wird die ersten 58 Level (für einen Anfänger ca. >180 Stunden) in verlassenen Gegenden questen und sich freuen wenn es ihm wenigstens einmal am Tag gelingt eine Gruppe für eine Instanz zu finden. Sollte er dann irgendwann einmal in der Scherbenwelt ankommen wird er das Gleiche in ähnlicher Form wiederholen dürfen.

– WoW heute hat das schlechteste PvP-System das ich kenne. Blizzard hat im Laufe der Jahre einer Subkultur eine Welt geschaffen in der es keine fairen Spieler-gegen-Spieler Kämpfe mehr gibt. Es wurden items in Schlachtfeldern erlaubt die man erst unzählige Level später erlangen kann mit dem Ergebnis, dass Spieler die neu im Spiel waren Spielern gegenüberstanden deren einzige Motivation es war die Unerfahrenen zu demütigen und sich ihr Ego daran aufzubauen den Neuen ihren Spielspaß zu nehmen. Im Vergleich ist es wie beim Seifenkistenrennen mit einem SLK aufzutauchen. Spieler, die nicht rund um die Uhr spielen können werden ohne Chance und ohne Fairness in sämtlichen PvP-Bereichen von ihren besser ausgerüsteten Mitspielern in Sekunden umgehauen. Items und nicht das Teamspiel oder die persönliche Fähigkeit bestimmen den Ausgang eines matchs. Blizzard hat es gefördert und versucht in letzter Zeit (zumindest offiziell) die Auswirkungen zu bekämpfen. Erfolgreich sind sie dabei allerdings nicht.

– WoW heute hat eine Community die diesen Namen (und dessen Bedeutung) eigentlich nicht verdient hat. Wer sich ein Bild davon machen will wie es im Spiel später zugehen wird, der kann sich ja mal im WoW Forum umsehen. Das Niveau liegt dort deutlich tiefer als in vergleichbaren MMORPGs und das offenbart sich auch im Spiel selbst.

Was hätte man besser machen können?

Man hätte sich mMn mehr in anderen MMORPGS umschauen können. Es gibt Spiele wie Guild Wars und WAR die im Bereich PvP ganz klar die Nase vorn haben und ausgeglichene Spiele ermöglichen oder offenes PvP fördern. Es gibt auf der anderen Seite Spiele wie Herr der Ringe online die es geschafft haben eine Spielatmosphäre zu gestalten in der Rollenspiel gefördert wird und die GMs einen dabei sogar unterstützen. Man hätte sich anschauen (und umsetzen) können wie man es in WAR schafft ohne die sinnfreien Dropquests und “Töte 100 Schweine” Quests zum maximalen Level zu kommen.

Doch wie bereits erwähnt agieren die Großen langsamer und vorsichtiger als die Kleinen und so ist mit dem neuen Add-on eine Gulaschkanone erschienen die ein paar kleine neue Bröckchen enthält aber zu 95% nur aufgwärmtes Allerlei.

Ich kann jedem interesierten Neueinsteiger nur davon abraten ein Spiel anzufangen das gegen Neueinsteiger ausgelegt ist. Jedem Gelegenheitsspieler würde ich empfehlen sich die neue Welt anzusehen und nach dem Erreichen der höchsten Stufe auszuloggen und auf das nächste Add-on zu warten.

Quelle: Amazon.de

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