Das Wunder von Mailand

Die wollen mich doch verarschen, oder? Man kann in vier Bundesligaspielen Gegner wie Cottbus, Gladbach und Bielefeld nicht besiegen, aber kegelt im UEFA-Pokal einfach mal den Champions-League-Sieger von 2007 AC Mailand aus dem Wettbewerb. Und seien wir mal ehrlich, daran hat keiner mehr geglaubt – und schon gar nicht, nachdem man heute 0:2 in die Halbzeit ging. In unserem Kollegium gibt es viele Werder-Fans, aber ich war mal wieder der Einzige, der ein Weiterkommen von Werder prognostiziert hat – aber eher als hoffnungsloser Optimist.

Die erste Halbzeit war eine typische Werder 2009 Halbzeit: Werder spielbestimmend, ließ beste Torchancen liegen und bekam hinten die Quittung. Mailand kam genau zwei Mal über die Mittellinie, bekam einen Elfmeter geschenkt und machte mit einer schönen Einzelaktion von Pato das 2:0.  Die Werder-Spieler ließen die Köpfe hängen, und man war quasi ausgeschieden. Nur Thomas Wolter, Experte im Radio-Bremen Studio, sprach davon, dass noch alles möglich ist, wenn man weiterhin so überlegen spielt. Und genauso kam es: Werder machte weiter Druck und die Mailänder “Superstars” nahmen einen Gang raus, um sich für kommende Aufgaben zu schonen. Es rollte Angriff über Angriff auf das Mailänder Tor. Ein meiner Meinung klarer Elfmeter wurde Werder verwehrt. Und dann passierte es: Freistoss Diego, Kopfball Pizarro, Tor, 1:2. Wer jetzt damit gerechnet hatte, dass die Mailander aufwachen und wieder einen Gang zulegten, irrte sich. Die Angriffe der Bremen wurden noch wütender, als vorher. Dicke Chancen durch Boenisch und Rosenberg zum 2:2 wurden vergeben, bzw. vom guten Dida vereitelt. Dann folgte die 79.Minute: Wieder Flanke Diego, wieder Kopfball Pizarro und der Ausgleich. Selbst nach dem 2:2 folgte keine Reaktion durch die Mailander. Werder war dem 3:2 wesentlich näher, als Mailand. Werder erreicht also hochverdient das Achtelfinale, darin waren sich alle Pressevertreter einig. Mailand wirkte arrogant und spielte einfach zu überheblich, bzw. tat zu wenig, um eine Runde weiterzukommen.

Der nächste Gegner im Achtelfinale heißt St.Etienne aus Frankreich. Da dies eine relativ unbekannte Mannschaft ist, wird Werder wohl weit größere Problem damit haben, sich für diese Spiele zu motivieren – wir kennen das. Ob das jetzt die Initialzündung für Werder im Hinblick auf kommende Aufgaben war, kann ich nicht beantworten. Aber die Erfahrung zeigt, dass nach einem Hoch bei Werder meist ein Tief folgt. Da Bayern gestern eine überragende Vorstellung hingelegt hat, wird man es am Sonntag im Weserstadion äußerst schwer haben, das zweite Erfolgerlebnis hintereinander einzufahren. Allerdings habe ich das ja so mit Per abgemacht, also haut rein Jungs!

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