"Spiele sind massive Angriffe auf Menschenrechte"

Ich kann kaum glauben, was ich gerade von unserem Community-Mitglied Sven verlinkt bekommt habe. Es geht um einen PC-Games-Artikel, in dem eine Petition gegen Computergewalt thematisiert wird:

Gewalt in Spielen ist ein nie versiegender Quell für Aufmerksamkeitshascherei. Eine neue Lawine tritt jetzt eine Kölner Petition los, die sich gegen Computergewalt ausspricht. Das “Wie” ist zweifelhaft, will man doch mit Sprüchen wie “Killerspiele sind Landminen für die Seele” oder “Killerspiele sind aktives Kriegstraining” für Furore sorgen.

Im Text heißt es: “5-, 15- und 25jährige sitzen heute Stunden, Tage und Nächte vor Computern und Spielekonsolen. In “Spielen” wie “Counter-Strike”, “Doom 3”, “Call of Duty”, “Halo 3”, “Crysis”, “Grand Theft Auto IV” u.a. üben sie systematisches und exzessives Töten mit Waffen vom Maschinengewehr bis zur Kettensäge. Sie demütigen, foltern, verstümmeln, zerstückeln, erschießen und zersägen Menschen an ihren Bildschirmen.”

Unterzeichnet und angetrieben wird die Petition natürlich mal wieder von (un)bekannten Politikern, die sich so einen Namen machen möchten – unter anderem von dem schon mehrfach in seinem Kampf gegen die “bösen” Computerspiele aufgetretene Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens Prof. Dr. Christian Pfeiffer. Die Petition ist eindeutig der Höhepunkt von allem, was ich bisher lesen musste. Sie ist gespickt mit Vorurteilen, Unwahrheiten und gezielter Panikmache:

Weiter geht’s im haarsträubenden Text, denn glaubt man diesem, entstammen diese so genannten Killerspiele “den professionellen Trainingsprogrammen der US-Armee […] Denn diese sogenannten ‘Spiele‘ sind in Wirklichkeit Simulationen der Kriegsrealität: Sie erzeugen Angst, Stress und andauernde Adrenalinschübe.”

Und nun der Höhepunkt: “Die Spiele sind massive Angriffe auf Menschenrechte, Völkerrecht und Grundgesetz.” Wer an diesem Punkt aufgrund Kopfschüttelns aufhört zu lesen, erfährt jedoch nicht, welche Slogans die Herren und Damen Unterzeichner noch so auf dem Kerbholz haben. Wir zitieren erneut:

“Die Entwicklung von Computerspielen wie die Verharmlosung ihrer Wirkungen funktionieren nur, weil Wissenschaftler und Hochschulen seit langem mitspielen. Hochschulen richten Studiengänge für die Games-Industrie ein und Wissenschaftler kreieren eine neue Sprache, die die Wirklichkeit verschleiert statt aufzuklären”

“Wissenschaftler, die dies [den Wissenschaftsstreit] leugnen, machen sich zu Komplizen und sind Profiteure des militärisch-industriellmedialen Komplexes, denn deren Institute erhalten umfangreiche finanzielle Unterstützung der Games-Industrie.”

“Verantwortlich sind also nicht Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, denen die Bewältigung der Folgen immer zugeschoben wird. Verantwortlich sind Hersteller und Kriegsindustrie; die inflationäre Verbreitung der Spiele ist politisch gewollt und wird von “Wissenschaft” und Medien bereitwillig vorangetrieben.”

Ich werde langesam müde, solche Artikel zu kommentieren. Jeden Tag ein neuer Wissenschaftler, Pädagoge oder Politiker, der den Computerspielen den Kampf ansagt, um sich darüber zu profilieren. Panikmache, besonders im Bereich Computerspiele, verkauft sich extrem gut. Mit der Realität hat dies in den seltensten Fällen etwas zu tun.

Wir den ganzen PC-Games-Artikel lesen möchte, kann dies hier tun –> PC Games News

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